Logo der Uniklinik Homburg (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Richter zur Aufklärung abgeordnet

Thomas Gerber   02.08.2019 | 13:29 Uhr

Im Missbrauchsskandal an der Homburger Uniklinik (UKS) hat Ministerpräsident Tobias Hans erneut vollständige Aufklärung und Transparenz angekündigt. Der CDU-Politiker, der zugleich Wissenschaftsminister und damit Rechtsaufsicht der UKS ist, wies darauf hin, dass zur Aufarbeitung des Skandals zwischenzeitlich ein Richter in die Staatskanzlei abgeordnet worden sei.

Dieser werde gemeinsam mit dem Sonderermittler und Ex-Kripo Chef Harald Schnur die Vorgänge lückenlos untersuchen und „jeden Stein umdrehen". Hans räumte ein, dass damals Fehler gemacht worden seien. Den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch durch den inzwischen verstorbenen Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie nannte Hans entsetzlich.

Zudem habe ihn „bestürzt“, dass die Eltern damals nicht über den Verdacht informiert worden seien. Mit Blick auf die damalige Justizstaatssekretärin Anke Morsch (SPD) erklärte Hans, dafür Sorge zu tragen, dass Informationen innerhalb der Landesregierung weitergegeben werden können. Morsch wusste von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, hatte diese Informationen aber aus - wie sie erklärte – „rechtlichen Gründen“ nicht im Kabinett kommuniziert.

Lange Zeit nicht gehandelt

Hans äußerte zudem die Vermutung, dass sich die Beteiligten zu lange auf das verlassen hätten, was ihnen intern vom Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Alexander Von Gontard empfohlen worden sei. Man habe zu spät „externen“ Sachverstand hinzugezogen und die Eltern über Jahre in Unkenntnis gelassen.

Von Gontard hatte empfohlen, die Eltern der Betroffenen nicht zu informieren, um eine Viktimisierung zu vermeiden. Dem war sowohl die Klinikleitung als auch die Staatsanwaltschaft gefolgt.

Nachdem sich im April eine Opferanwältin an die Staatskanzlei gewandt hatte, schaltete Hans zunächst einen externen Gutachter ein. Dieser empfahl die Betroffenen, über den bestehenden Verdacht zu informieren. Dies wurde zwischenzeitlich umgesetzt.

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