Eine ältere Frau öffnet ihr Portemonnaie.  (Foto: dpa)

Sind 2030 alle Rentner arm?

Kai Forst   12.04.2016 | 16:21 Uhr

Fast jedem zweiten Bundesbürger droht einer WDR-Untersuchung zufolge wegen des sinkenden Rentenniveaus eine Rente unterhalb der Armutsgrenze. Von Altersarmut bedroht seien 25,1 Millionen von insgesamt 53,7 Millionen künftigen Rentnern. Der Sozialverband VdK im Saarland bezeichnete die Zahlen als alarmierenden Weckruf.

Um im Jahr 2030 eine Rente über dem Grundsicherungsniveau zu bekommen, müsste ein Arbeitnehmer nach heutigem Stand 40 Jahre lang ununterbrochen pro Monat mindestens 2.097 Euro brutto verdienen, errechnete der WDR. Diesen Wert erreichten heute allerdings lediglich 38 Prozent.

Das bedeute im Umkehrschluss, dass 13,6 Millionen aller abhängig Beschäftigten Gefahr laufen, im Alter mit ihrer gesetzlichen Rente nicht über das Grundsicherungsniveau hinaus zu kommen. Auch die private Altersvorsorge helfe nur bedingt beim Schließen dieser Lücke. Denn viele der von der Altersarmut bedrohten Menschen könnten es sich während ihres Arbeitslebens nicht leisten, Geld fürs Alter anzusparen.

"Das Absinken des Rentenniveaus muss gestoppt werden"

Der Sozialverband VdK Saarland bezeichnete die Ergebnisse der WDR-Untersuchnung als „alarmierenden Weckruf“. Vor allem im Saarland sei Altersarmut schon jetzt ein großes Problem. „Die aktuelle Prognose macht sehr deutlich, wie schlimm es werden kann, und wie dringend eine Umkehr in der Renten- und Arbeitsmarktpolitik ist. Vor allem das Absinken des Rentenniveaus muss gestoppt werden“, sagte VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn. Laut VdK wird das Rentenniveau von derzeit 47,5 Prozent bis 2030 auf 43 Prozent fallen. „Das darf nicht sein“, sagte Springborn.

Gabriel will Rentenniveau sichern

SPD-Chef Sigmar Gabriel kündigte an, mit einer Reform der Alterssicherung ein weiteres Absinken des Rentenniveaus verhindern zu wollen. „Das Niveau der gesetzlichen Rente darf nicht weiter sinken, sondern muss auf dem jetzigen Niveau stabilisiert werden“, sagte Gabriel den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mit seinem Vorstoß stellt der Parteichef eine Rentenreform der einstigen rot-grünen Bundesregierung infrage. „Viel zu viele Menschen haben in den letzten 20 Jahren zu wenig verdient. Wenn das Rentenniveau weiter sinkt, droht ihnen Altersarmut.“ Um dies zu verhindern, sei eine „gerechte Anpassung“ der Rentenformel notwendig. „Es ist unsere moralische Pflicht, das Rentenniveau in Zukunft zu sichern“, sagte Gabriel.

Deutsche Rentenversicherung zweifelt

Unterdessen zweifelt die Deutsche Rentenversicherung an den Ergebnissen der WDR-Recherchen. Die Aussagen, dass beinahe die Hälfte der Rentnerinnen und Rentner ab 2030 von den staatlichen Grundsicherungsleistungen abhängig sein könnten, seien nicht nachvollziehbar. „Aufgrund der Betrachtung individueller Ansprüche alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung kann kein Armutsrisiko ermittelt werden. Einkommensarmut kann immer nur im Haushaltskontext bestimmt werden“, heißt es auf der Homepage.

Zudem berücksichtigten die Berechnungen des WDR nicht „die Absicherung in der zweiten und dritten Säule“, das heißt in der betrieblichen und der privaten Alterssicherung. Auch übersehe der WDR, dass die Deutsche Rentenversicherung andere Leistungen, wie etwa für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen, rentensteigernd anerkenne. „Nur die Rentenansprüche auf Basis der Bruttoeinkommen zu berechnen, ist zu kurz gegriffen.“

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2 Kommentare

Anonym 12.04.2016, 21:59 Uhr

Wer soll denn in 30 Jahren die Renten bezahlen? Das Kind ist doch schon vor 20 Jahren in den Brunnen gefallen (sonst würde es in die Rentenversicherung einzahlen).  Die Realität schert sich nun mal nicht um die absurden Ansprüche die fast alle stellen.

Peter Backes 12.04.2016, 18:16 Uhr

Was wollte der Gabriel nicht schon alles. Das Problem ist die Riester Rente die Milliarden in die Versicherungen umgeleitet hat und nur von wenigen ohne Erfolg bezahlt werden konnte. Hätte man das Geld mit den Staatszuschüssen in der Rente belassen wäre heute kein Problem. Die Politik, SPD, hat den Scheiss verbrochen, hat Versicherungen Reich gemacht und die Rente geschwäscht. Gariel soll zurück treten bevor dei SPD unter die 10 % fällt. Das Problem in Deutschland ist doch das wir nur mehr LObby Politiker haben.