Heruntergelassene Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren (Foto: picture alliance/Uwe Zucchi/dpa)

Auch zwei Saarländer an Listeriose erkrankt

Thomas Braun   11.10.2019 | 15:53 Uhr

Von dem Skandal um mit Keimen belastete Wurst sind auch mindestens zwei Saarländer betroffenen. Sie waren in der Vergangenheit an Listeriose erkrankt. Zuletzt wurden im Saarland rund 180 Betriebe mit Wilke-Produkten beliefert, darunter auch 18 Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Altenheime und Krankenhäuser.

Der Skandal um die mit dem Keim Listeria Monocytogens belastete Wurst könnte sich deutlich ausweiten. Wie aus einem aktuellen Bericht des Robert-Koch-Instituts hervorgeht, war der Keim möglicherweise mehrere Jahre im Umlauf. Aufgefallen war eine Häufung von Listeriose-Ausbrüchen erstmals 2018. Nachträglich konnten dem speziellen Keim bislang insgesamt 37 Fälle zugeordnet werden  - teilweise zurück bis ins Jahr 2014. Unter diesen 37 Fällen, die in den vergangenen fünf Jahren an Listeriose erkrankten, sind auch zwei Patienten aus dem Saarland. Durch die Untersuchung des RKI und einen Abgleich des Bundesinstituts für Risikobewertung konnte ein Zusammenhang zu Wilke bestätigt werden, sagte eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums am Freitag. Der Keimstamm konnte demnach bei den Patienten und in Wilke-Produkten nachgewiesen werden.

RKI spricht von drei Todesfällen

Das RKI geht mittlerweile von drei Todesfällen aus. Drei Patienten aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt seien an den Folgen der Erkrankung gestorben. Anders sieht es bei den Todesfällen in Hessen aus, über die zuerst im Zusammenhang mit dem Lebensmittelskandal berichtet worden war. Die beiden Patienten waren zwar an Listeriose erkrankt, ihr Tod habe aber letztlich nicht in Verbindung mit der Infektionserkrankung gestanden.

Möglicherweise viel mehr Betroffene

Laut RKI könnte die Zahl der Betroffenen noch höher liegen, als bislang bekannt. Denn um den Keim eindeutig der gleichen Quelle zuordnen zu können, muss den Patienten eine Blutprobe entnommen worden sein. Nachweise von Listerien in Stuhlproben seien nicht meldepflichtig.

Knapp 180 saarländische Betriebe beliefert

Im Saarland wurden nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums zuletzt rund 160 Gastronomiebetriebe und 18 Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheime, Krankenhäuser und Kindertagesstätten mit Wilke-Produkten beliefert. Die Gemeinschaftseinrichtungen seien umgehend durch die Lebensmittelkontrolleure überprüft worden.

In den Gastronomiebetrieben habe es Stichprobenkontrollen gegeben, weitere Einzelkontrollen sollen folgen. Das Ministerium geht aber davon aus, dass "das Risiko einer schwerwiegenden oder gar tödlichen Erkrankung von gesunden erwachsenen Menschen durch die in Rede stehenden Keime annähernd ausgeschlossen werden kann." Auch der betroffene Einzelhandel habe die potenziell keimbelastete Wurst aus dem Sortiment genommen.

Seitdem der Skandal öffentlich wurde, sind im Saarland keine neuen Erkrankungsfälle bekannt geworden.

Hintergrund: Listerien kommen häufig vor

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die diese aufnehmen, erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte, Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 11.10.2019 berichtet.

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