Der Biontech-Impfstoff wird für eine Impfung vorbereitet (Foto: picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Ärger um Impftermine im Saarland

mit Informationen von Steffani Balle   04.01.2021 | 15:04 Uhr

Beim Buchen von Impfterminen berichten am Montag viele Saarländer von Problemen. Für Dienstag will das Gesundheitsministerium deshalb offenbar Zeitfenster festlegen. Außerdem sollen Wartelisten eingeführt werden.

Das Ministerium hatte sich für Montag nach eigenen Angaben eine größere Chancengleichheit dadurch erhofft, dass Impftermine über den Tag verteilt vergeben wurden. Zu verschiedenen Tageszeiten sollte es möglich sein, einen Termin zu ergattern. Wann genau, gab das Ministerium im Vorfeld nicht bekannt.

König kritisiert Impfterminvergabe
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 04.01.2021, Länge: 03:32 Min.]
König kritisiert Impfterminvergabe

Wer einen Termin buchen wollte, solle das Buchungssystem im Blick halten. Termine würden über die Webseite impfen.saarland.de oder per Telefon unter der Nummer 0681 501 4422 vergeben.

Bereits am Montagmorgen meldeten sich daraufhin zahlreiche Saarländer beim SR, um von Problemen zu berichten. Viele beklagten, dass sie auch nach "stundenlanger Wartezeit" in der Hotline keinen Termin bekamen, oder über die Webseite gar nicht erst Termine buchen konnten.

Nachbesserung am Dienstag

Auch beim Gesundheitsministerium beschwerten sich zahlreiche Anrufer über das "Windhundsystem", hieß es auf SR-Anfrage. Ab Dienstag sollen deshalb offenbar Zeitfenster bekanntgegeben werden, zu denen Termine gebucht werden können. Auf längere Sicht soll es eine Warteliste geben, allerdings seien noch Fragen zum Datenschutz und zur Organisation ungeklärt. Dies solle jedoch "zeitnah" geklärt werden.

Kolling zu Kritik an Impfterminvergabe
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 04.01.2021, Länge: 03:46 Min.]
Kolling zu Kritik an Impfterminvergabe

Eine Ursache für die beschränkte Anzahl an Impfterminen sei, dass es derzeit zu wenig Impfstoff gebe, sagte Staatssekretär Stephan Kolling im SR-Interview. Die Nachfrage sei größer als das Angebot das sei aber nicht nur im Saarland so, sondern europaweit.

Bereits bei der ersten Runde der Terminvergabe an Heiligabend war das System zunächst überlastet zusammengebrochen. Auch damals hatten sich zahlreiche Saarländer beim SR beschwert.

8700 Impfungen im Januar

Bis zum 16. Januar seien täglich rund 180 und ab dem 18. Januar täglich rund 580 zusätzliche Impfungen in den Impfzentren vorgesehen. Bis Ende Januar sollen so insgesamt 8700 zusätzliche Impfungen in den saarländischen Impfzentren möglich sein, erklärte das Ministerium.

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"Wir prüfen täglich unsere Zahlen und auch alle Möglichkeiten, wie wir weitere Termine im Rahmen der Verfügbarkeit ermöglichen können. Voraussetzung bei allen Überlegungen ist, dass der Bund die angekündigten Liefertermine für die Impfstoffe wie vorgesehen einhält", sagt Saarlands Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU). Zum jetzigen Zeitpunkt könne das Saarland sicherstellen, dass eine Impfserie mit der zweiten Impfung nach drei Wochen abgeschlossen werden kann.

In den saarländischen Pflege- und Alteneinrichtungen sei bereits ein Fünftel aller zur Impfung angemeldeten Bewohner mit der Erstimpfung versorgt.

Kritik abgeschmettert

Von der großen Nachfrage bei der Terminvergabe leitet die Ministerin ab, dass die Impfbereitschaft im Saarland "sehr hoch" ist. "Wir sind ganz am Anfang und bitten um etwas Geduld, bis wir die notwendige Anzahl an Impfdosen haben, um das Angebot weiter zu erhöhen. Jeder der geimpft werden möchte, wird geimpft", so Bachmann.

Die Ministerin verteidigte die Entscheidung gegen eine Kontaktaufnahme impfberechtigter Personen per Brief, wie es teilweise in anderen Bundesländern gehandhabt wird. "Die Chance, einen Termin zu bekommen, liegt nicht an unserem Anmeldeverfahren, sondern an der aktuell verfügbaren Menge an Impfdosen", erklärt Bachmann. Zuvor hatten die Saar-AfD und die Saar-FDP das bisherige Terminvergabesystem stark kritisiert.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 04.01.2021.

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