Lkw der Firma Wilke (Foto: picture alliance/Uwe Zucchi/dpa)

Hohe Dunkelziffer bei Listeriose-Ausbruch

Thomas Braun   18.10.2019 | 16:56 Uhr

Von dem Wilke-Wurstskandal könnten viel mehr Menschen betroffen sein, als bislang bekannt. Der in der Wurst gefundene Erreger wurde laut saarländischem Gesundheitsministerium bislang bei zwei Patienten im Saarland nachgewiesen. Ein dritter Fall wird derzeit geprüft. Das Ministerium geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die beiden bislang bekannten Fälle stammen aus November 2018 und März 2019, teilte das Gesundheitsministerium auf SR-Anfrage mit. Bei den Patienten war der Listerienstamm Sigma1 nachgewiesen worden - der gleiche Erreger, der auch in Wilke-Produkten gefunden wurde. Bei einem weiteren Patienten von Anfang Oktober dieses Jahres wird derzeit ein Zusammenhang mit dem Sigma1-Ausbruchsgeschehen geprüft.

Generell geht das Gesundheitsministerium von einer "hohen Untererfassung" aus. "Bezüglich einer Zuordnung zu einem Listeriose-Ausbruchsgeschehen muss eine Typisierung stattfinden", teilte ein Sprecher mit. Diese Typisierung kann aber nur erfolgen, wenn der behandelnde Arzt erfolgreich eine Blutkultur angelegt hat. Dies sei aber häufig nicht der Fall. Ein Listeriose-Nachweis zum Beispiel durch Stuhlproben ist nicht meldepflichtig.

Versäumnisse bei hessischen Behörden

Unterdessen geraten der hessische Wursthersteller Wilke und auch die für die Kontrolle zuständige Behörde immer stärker unter Druck. Die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) sagte, bei dem Unternehmen sei mit hoher krimineller Energie gehandelt worden. Der zuständigen Überwachungsbehörde warf Hinz vor, unzureichend über Mängel in dem Betrieb informiert zu haben. Zugleich musste Hinz aber auch Versäumnisse in ihrem Ministerium einräumen, was die Bearbeitung des Falls anging.

Frisches mit vergammeltem Fleisch gemischt

Bereits zuvor hatten ehemalige Mitarbeiter im Hessischen Rundfunk von katastrophalen hygienischen Verhältnissen bei der Wurstproduktion berichtet. So sei vergammeltes Fleisch mit frischem vermischt und dann stark gewürzt worden, um den Geschmack zu überdecken.

Ministerium: Lebensmittelüberwachung im Saarland "reibungslos"

Für Ende kommender Woche hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) alle Landesminister zum Gespräch geladen. Dabei sollen Schwachstellen bei der Lebensmittelüberwachung identifiziert und über mögliche Konsequenzen beraten werden.

Das Saarland wird an dieser Besprechung auch teilnehmen - das in dem Fall zuständige Verbraucherschutzministerium sieht hierzulande aber keinen Nachbesserungsbedarf. Im Saarland sei die Lebensmittelüberwachung beim Landesamt für Verbraucherschutz gebündelt und nicht wie in anderen Bundesländern auf eine Vielzahl kommunaler Behörden verteilt. "Aus diesem Grund funktioniert die Lebensmittelüberwachung im Saarland reibungslos", sagte ein Sprecher.

Die Kontrollen zu der Anfang Oktober eingeleiteten Rückrufaktion aller Wilke-Produkte sei mittlerweile abgeschlossen. Aus Sicht des Ministeriums mit Erfolg: Der Warenrückruf sei umfassend bekannt gewesen.

Kaufinteressent für Wilke

Das Unternehmen Wilke war Anfang Oktober geschlossen worden und musste vorläufige Insolvenz anmelden. Die Kasseler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Geschäftsführer wegen fahrlässiger Tötung. Nach Angaben des Insolvenzverwalters gibt es aktuell einen Kaufinteressenten.

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