Ein Arzt nimmt von einem Reiserückkehrer einen Abstrich. (Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa)

Viele Reiserückkehrer unter saarländischen Corona-Fällen

Thomas Braun   15.08.2020 | 08:42 Uhr

Mehr als die Hälfte der Corona-Neuinfektionen im Saarland Ende Juli und Anfang August geht auf Reiserückkehrer zurück. In einigen Kreisen stehen die positiven Fälle sogar fast ausschließlich in Zusammenhang mit Einreisen.

Seit Ende Juli - also ungefähr zur Halbzeit der Sommerferien - steigt die Zahl der Coronafälle im Saarland wieder spürbar an. In der letzten Juli- und der ersten Augustwoche registrierten die saarländischen Kreise insgesamt 81 Neuinfektionen.

Mehr als die Hälfte dieser neuen Coronafälle - insgesamt 44 - gehen auf Einreisende und deren Kontaktpersonen zurück, wie die Kreisbehörden auf SR-Anfrage mitteilten. Die Personen kamen dabei überwiegend aus Risikogebieten zurück ins Saarland, etwa dem Kosovo, Bosnien und Indien - aber auch aus Ländern, in denen erst jüngst einzelne Regionen zu Risikogebieten erklärt wurden, wie Spanien oder Bulgarien.

Viele Fälle durch Reiserückkehrer im Saarpfalz-Kreis ...

Im Saarpfalz-Kreis stehen alle 16 in diesem Zeitraum festgestellten Neuinfektionen in Zusammenhang mit Einreisenden und deren Kontaktpersonen. Ähnlich sieht es im Kreis Saarlouis aus. Von den 15 positiv getesteten Personen war nur eine zuvor nicht im Ausland unterwegs. Eine weitere Person war zwar eingereist, aber nicht aus einem Risikogebiet. In Neunkirchen waren vier von insgesamt sechs Corona-Fälle Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet.

... nur wenige im Regionalverband

Ein ganz anderes Bild zeigt sich dagegen im Regionalverband: Hier hatten sich nur vier von insgesamt 29 positiv Getesteten zuvor in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten. Für den gesamten Juli betrachtet zeigt sich aber auch dort, dass Reiserückkehrer und deren Kontaktpersonen einen bedeutenden Anteil an den Neuinfektionen haben. Von insgesamt 29 Neuinfektionen gingen zehn auf Reiserückkehrer zurück, drei weitere auf Luxemburg-Pendler.

In St. Wendel gingen zwei der insgesamt sieben positiven Coronatests auf Einreise zurück, in Merzig-Wadern war es die Hälfte der acht Fälle in diesem Zeitraum. Nicht mit einbezogen ist dort aber der sprunghafte Anstieg der Fallzahlen am darauffolgenden Montag, als innerhalb einer Familie acht Personen positiv getestet werden - ausgelöst durch eine Ansteckung im Ausland.

Testzahlen und Positivrate deutlich gestiegen

Seit Anfang August können sich Reiserückkehrer kostenlos auf SARS-CoV-2 testen lassen, seit dem 8. August gilt eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten. Am 3. August eröffnete ein Testzentrum am Messegelände in Saarbrücken. All diese Maßnahmen haben sich auch massiv auf die Testzahlen ausgewirkt.

Wertete das größte saarländische Labor, Bioscientia in St. Ingbert, im Juni noch zwischen 3500 und 3800 Tests aus, waren es in der ersten Augustwoche nach Angaben des Sprechers Hendrik Borucki bereits über 6400.

Die Positivrate - also der Anteil positiver Ergebnisse an allen Tests - stieg von 0,1 Prozent Mitte Juni auf 0,45 Prozent Anfang August. Am Institut für Virologie in Homburg waren in der ersten Augustwoche 0,9 Prozent der rund 1450 durchgeführten Tests positiv.

Niedrige Quote - trotzdem hohe Zuverlässigkeit?

Dass diese Quoten im Bereich der Fehlertoleranz der Tests liegen und deshalb viele falsch-positive Ergebnissen - also eigentlich gar nicht infizierte Personen - darunter sein könnten, hält Borucki für sehr unwahrscheinlich. "Wenn ein Test ein positives Ergebnis anzeigt, dann war da auch was."

Er verweist wie die Virologie in Homburg unter anderem auf das Dual-Targeting-Prinzip, bei dem in jedem Untersuchungsgang mindestens zwei unabhängige Genregionen nachgewiesen werden. "Ein positives Ergebnis für mindestens zwei Gene weist mit sehr hoher Sicherheit auf eine CoV-2 Infektion hin", heißt es hierzu in einer Erklärung des Labors.

Anders sieht das hingegen bei falsch-negativen Ergebnissen aus - also eigentlich infizierte Personen, die nicht entdeckt werden. Hier gibt es mehrere mögliche Fehlerquellen insbesondere bei der Qualität und dem Zeitpunkt des Abstrichs, sodass nicht genügend Virus-RNA für einen Nachweis im Labor zur Verfügung steht. Die luxemburgische Gesundheitsministerin Paulette Lenert geht beispielsweise im Großherzogtum von bis zu 20 Prozent falsch-negativen Testergebnissen aus.

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