Ein Flugzeug steht auf dem Vorfeld des Flughafens Saarbrücken. (Foto: Oliver Dietze/dpa-Bildfunk)

Regionalflughäfen unter Druck

Mit Informationen von Karin Mayer   02.11.2019 | 12:20 Uhr

Die angekündigte höhere Luftverkehrsabgabe ist für den Chef des Flughafens Thomas Schuck ein Nachteil für den Standort Saarbrücken-Ensheim. Auch sonst steht der Flughafen zum Start des Winterflugplans vor großen Herausforderungen. Bei seinen Wettbewerbern sieht es ähnlich aus.

Regionalflughäfen unter Druck
Audio [SR 3, (c) SR, 02.11.2019, Länge: 02:28 Min.]
Regionalflughäfen unter Druck

Sechs Flughäfen gibt es in der Großregion. Im Umkreis von 175 Kilometern werben sie mit Ferien- und Geschäftsflügen um Passagiere. Der Flugbetrieb allein reicht meist nicht aus, um sie zu betreiben. Trotzdem will keine Region auf wichtige Verkehrsanbindungen verzichten.

Der Flughafen Luxemburg hat die Nase vorn. 86 Direktverbindungen werden von Findel aus bedient. Vier Millionen Passagiere starten von hier aus auf Geschäfts- und Urlaubsreise.

Luxemburg investiert massiv

Ob es zu viele Flughäfen in der Großregion gibt? Da fällt Findel-Flughafenchef René Steinhaus nur eines ein: „Wir in Luxemburg haben nur einen Flughafen, und der hat seine absolute Berechtigung.“  Man könne den Flughafen wirtschaftlich betreiben, sagt Steinhaus. Tatsächlich investiert das Land Luxemburg weiter, zum Beispiel in Infrastruktur und Logistik sowie in eine Airport City, die rund um Findel entstehen soll.

Bis 2024 lasse die EU solche Beihilfen zu, sagt Isolde Ries von der Verkehrskommission des Interregionalen Parlamentarierrates. Das Saarland könnte den Flughafen auch besser unterstützen, so Ries, „aber uns fehlt natürlich das Kleingeld“. Bis 2024 will der LuxAirport ohne öffentliche Mittel auskommen, das ist das Ziel. 

Zukunft in Metz und Hahn offen

Auch der Flughafen in Lüttich in Belgien will es schaffen, aber auf ganz anderem Weg: Lüttich ist der größte Frachtflughafen in Belgien. Das Frachtgeschäft wächst zweistellig. Damit soll es gelingen, ab 2024 ohne Geld vom Staat auszukommen.

Ob das auch in Metz/Nancy oder Hahn gelingt, ist offen. Der Billigflieger Ryanair bringt zwar rund zwei Millionen Fluggäste, trotzdem muss das Land Rheinland-Pfalz zuzahlen. Der Saarbrücker Flughafenchef Schuck hat dagegen keine Zweifel. „Ich gehe davon aus, dass wir bis 2024 die schwarze Null haben, vielleicht auch schon ein oder zwei Jahre früher.“

Zuschüsse stark reduziert

Aktuell schießt das Land noch 1,6 Millionen Euro am Flughafen zu, vor wenigen Jahren wahren es noch zehn Millionen Euro. Dafür hat Schuck im Hintergrund vieles neu organisiert. Die Landesgesellschaften werden nun gemeinsam verwaltet, die Einnahmen am Dillinger Hafen und aus der Wohnungsgesellschaft des Landes werden mit dem Flughafen verrechnet. „Ich glaube, die Verbindung ist sinnvoll und hat gerade auch im letzten Jahr gezeigt, dass trotz deutlich sinkender Fluggastzahlen das Defizit reduziert wurde.“

Dennoch wird es nicht leichter für die Regionalflughäfen, im Gegenteil. Viele kleinere Fluglinien haben aufgegeben. Seit der Pleite von Air Berlin fehlen die Ferienflüge ab Saarbrücken im Winterflugplan, der seit dieser Woche wieder in Kraft ist, komplett. „Das hat auch etwas mit verändertem Konsumentenverhalten zu tun“, sagt Schuck. „Das heißt, die Türkeiflüge sind auf der touristischen Seite eingebrochen.“

Barke: Längere Beihilfe wäre im Interesse der Flughäfen

Eine Verlängerung der EU-Beihilferegeln verlangt Schuck trotzdem nicht. Das übernimmt für ihn sein Aufsichtsratschef Jürgen Barke. Diese sei im Interesse aller Regionalflughäfen gut. „Aber wir brauchen sie nicht mit Gewalt.“

Die geplante Luftverkehrsabgabe lehnt Flughafenchef Schuck ab. Er befürchtet weiter sinkende Fluggastzahlen, auch wenn die Ticketpreise in Saarbrücken nur moderat steigen sollen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 02.11.2019 berichtet.

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