Ein Mann raucht einen Joint. (Foto: picture alliance / Oliver Berg/dpa)

Geteiltes Echo im Saarland auf mögliche Cannabis-Legalisierung

mit Informationen von Jan Henrich   13.10.2021 | 19:15 Uhr

Die neue Bundesregierung könnte den Handel mit Cannabis legalisieren. Grüne und FDP sind für eine Freigabe, die SPD will eine regulierte Abgabe in Modellprojekten. Politiker und Experten im Saarland sind geteilter Meinung.

Die Debatte über eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland nimmt Fahrt auf. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dafür ausgesprochen, die Legalisierung in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP festzuschreiben. Lauterbach plädiert für eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene - weil dem illegalen Straßencannabis häufig Heroin beigemischt werde und das die Konsumenten in die Abhängigkeit treibe.

Gefahr der Psychose

Die Chefärztin der SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf, Eva Möhler, hat Bedenken, Lauterbachs Argumentation zu folgen. "Die Schwelle wird natürlich niedriger, wenn man das legalisiert", sagte Möhler.

Jugendpsychiaterin Möhler gegen kontrollierte Abgabe von Cannabis
Audio [SR 2, Gabi Szarvas / Prof. Dr. Eva Möhler, 13.10.2021, Länge: 05:23 Min.]
Jugendpsychiaterin Möhler gegen kontrollierte Abgabe von Cannabis

Ihrer Erfahrung nach gebe es durchaus Jugendliche, die Cannabis ohne Schaden konsumierten, manche aber könnten schon nach kurzer Zeit des Konsums "psychotische Reaktionen" entwickeln. "Es gibt keine Möglichkeiten, vorherzusagen, welche jungen Menschen von dem Cannabiskonsum dann in eine Psychose abgleiten und welche das eben gut vertragen", stellte Möhler klar.

Saar-Fraktionen geteilter Meinung

Die Fraktionen im saarländischen Landtag bewerten eine Cannabis-Legalisierung unterschiedlich. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Magnus Jung, zeigt sich offen für Reformen. Die SPD habe erkannt, dass die bisherige reine Verbotspolitik nicht funktioniere. Darum brauche es vernünftige Regeln.

Dagegen sieht der Koalitionspartner CDU zu viele Gefahren, besonders für junge Menschen. Timo Mildau, drogenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, spricht sich daher strikt gegen eine Legalisierung aus.

Uneinigkeit herrscht auch in der Opposition. Für die Linke ist eine Entkriminalisierung das erste Ziel. Erst danach könnten weitere Schritte folgen. Die AfD-Fraktion lehnt eine Legalisierung kategorisch ab.

Forderung nach Jugendschutz

Harald Frey vom Landesinstitut für präventives Handeln im Saarland spricht sich für eine Beteiligung der Bevölkerung aus. "Die Gesellschaft muss entscheiden, ob sie noch eine weitere legalisierte Droge braucht."

Interview mit Harald Frey: "Im Moment besser nicht frei geben"
Audio [SR 3, Interview Dorothee Scharner / Harald Frey, 13.10.2021, Länge: 07:09 Min.]
Interview mit Harald Frey: "Im Moment besser nicht frei geben"

Auf jeden Fall müsse der Jugendschutz mehr in den Vordergrund gestellt werden. Legalisierung bedeute nur, dass der Handel nicht mehr strafbar sei. Weniger Gefahren für das Denkvermögen und die kognitiven Fähigkeiten von Jugendlichen gebe es dadurch nicht, sagt Frey. Die Folgen könnten weiterhin sehr gravierend sein.

Gegen eine Legalisierung hat sich weiterhin das Bundesgesundheitsministerium ausgesprochen, außerdem die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Gewerkschaft der Polizei.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 13.10.2021 berichtet.

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