Hubert Ulrich (Foto: Imago/BeckerBredel)

Schwere Vorwürfe gegen Hubert Ulrich

Carolin Dylla   03.07.2021 | 13:04 Uhr

In einem SR-Interview erhebt Grünen-Mitglied Jörg Franzen schwere Vorwürfe gegen Hubert Ulrich. Ulrich war am 20. Juni als Spitzenkandidat für den Bundestag gewählt worden. Dieses Comeback sei lange geplant gewesen, so Franzen. Dem SR liegen WhatsApp-Chatverläufe vor, aus denen das hervorgeht. Ulrich und der Landesvorstand bestreiten dies.

Seit dem Landesparteitag der Grünen kommt die Partei nicht zur Ruhe. Die Bundestagswahlliste ist angefochten, die Klärung rechtlicher Fragen hängt in der Luft. Es ist fraglich, ob die Liste fristgerecht eingereicht werden kann. Eine Person steht immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit: Ex-Landeschef Hubert - und gegen diesen erhebt Grünen-Mitglied Jörg Franzen nun schwere Vorwürfe.

Er wisse, dass seine Aussagen Wellen schlagen werden, sagt er. Zu diesen Aussagen gehört, dass Hubert Ulrich sein politisches Comeback lange geplant habe. Anders als Ulrich selbst nach seiner Wahl zum Spitzenkandidaten auf dem Parteitag am 20. Juni dargestellt hatte: „Ich habe mich in dieser Woche entschieden, für den Fall, dass Tina Schöpfer auf den Platz Eins vom Parteitag nicht gewählt wird, selbst anzutreten.“

Planung von Ulrichs Comeback?

Laut Jörg Franzen habe dagegen ein Kreis von Grünen-Mitgliedern seit 2019 Ulrichs Comeback vorbereitet. In dieser Gruppe, so Franzen, seien unter anderem die Mitglieder des am 20. Juni gewählten Landesvorstands vertreten gewesen. Es sei darum gegangen, die Stimmung gegen die damaligen Landesvorsitzenden Markus Tressel und Tina Schöpfer auszuloten und Strategien zu entwickeln, die Mehrheitsverhältnisse im Landesverband zu ändern.

Zwist bei den Saar-Grünen geht in eine neue Runde
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 03.07.2021, Länge: 03:16 Min.]
Zwist bei den Saar-Grünen geht in eine neue Runde

„Ich stütze diese These darauf, dass ich Teil der Gruppe war, die das geplant hat“, so Franzen im Gespräch mit dem SR. Dazu gehöre auch, dass die Posten für den am 20. Juni gewählten Landesvorstand bereits im Vorfeld ausgemacht waren. Franzen hatte Ulrich seit seinem Parteieintritt 2018 unterstützt, und auf eine Position im neuen Landesvorstand gehofft. Er räumt ein: „Weil ich auch Teil des Systems war. Ich war auch davon überzeugt beziehungsweise habe mich überzeugen lassen. Auf diesem Landesparteitag war ich das zumindest zu Beginn noch.“

Posten-Verteilung in WhatsApp-Gruppen

Außenstehende hätten aber keine Chance gehabt, durch eine spontane Kandidatur in ein Amt gewählt zu werden. Eine wirklich freie Wahl sei das nicht, findet Franzen. Dem SR liegt eine eidesstattliche Versicherung vor, dass Hubert Ulrich in einer WhatsApp-Gruppe an die Delegierten von Saarbrücken-Mitte und Saarlouis die Namen der Mitglieder geschickt haben soll, die am 20. Juni in den Landesvorstand zu wählen seien.

Auch für frühere Sitzungen von Ortsverbänden habe es solche Chatgruppen gegeben. Franzen selbst, der lediglich als Gast, nicht als Delegierter, auf dem Landesparteitag war, sagt, ihm habe Ulrich von einer Kandidatur abgeraten. Ulrich seinerseits sagt, er habe ihm tatsächlich abgeraten, weil er für ihn keine Mehrheiten sah.

Landesvorstand und Ulrich weisen Vorwürfe zurück

Hubert Ulrich wehrt sich gegen die Vorwürfe – in einem ausführlichen Telefonat mit dem SR erklärte er, es sei völlig normal und in jeder Partei so, dass vor und auf Parteitagen Mehrheiten organisiert und Wahlempfehlungen ausgesprochen werden. Was auch völlig legitim sei, denn eine Wahlempfehlung sei eine Empfehlung und noch lange keine Anweisung.

Auch wenn der Vorwurf der Wahlbeeinflussung nicht eindeutig zu belegen ist: Protokolle von Chats in WhatsApp-Gruppen, die dem SR vorliegen und denen auch Mitglieder des neuen Landesvorstands angehören, zeigen den Tonfall, der in Teilen der Grünen Partei herrscht. Dort wurde unter anderem der zurückgetretene Landeschef Rouget als „Weichei“ bezeichnet.

Weitere Rücktritte, rauer Tonfall – keine Ruhe

„Ich würde es mir wünschen, weil Hubert Ulrich ja auch große Verdienste für die Partei geleistet hat, dass es eine Lösung gibt die Partei zu befrieden und vor allem den Mitgliedern an der Basis den Glauben an die Partei wiederzugeben“, sagt Jörg Franzen, der sich selbst in keinem Fall als Spalter sehen will.

Dass dieser Frieden schnell einkehrt – das erscheint mit Blick auf den Umgangston in der Partei, auf die verfahrene Lage bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen in Sachen Landesliste und weitere Rücktritte im Vorstand wenig wahrscheinlich.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja