Die Hand eines Schülers, der sich meldet (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ronny Hartmann)

Weiter offene Fragen bei der Rückkehr zu G9 im Saarland

Denise Friemann / Carolin Dylla   03.06.2022 | 17:14 Uhr

Wie die Rückkehr zu G9 im Saarland umgesetzt wird, hat am Freitag der Bildungsausschuss beraten. Fest steht nun: Nur Schülerinnen und Schüler, die im kommenden Jahr aufs Gymnasium wechseln, werden sicher nach neun Jahren Abitur machen. Für die jetzigen Fünftklässler und höhere Jahrgangsstufen sollen aber Möglichkeiten weiter geprüft werden.

Die neue Landesregierung hat sich eines ihrer wohl größten bildungspolitischen Projekte direkt an den Anfang der Legislaturperiode gelegt: die Rückkehr zum Gymnasium in neun Jahren. Der Stand der Umsetzung war am Freitag Thema im Bildungsausschuss.

Die oppositionelle CDU-Fraktion hatte im Vorfeld der Ausschusssitzung gefordert, dass das Bildungsministerium dort einen genauen Fahrplan für die Umstellung auf G9 präsentiert – insbesondere mit Blick auf die Frage, wie Lehrpläne und Unterrichtsinhalte neu ausgerichtet werden müssen.

Für den CDU-Bildungspolitiker Frank Wagner betrifft das vor allem die Frage, wie die künftigen Stundentafeln aussehen sollen. „Es gibt Richtwerte aus anderen Bundesländern, wie viele Stunden dort gerade im Sekundarbereich I angeboten werden – aber da hat die Ministerin sich nicht festgelegt. Die Schülerinnen und Schüler starten im kommenden Schuljahr ungewiss, wie die Stundentafel aussieht und was an zusätzlichem Stoff hinzukommt“, kritisiert Wagner.

Für welche Klassenstufen gilt die Reform?

In ihrer ersten Regierungserklärung Ende April hatte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger angekündigt, dass Schülerinnen und Schüler, die nach den Sommerferien aufs Gymnasium wechseln, bereits in das G9-System wechseln sollen.

Nur wenige Tage später sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) im SR-Interview, dass die Reform ab dem kommenden Schuljahr sogar für diejenigen gelten solle, die schon jetzt in der fünften Klasse sind.

Die so entstandene Verwirrung ist nun offenbar ausgeräumt. Nur diejenigen Schülerinnen und Schüler, die im kommenden Jahr aufs Gymnasium wechseln, werden definitiv nach neun Jahren Abitur machen. Allerdings will die alleinregierende SPD das Angebot prinzipiell ausweiten – ob und für wie viele Schüler das am Ende möglich sein wird, ist bislang aber offen.

Mehr Lehrkräfte, mehr Platz nötig

Denn das hängt laut Bildungsministerin Streichert-Clivot von mehreren Faktoren ab – unter anderem davon, wie viel Platz und wie viele zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Was die Platzfrage angeht, liefen momentan Abfragen bei den Landkreisen als Schulträger, so die Ministerin. Die sollen bis Mitte des Monats abgeschlossen sein und dann als Grundlage für die weiteren Planungen dienen. Bei den Lehrkräften dürfte das komplizierter werden – denn hier sind die Haushaltsberatungen der Landesregierung ausschlaggebend, die im Juli stattfinden sollen. Erst wenn feststeht, wie viele zusätzliche Lehrkräfte es gibt, könne mit den Planungen für die Stundentafel begonnen werden, so das Ministerium.

All das soll bis spätestens Ende des Jahres geklärt sein – so zumindest der, wenn auch noch immer recht vage, Zeitplan des Ministeriums.

Diskussion über Anpassung der Lehrpläne

Ebenfalls noch zu klären ist, wie Lehrpläne und Unterrichtsinhalte nach der Rückkehr zu G9 aussehen sollen. „Es ist ganz wichtig, dass wir nicht nur ein neues Schuljahr einführen – sondern uns auch die Inhalte anschauen, die damit einhergehen“, sagt die SPD-Abgeordnete Martina Holzner.

Das betrifft unter anderem die Einführung von Informatik als Pflichtfach ab Klassenstufe 7, die das Bildungsministerium Mitte März angekündigt hatte. Damals hieß es, dass zumindest für den Bereich Informatik eine Expertengruppe bis Anfang des kommenden Jahres einen Lehrplan-Entwurf mit Unterrichtsinhalten erarbeiten soll.

Auch die Landesschülervertretung hatte nach der Regierungserklärung im April bereits gewarnt, dass es nicht nur darum gehen könne, die Schulzeit zu strecken. Landesschülersprecher Lennart Elias Seimetz fordert eine parallele Reform der Bildungsinhalte – unter anderem mit einer breiteren Fächerwahl, mehr Praxis und mehr zweisprachigem Unterricht.

Streichert-Clivot: „Keine überstürzte Umsetzung“

Dass sich die Landesregierung bei der Planung und Umsetzung der Reform mehr Zeit hätte lassen sollen, weist Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot zurück. „Die Saarländerinnen und Saarländer haben ja nicht erst seit diesem Jahr das Bedürfnis artikuliert dass wir ein neunjähriges Gymnasium brauchen“, sagte sie im Gespräch mit dem SR.

„Da kann man nicht von überstürzt sprechen wenn man sagt, man öffnet den Weg dahin. Trotzdem müssen wir schauen, was wir den Familien anbieten können – auch denen, die in höheren Jahrgängen sind. Oder was geht möglicherweise nicht.“

Doch auch, wenn zumindest einige Punkte in Rückkehr zu G9 an Kontur gewinnen – bedenkt man, dass die Reform für die ersten Schülerinnen und Schüler schon in wenigen Monaten greifen soll, scheinen noch viele Fragen offen.

Über dieses Thema berichtet auch die SR 3-Rundschau am 03.06.2022.

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