26.03.2019, Großbritannien, London: Fahnen, die jeweils zur Hälfte aus dem britischen Union Jack und der Flagge der Europäischen Union bestehen, sind vor dem Palace of Westminster, dem britischen Parlament, zu sehen. Die britische Premierministerin Theresa May kommt in Brüssel mit den Staats- und Regierungschefs der 27 übrigen EU-Staaten zum EU-Sondergipfel zum Brexit zusammen (Foto: dpa / picture alliance / AP / Alastair Grant)

Saar-Wirtschaft zittert vor Boris Johnson

  23.07.2019 | 15:49 Uhr

Mit der Wahl Boris Johnsons zum Premierminister ist auch die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits wieder ein Stück näher gerückt. Der träfe das Saarland härter als alle anderen Bundesländer. Denn der Anteil Großbritanniens am gesamten Export ist hier besonders hoch. Saarländische Unternehmensverbände fordern zügiges Handeln der Politik.

In der saarländischen Wirtschaft herrscht Nervosität: Gilt der 55-jährige neue britische Premier Boris Johnson doch als Brexit-Hardliner und hat immer wieder betont, dafür sorgen zu wollen, dass Großbritannien am 31. Oktober die Europäische Union verlässt - ob mit oder ohne Deal mit der EU.

Das Saarland wickelt laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft knapp neun Prozent seines Außenhandels mit dem Vereinigten Königreich ab. Auf der Exportseite allein sind es sogar 12,4 Prozent. Vor allem die Automobilbranche macht Geschäfte mit Großbritannien. Der Anteil von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen an den saarländischen Exporten in das Vereinigte Königreich liegt bei fast 80 Prozent.

Video [aktueller bericht, 23.07.2019, Länge: 3:00 Min.]
Boris Johnson wird neuer Premierminister

Saar-Wirtschaft fürchtet No-Deal-Brexit

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK), Heino Klingen, sagte im Interview mit dem SR, ein ungeordneter Brexit wäre "ein weiterer Nackenschlag für die saarländische Industrie, die sich ohnehin schon seit einigen Monaten in der Rezession befindet." Es dürfe nicht zu einer Situation kommen, in der zwischen Großbritannien und Deutschland wieder Zölle erhoben würden.

Die Vereinigung der saarländischen Unternehmernsverbände hat die Politik dazu aufgefordert, "baldmöglichst in Gespräche mit der neuen britischen Regierung einzutreten". Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter sagte, Ziel müsse sein, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auch nach einem Brexit aufrechtzuerhalten.

Landesregierung bereitet sich vor

Die saarländische Landesregierung bereitet sich nach eigenen Angaben intensiv auf die verschiedenen Austrittsszenarien vor. Im Rahmen eines Sonderprogramms stünden "vielfältige Anlaufstellen für Unternehmer zur Verfügung", teilte die Staatskanzlei mit. So gebe es unter anderem einen Brexit-Beauftragten des Landes und sogenannte Brexit-Lotsen bei der IHK.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "aktuell" im SR Fernsehen am 23.07.2019 berichtet.

Audios

"Da hat der charismatischere Charakter sich durchgesetzt"
Audio [SR 2, Stephan Deppen, 23.07.2019, Länge: 06:20 Min.]
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Der neue Premierminister Großbritanniens heißt wie erwartet Boris Johnson. Für den Erlanger Politikwissenschaftler Prof. Roland Sturm ist die Wahl keine große Überraschung.

Brexit-Brite wird Deutscher
Audio [SR 3, (c) SR, 23.07.2019, Länge: 02:33 Min.]
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