Am St. Johanner Markt in Saarbrücken sitzen Leute in der Außengastronomie, trotz Hagels (Foto: Felix Schneider/SR)

Verhagelter Start in die Modellregion

Roswitha Böhm   06.04.2021 | 16:55 Uhr

Saarländische Cafés und Restaurants dürfen ihre Außenbereiche zwar wieder für Besucher öffnen. Am St. Johanner Markt in Saarbrücken blieben viele Cafés am Dienstag geschlossen, wohl auch wegen des wechselhaften Wetters. Die Stimmung in der Stadt war trotz wechselhaften Wetters gut.

„Das ist fast wie Urlaub“, sagt Vanessa Weber. Und das, obwohl es gerade angefangen hat zu Hageln und weiße Körner auf dem Schaum ihres Cappuccinos landen. Mit ihren Kindern sitzt sie an einem Tisch vor dem Restaurant „Tante Maja“ am St. Johanner Markt. „Wir wollten uns nur mal kurz aufwärmen und die Möglichkeit nutzen, dass man hier sitzen kann. Und das ist ein schönes Gefühl.“

Eindrücke vom ersten Lockerungstag

Am Nebentisch klirren Gläser. Weil sie frei haben, nutzen Sara Theiß und Jessica Zipp die neuen Lockerungen, um am Marktplatz Wein zu trinken. „Wir waren fest entschlossen, es durchzuziehen, weil es uns einfach fehlt“, erzählt Sara Theiß. Und Jessica Zipp ergänzt: „Wir sehen da auch absolut keinen Grund, Angst zu haben, wenn man hier mit Abstand draußen sitzt.“

Beiden ist es wichtig, die Gastronomie nach der langen Schließung zu unterstützen. „Die hatten es jetzt schon schwer genug. Also denke ich, es ist wichtig, dass man das Angebot jetzt auch annimmt, damit die eine Möglichkeit haben, überhaupt zu überleben.“

Saarland-Modell gestartet
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 06.04.2021, Länge: 01:13 Min.]
Saarland-Modell gestartet

Verhagelte Öffnung

Catalina Kremers-da Palma, die Inhaberin der „Tante Maja“, hat das Restaurant mit einem lachenden und einem weinenden Auge geöffnet. „Das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, berichtet sie. Dabei hatte sie sich schon darauf gefreut, zu öffnen. Aber die unbeständige Witterung bedeutet Ungewissheit. Die Wettervorhersage entscheidet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen auf Abruf, Ware wird von einem Tag auf den nächsten bestellt.

Der erste Modellregion-Tag in Saarlouis
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 06.04.2021, Länge: 03:03 Min.]
Der erste Modellregion-Tag in Saarlouis

Und dann ist da natürlich auch die Sorge, dass sich die Pandemie-Lage verschlechtert. „Falls nächste Woche tolles Wetter ist, aber die Inzidenz nach oben geht, dann haben wir auch wieder ein Problem“ sagt Kremers-da Palma. „Das ist meine Befürchtung, dass die Ampel auf Rot springt, gerade wenn das Wetter wieder besser wird. Und dann haben wir nichts davon.“

„Dann haben wir natürlich keine Einnahmen, aber Kosten.“

Dass Kremers-da Palma die Möglichkeit nutzt und aufmacht, ist für sie risikoreich. Denn durch die Öffnung kommen viele Kosten auf das Restaurant zu: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen aus der Kurzarbeit geholt, Waren eingekauft und der Strom bezahlt werden. „Wenn jetzt abrupt wieder zugemacht wird, dann haben wir natürlich keine Einnahmen, aber Kosten, und von unserem Budget ist nicht mehr viel übrig.“

Trainieren nur mir Tests

Erste Eindrücke vom ersten Lockerungstag
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 06.04.2021, Länge: 03:18 Min.]
Erste Eindrücke vom ersten Lockerungstag

Nur wenige Minuten weiter die Bahnhofstraße runter wirkt der Trainingsraum der Fitness Loft noch recht verlassen. Die meisten Geräte stehen leer, nur eine Handvoll Menschen steppen oder stemmen Gewichte. Trotzdem herrscht unter den Gästen, die gekommen sind, große Freude. „Es ist es super, mal wieder zu trainieren, sich mal wieder zu bewegen, wieder reinzukommen“, erzählt Uwe Adams. Wieder hier zu sein ist für ihn aber auch ungewohnt: „Man muss sich erstmal wieder an die Abläufe gewöhnen. Zum Teil hat man vergessen, welche Gewichte man eingestellt hat.“

In-Haus-Tests

Um trainieren zu können, hat er einen negativen Corona-Test mitgebracht. Wer es vorher nicht zum Testzentrum schafft, kann sich aber auch direkt vor Ort testen lassen. Dafür wurde vor der Eingangstür ein kleiner Testbereich eingerichtet. „Wir haben unser Personal beim Arzt schulen lassen“, erzählt Marco Wolter, der Inhaber des Fitness Loft. Auch das Personal wird dort täglich getestet.

Auch wenn die Vorbereitungen für die Öffnung sehr viel Arbeit waren, Marco Wolter hat die gerne in Kauf genommen. „Wir sind total glücklich, dass es endlich wieder losgeht“, sagt er. „Im Vergleich zu den Monaten davor, wo man einfach nur das tote geschlossene Studio verwaltet hat, war es jetzt wenigstens mal wieder positive Arbeit, die was bewegt und einen erfüllt und glücklich macht.“

Seit November war das Studio geschlossen. Wolter erzählt, dass viele seiner Bekannten, die selbst Fitnessstudios betrieben hatten, mittlerweile Konkurs anmelden mussten. „Das schwebt natürlich auch über uns wie ein Damoklesschwert. Denn finanziell sind wir ja schon lange am Ende. Wir existieren eigentlich nur noch, weil viele unsere Mitglieder uns so stark unterstützt haben. Und jeder Monat Schließung länger, bringt uns natürlich dem Konkurs auch näher.“

Mit negativem Corona-Test ins Fitnessstudio
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 06.04.2021, Länge: 02:59 Min.]
Mit negativem Corona-Test ins Fitnessstudio

Im ganzen letzten Jahr kein Corona-Fall

Luftreinigung, Oberflächendesinfektion, und Abstand: Die Corona-Maßnahmen, die im Studio ergriffen werden, wirkten, sagt Wolter. Im ganzen letzten Jahr hätte es bei ihnen nicht einen einzigen Corona-Fall gegeben. Und nun kommen noch die Tests dazu.

Dass man sich erst testen lassen muss, um Trainieren zu dürfen, ist kein Problem für die Gäste des Fitness Loft, wie Michael Langer: „Dadurch können wir alle wieder ein bisschen mehr Freiheit erlangen - ob jetzt hier beim Training oder draußen irgendwo beim Kaffee. Die Leute müssen ja auch schauen, dass sie wieder auf die Beine kommen.“

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.04.2021 berichtet.

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