Ein Kind zeigt einem anderen Kind auf der Weltkugel, wo sich die Ukraine befindet und hält die Flagge der Ukraine in der Hand. (Foto: IMAGO / Fotostand)

Wie sich Saar-Schulen auf geflüchtete Kinder vorbereiten

Daniel Weiland   22.03.2022 | 15:09 Uhr

In den kommenden Wochen wird die Zahl aus der Ukraine geflüchteter Kinder an Saar-Schulen steigen. Das große Engagement bedeutet auch zusätzliche Anstrengung für Lehrkräfte. Was Schulen jetzt brauchen und was bereits geplant ist.

Die ersten Schulkinder aus der Ukraine sind vergangene Woche an saarländischen Schulen angekommen. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) rechnet damit, dass eine "sehr hohe Anzahl" Kinder und Jugendliche integriert werden müsse, man bereite sich auf "mehrere Tausend" vor. Das bedeute für die Schulen eine große Kraftanstrengung.

Die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (SLLV) Lisa Brausch sieht das als zusätzliche große Herausforderung, denn nach zwei Jahren Corona-Pandemie seien Schulen und Lehrkräfte ohnehin schon "am Limit".

Auch die Geschäftsführerin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland, Marion Ruppel-Lohoff, nennt gleich mehrere Großbaustellen der vergangenen Jahre, die Schulen zu bewältigen hätten: Inklusion, Digitalisierung, Corona-Pandemie, Personalmangel.

Mehr Lehrkräfte dringend nötig

Saarländische Lehrerinnen und Lehrer seien in der aktuellen Situation sehr engagiert und "helfen, wo sie können", berichten beide Vertreterinnen. Allerdings richten SLLV und GEW klare Forderungen an das Bildungsministerium, um Schulen bestmöglich auf die neue Situation einzustellen.

Insbesondere Sprachförderlehrkräfte müssten schnell und unbürokratisch eingestellt werden - 180 von ihnen hatten in den vergangenen Monaten die Kündigung erhalten. Das Bildungsministerium hatte bereits vergangene Woche angekündigt, die Mittel für Sprachförderung aufzustocken. Allerdings laufen die Gespräche mit dem Finanzministerium Stand Dienstag noch.

"Diese geplante Aufstockung reicht nicht", sagt Lisa Brausch vom SLLV. Denn das Personal an Schulen sei ohnehin schon dünn - und Corona-Quarantänemaßnahmen sorgten derzeit zusätzlich für Ausfälle.

Die GEW schlägt neben dem weiteren Ausbau von multiprofessionellen Teams, in denen neben Pädagogen zum Beispiel auch Sozialarbeiter und Psychologen arbeiten, vor, ukrainische Fachkräfte mit pädagogischer Ausbildung einzusetzen, zum Beispiel als Sprachmittler.

Solche Fachkräfte für Übersetzungen an Schulen sucht das Bildungsministerium derzeit. Über Meldungen an die E-Mail-Adresse ukraine@bildung.saarland.de sei man "dankbar".

Integration in Regelklassen

Die CDU-Fraktion im Saar-Landtag hatte am Dienstagmorgen so genannte Willkommensklassen angeregt. Erst nach einer Eingewöhnungsphase sollten neuankommende Kinder aus der Ukraine in den Regelschulbetrieb integriert werden, forderte der bildungspolitische Sprecher Frank Wagner.

Dem erteilten beide Lehrergewerkschaften und das SPD-geführte Ministerium dem SR gegenüber eine Absage. Geflüchtete Schülerinnen und Schüler sollen trotz aller Herausforderungen in Regelklassen unterrichtet werden. Dass damit Integration am besten gelinge, sei eine der wichtigsten Erkenntnis aus der Zeit der Jahre nach 2015, als zahlreiche Flüchtlingskinder aus Syrien im Saarland ankamen.

Krisenstab und Zusammenarbeit der Ministerien

Um die Herausforderung für das saarländische Schulsystem zu bewältigen, gibt es im Bildungsministerium nun einen eigenen Krisenstab, außerdem eine Arbeitsgruppe zusammen mit dem Sozialministerium, die sicherstellen soll, dass der Betreuungsbedarf aller Kinder im Saarland im Blick bleibt.

Mit zahlreichen Akteuren will das Bildungsministerium sich bereits am Mittwoch an einen runden Tisch setzen - eingeladen sind neben Lehrkräften unter anderem Vertreter von Kreisen und Kommunen, Psychologen und Psychotherapeuten, Ärzte und Pädagogen, aber auch Vertreter des Vereins russisch-sprachiger Eltern und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft.

Dabei soll es auch um Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche gehen, die Kriegs- und Fluchterlebnisse bewältigen müssen und möglicherweise traumatisiert sind.

Maßnahmen für Schüler und Schulen

Viele weitere Maßnahmen seien in Arbeit oder bereits umgesetzt, teilt das Bildungsministerium dem SR mit. Die Lernplattform Online-Schule Saarland werde bereits so angepasst, dass Menüs auch auf Ukrainisch zur Verfügung stehen, über 700 ukrainische Schulbücher seien bereits verfügbar.

Für Eltern und Schüler gebe es Informationen im Ukraine-Portal der Landesregierung unter https://ukraine.saarland.de/. In der Landesaufnahmestelle in Lebach sei ein Büro zur Bildung eingerichtet.

Außerdem werde geprüft, ob die Ausbildung ukrainischer Lehrkräfte oder Pädagogen anerkannt werden könne, um sie an saarländischen Schulen einzusetzen.

"Da muss etwas passieren"

Welche Maßnahmen wirksam sind und wie hoch die Belastung der saarländischen Schulen wirklich sein wird, lässt sich schwer genau abschätzen.

"Wir bereiten alles Notwendige vor, stärken unsere Strukturen und schaffen neue, wo es notwendig ist", sagt Bildungsministerin Streichert-Clivot. "Da muss etwas passieren", sagt die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch - "anders ist die Sache nicht in den Griff zu kriegen."

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