Netzwerkkabel (Foto: dpa/Felix Kästle)

Saar-Wirtschaft könnte von Blockchain profitieren

  16.12.2021 | 06:38 Uhr

Die Blockchain-Technologie bietet nach Einschätzung des saarländischen Wirtschaftsministeriums große Chancen für die Saar-Wirtschaft. Eine Studie des August-Wilhelm Scheer Instituts zeige viele Anwendungsmöglichkeiten. Beim Max Ophüls Festival habe sie sich bereits bewährt.

Produktpiraterie im Internet ist für die Filmindustrie ein großes Problem. Deshalb standen die Organisatoren des Max Ophüls Preises vor einer Herausforderung, als bekannt wurde, dass sie die Filme ihres Festivals 2021 wegen der Corona-Pandemie nur über eine Streaming-Plattform dem Publikum zugänglich machen konnten.

Um die Urheberrechte der Filmemacher zu schützen, entschieden die Veranstalter sich für den Einsatz der Blockchain-Technologie. Die Festivalteilnehmer erhielten dafür eine Nutzerkennung, die mit dem entsprechenden Film verbunden wurde. Damit könnte der Urheber eindeutig zugeordnet werden, sollte der Film illegal im Internet hochgeladen werden.

Studie von Saar-Informatikern

Finanziell unterstützt wurde die Umsetzung vom saarländischen Wirtschaftsministerium. Denn die Landesregierung will, dass das Saarland in Sachen Digitalisierung wettbewerbsfähig ist.

Vor allem die Expertise der Informatiker im Umfeld der Saar-Uni soll dabei helfen. Und so hat das dort angesiedelte August-Wilhelm Scheer Institut aus Anlass des Max Ophüls-Projektes die weiteren Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie im Saarland untersucht.

Anwendungen im Mittelstand möglich

Insbesondere für den Mittelstand biete die Technologie vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, fasst Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) die Ergebnisse zusammen. "Das ist nicht nur für IT-Unternehmen interessant, auch das Handwerk, die Industrie oder die Lebensmittelbranche können von dieser Technologie profitieren."

Durch den Einsatz von Blockchain könnten Betriebe beispielsweise Transparenz über ihre gesamte Lieferkette herstellen und dadurch die Einhaltung von Kühlketten kontrollieren. Auch Leerlaufzeiten ließen sich durch Blockchain vermeiden, Produktfälschungen wirksam bekämpfen oder Bewerbungsprozesse optimieren.

Investition in Infrastruktur

Die Studie, die das Wirtschaftsministerium auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, zeige auch, dass die Veranstaltungsbranche durch Blockchain weitere Einnahmequellen erschließen könnte, etwa bei überbuchten Veranstaltungen durch eine Erweiterung der Zielgruppen, die nicht vor Ort teilnehmen könnten. Das habe beim Max Ophüls Preis gut funktioniert, die Nutzerzahlen hätten die Erwartungen der Veranstalter übertroffen.

Allerdings weist die Studie bei den meisten Einsatzmöglichkeiten darauf hin, dass dazu noch einiges an Investitionen in die digitale Infrastruktur nötig wäre. Kurz zuvor hatte die Landesregierung angekündigt, den Glasfaserausbau im Saarland voranzutreiben.


Manipulationssichere Technologie

Die Blockchain (deutsch: Blockkette) stellt eine dezentrale Datenbank dar, in der Daten oder Transaktionen transparent und manipulationssicher abgespeichert werden können. Die Datenbank wird an alle Teilnehmer im Netzwerk verteilt und diese agieren als Kontrollinstanz für die Inhalte. Das ist möglich, weil die Inhalte der Daten zu einer Prüfsumme (Hash) verschlüsselt werden, mit der jede Veränderung des Inhaltes sofort erkannt werden kann.

Die Blockchain-Technologie ist vor allem durch die digitale Währung Bitcoin bekannt. Daran entzündete sich die Kritik, dass ein erheblicher Energie- und Rohstoffeinsatz für ihre Anwendung nötig sei. Einer Studie im Auftrag der Bundesregierung zufolge verbrauchen neuere Blockchain-Methoden deutlich weniger Ressourcen und Energie.

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