Ein Mitarbeiter überwacht den Abstich des flüssigen Eisens (Foto: picture-alliance/ dpa | Patrick Pleul)

Saarländische Stahlbranche will Milliarden investieren

mit Informationen von Frederic Graus   09.06.2022 | 15:40 Uhr

Die Unternehmen Saarstahl und Dillinger planen Investitionen in Milliardenhöhe in die Produktion von so genanntem grünen Stahl. Am Donnerstag wurde ein gemeinsamer Fahrplan zur Transformation der Stahlindustrie beschlossen. Vorstandsvorsitzender Köhler spricht vom "wichtigsten Projekt in der Geschichte der saarländischen Stahlindustrie".

Noch werden bei der Produktion von Stahl im Saarland große Mengen an klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid ausgestoßen. Doch das soll sich zügig ändern. Bis 2027 soll der Stahl "grüner" werden und die CO2-Emissionen sollen deutlich sinken. Hierzu sind zunächst Investitionen von 2,8 Milliarden Euro geplant, perspektivisch soll eine weitere Milliarde hinzukommen.

Video [aktueller bericht, 09.06.2022, Länge: 3:01 Min.]
Großer Umbau der saarländischen Stahlindustrie

Bis 2045 soll die Stahlproduktion dann komplett klimaneutral sein. Die Transformation sei das wichtigste Projekt in der Geschichte der saarländischen Stahlindustrie, sagt Karl-Ulrich Köhler, Vorstandsvorsitzender bei den Unternehmen Saarstahl und Dillinger.

„In einer ersten Phase werden zwei Elektroöfen in Völklingen und in Dillingen sowie ein Direktreduktionsreaktor in Dillingen gebaut, um den Stahl in der bewährten Weise, wie wir ihn heute an die Märkte liefern dann über eine kohlenstoffarme Prozessroute zu liefern.“

Einsparungen bei den CO2-Emissionen

Im Gegenzug sollen die alten Hochöfen, die Stahl noch traditionell mithilfe von Kohle herstellen, abgeschaltet werden. Dadurch würden signifikante Einsparungen bei den CO2-Emissionen erreicht. Das Ganze geschieht vor dem Hintergrund politischer Vorgaben.

Stahlbranche plant Kohleausstieg
Audio [SR 3, Lars Ohlinger (c) SR, 09.06.2022, Länge: 03:31 Min.]
Stahlbranche plant Kohleausstieg

Im Klimaschutzgesetz schreibt die Bundesregierung vor, dass die CO2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken müssen. Doch um das im Saarland zu erreichen, braucht es auch massive Unterstützung von der Politik, fordern Saarstahl und Dillinger.

Die Politik müsse die Rahmenbedingungen für dieses Manöver gestalten, so Köhler. „Unser Unternehmen hat im letzten Jahr einen Gewinn in der Größenordnung von 280 Millionen Euro gemacht. Wir wollen fast drei Milliarden investieren.“ Das gehe nur auf, wenn man dabei Unterstützung bekomme.

Förderanträge geplant

Schon in den kommenden Wochen wollen Saarstahl und Dillinger gemeinsam Förderanträge bei Bund und EU einreichen, erklärt Reinhard Störmer, Aufsichtsratsvorsitzender bei Saarstahl und Dillinger.

Was genau die groß angelegte Transformation der saarländischen Stahlindustrie für die Arbeitsplätze im Land bedeutet, ist allerdings noch nicht klar. Laut Köhler könnten zahlreiche Jobs gefährdet sein. Langfristig schätzt er die Zahl auf eine Größenordnung von 600 bis 1000.

Bekenntnis zum Standort Saarland

Mit ihren Investitionen bekennen sich Saarstahl und Dillinger jedoch klar zu ihren Standorten im Saarland - wie Störmer bekräftigt. "Wir haben gute Produkte. Im Bereich Dillingen sind wir Weltmarktführer bei Windblechen. Wir haben sehr gute Produkte im Bereich Saarstahl. Von daher werden wir auch langfristig die Stahlindustrie hier am Ort halten können."

Saarländische Stahlindustrie will bis 2045 Kohlenutzung beenden
Audio [SR 3, Frederic Graus, 09.06.2022, Länge: 03:02 Min.]
Saarländische Stahlindustrie will bis 2045 Kohlenutzung beenden

Das alles unter den Vorgaben der Politik - die da heißen: Das Klima muss geschützt und der Stahl grüner werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 09.06.2022 berichtet.

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