Linienbus (Foto: dpa)

ÖPNV: Ade Wabensystem?

Lars Ohlinger / Onlinefassung: Kai Forst   24.01.2019 | 07:26 Uhr

Unzuverlässig, teuer und wenig genutzt: Der öffentliche Personennahverkehr im Saarland steht unter Dauerbeschuss, die Menschen im Land sind unzufrieden. Ein Gutachten im Auftrag der Landesregierung belegt: Der ÖPNV im Saarland muss reformiert werden. Verkehrsministerin Rehlinger will schon bald die Wabenstruktur überwinden.

Einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr wie in Luxemburg wird es im Saarland so bald nicht geben. Aber wenn demnächst bei der Saarbahn genügend Personal vorhanden ist und alles wieder regelmäßig läuft, könnte es ab dem nächsten Jahr eine große Umstellung bei den Tarifen geben. Der saarländischen Verkehrsministerin ist schon länger klar, dass bei im gesamten ÖPNV etwas getan werden muss.

"Schlecht überschaubares Wabensystem"

"Wir haben ja bisher ein schlecht überschaubares Wabensystem im Saarland. Das wollen wir überwinden, damit man sich in Zukunft leichter für den ÖPNV entscheiden kann. Letztendlich ist es aber so, dass bestimmte Angebote, die zum Beispiel Familien entlasten würden, auch Geld kosten", sagte Verkehrsminister Rehlinger bei der Vorstellung eines Gutachtens, das sie in Auftrag gegeben hat.

Video [aktueller bericht, 23.01.2019, Länge: 3:05 Min.]
Öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen

Das Gutachten zeigt, dass die Preise zu hoch sind, das Tarifnetz zu kompliziert ist, aber ein gut ausgebautes Liniennetz besteht. Schlussfolgerungen daraus: Die Wabenstruktur muss stark vereinfacht werden. Zudem müssten günstigere Tages- und Monatskarten eingeführt werden. "Über 60 Prozent der Menschen im Saarland fahren nie Bus und Bahn. Das ist extrem hoch. Wir haben daran gedacht, dem Ausflugs- und Freizeitverkehr attraktivere Angebote zu machen - zum Beispiel für zwei Erwachsene und Kinder. Dann wird es keine Waben mehr geben, sondern es gibt einen Preis fürs ganze Land und der ist sehr attraktiv", sagte der Gutachter Gerhard Probst.

"Schülertarife attraktiver machen"

Das Gutachten ist nur ein Vorschlag. Noch nicht ganz klar ist, wie viel eine attraktivere Tarifstruktur zusätzlich Kosten dürfte. Aber mit fünf Millionen Euro pro Jahr sei schon sehr viel möglich, heißt es. Selbst mit weniger Geld wäre eine deutliche Verbesserung für die Nutzer möglich. Nicht nur Ministerium und Landesregierung müssen nun aber davon begeistert werden. Gutachter Probst: "Wir würden uns freuen, wenn sich die Landkreise mit engagieren würden, um die Schülertarife attraktiver zu machen. Ein Sozialticket ist auch ein wichtiges Thema, das gibt es in den Landkreisen bisher noch nicht."

2020 wird auch als Starttermin für die neue Tarifstruktur im Saarland angepeilt. Wenn es dazu kommt, könnten vielleicht auch im selbsternannten Autoland zumindest langfristig sehr viel mehr Busse und Bahn genutzt werden.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht im SR Fernsehen am 23.01.2019 berichtet.

Kollegengespräch: "Es ist ein guter Einstieg in die Diskussion"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Gerd Heger/Stephan Deppen, 24.01.2019, Länge: 03:17 Min.]
Kollegengespräch: "Es ist ein guter Einstieg in die Diskussion"
Es soll sich endlich was bewegen im öffentlichen Personennahverkehr im Saarland. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger stellte dazu am 23. Januar ein neues Gutachten vor. Einer der Kernpunkte: die Tarifstruktur. Im Kollegengespräch gibt SR-Reporter Stephan Deppen eine Zusammenfassung der Gutachtervorschläge und gibt eine Einschätzung.

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