Eine Person hält ein Smartphone in der Hand, im Hintergrund liegt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. (Foto: Imago/Janine Schmitz/photothek)

Telefonische Krankschreibung soll wieder möglich werden

  13.07.2022 | 09:05 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will zu Krankschreibungen per Telefon zurückkehren. Lauterbach erklärte auf Twitter, bei den aktuell hohen Corona-Fallzahlen brauche man die Infektionen nicht in die Praxen zu tragen. Vorgespräche zu dem Thema liefen bereits.

Bei einer Corona-Infektion zum Hörer greifen, um sich telefonisch krankschreiben zu lassen – das war nicht nur für die Infizierten selbst, sondern auch für die Praxen eine große Entlastung. Nachdem die Sonderregelung Anfang Juni auslief, wurde Kritik unter Saar-Ärzten laut. Jetzt soll die telefonische Krankschreibung aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen zurückkommen, wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach per Twitter mitteilte.

Zuvor hatten die Kassenärztliche Bundesvereinigung wie der Hausärzteverband eine Rückkehr zur telefonischen Krankschreibung gefordert – und das unabhängig von Corona.

"Wir wollen ermöglichen, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte unabhängig von der Corona-Pandemie bekannte Patientinnen und Patienten telefonisch krankschreiben können", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, der Deutschen Presse-Agentur.

IKK Südwest: Rückkehr "unverzichtbar"

Die IKK Südwest befürwortet die Rückkehr zur telefonischen Krankschreibung. So seien aktuell immer mehr Beschäftigte in der Region wegen Atemwegserkrankungen krankgeschrieben, nicht nur als Folge einer Corona-Infektion, sondern auch nach grippalen Infekten oder einer Bronchitis.

„Die Krankschreibungen bei Atemwegsinfektionen sind außergewöhnlich hoch für diese Jahreszeit und steigen weiter rasant an", sagte Daniel Schilling, Vorstand der IKK Südwest. Umso wichtiger sei es, das Patientenaufkommen jetzt besser in den Griff zu bekommen und die Patientinnen und Patienten nicht um jeden Preis weiter zum Gang in die Arztpraxen zu zwingen.

Kritik von Saar-Ärzten nach Aus

Das Aus der telefonischen Krankschreibung Anfang Juni hatten die Ärztinnen und Ärzte im Saarland kritisiert. Die Regelung habe demnach zu einer "deutlichen Entlastung" bei der Organisation in den Praxen geführt, wie der Vorsitzende des Hausärzteverbands Saar, Michael Kulas, damals sagte.

Anders als zuvor von vielen befürchtet, wäre sie außerdem nicht von Menschen, die eigentlich gar nicht krank waren, missbraucht worden. Das hatte auch die IKK Südwest bestätigt.

Seit Anfang Juni müssen Patientinnen und Patienten für eine Krankschreibung wieder zu einem Arzt gehen. Zuvor war es wegen der Corona-Pandemie möglich gewesen, sich für bis zu sieben Tage per Telefon arbeitsunfähig schreiben zu lassen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 13.07.2022 berichtet.

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