Dimitrij Sistrov, Priester der russisch-orthodoxen Gemeinde Hl. Eugenia Saarbrücken (Foto: SR)

„Die Meisten sind sehr, sehr entsetzt“

  01.03.2022 | 19:20 Uhr

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt auch die Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche Heilige Eugenia in Saarbrücken. Priester Dimitrij Svistov will den ankommenden Flüchtlingen helfen, plädiert aber dafür, das Thema ansonsten aus dem Kirchenleben herauszuhalten.

„Die letzten Tage wurde ich ununterbrochen angerufen, angesprochen, angeschrieben“, sagt Dimitrij Svistov über den Krieg in der Ukraine, der auch die Menschen im Saarland beschäftigt. Svistov ist Priester der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde Heilige Eugenia in Saarbrücken-Burbach. Zu seiner Gemeinde gehören Gläubige aus dem Saarland, aus Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Lothringen – Russen, Ukrainer, Weißrussen, Deutsche, Franzosen, Serben, Georgier.

Wie viele Mitglieder seine Gemeinde hat, weiß Svistov nicht. Es gebe kein Kirchenregister. Aber zu jedem der aktuell zwei Gottesdienste pro Woche kommen rund 80 Menschen.

„Es geht allen sehr, sehr schlecht“

Und der Krieg? „Die Meisten sind sehr, sehr entsetzt, traurig, und empfinden das als ein großes Unglück“, sagt Svistov im SR-Interview. „Manche schimpfen, manche wollen Trost. Aber es geht allen sehr, sehr schlecht.“

Allerdings versucht Svistov, den Ukraine-Krieg aus dem kirchlichen Bereich möglichst herauszuhalten. Der Bischof habe die Gemeindemitglieder darum gebeten, nicht darüber zu sprechen. Das finde er richtig. „Die Kirche soll die Menschen ja nicht spalten, sondern zur Einheit bringen. Denn wir sind ja alle in Christus Brüder und Schwestern. Deswegen sind die politischen Dinge diejenigen, die wir ins Kirchenleben möglichst gar nicht mit einbringen wollen.“

Vorbereitung auf die Fastenzeit

Stattdessen will Svistov die Gläubigen auf die anstehende Fastenzeit vorbereiten, damit sie ihr Leben verändern, auch zum Wohle der Gemeinschaft. So ganz aus dem Blick verliert er den Konflikt in Osteuropa dabei aber nicht. „Ich erinnere mich an den Satz von Fjodor Dostojewski, der in seinem letzten Roman geschrieben hat: ‚Jeder trägt gegenüber allen für alles die Schuld.‘ Das heißt, wir hier sind natürlich für das Geschehen in der Ukraine nicht verantwortlich, also nicht direkt. Aber in geistiger Hinsicht sind wir das doch. Und das muss jetzt jeder für sich erkennen.“

Die ankommenden Flüchtlinge aus der Ukraine will Svistov nach Kräften unterstützen. „Ich bin die letzten Tage schon eher als Vermittler eingesetzt worden“, sagt er. Wenn die Menschen zur Gemeinde kommen, würden sie natürlich auch empfangen.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 01.03.2022 berichtet.

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