Ein Polizist legt an einer Stelle im Hauptbahnhof Blumen nieder. (Foto: Andreas Arnold/dpa)

Sicherheit an Bahnhöfen in der Diskussion

  30.07.2019 | 20:04 Uhr

Zur Verhinderung von tödlichen Attacken wie der am Frankfurter Hauptbahnhof bringt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) neue Sicherheitsmaßnahmen und mehr Personal ins Spiel. Im Saarland gibt es Zweifel an der Wirksamkeit solcher Maßnahmen.

„Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke“, sagte die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). Als Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz hält sie Überlegungen für unrealistisch, Bahnhöfe durch technische Sperren zu sichern. Innenminister Seehofer will dies prüfen lassen. "Mir ist kein anderes Land bekannt, bei dem das flächendeckend umgesetzt worden ist", sagte Rehlinger. "Insofern sollte man nichts versprechen, was man nicht auch schnell halten kann."

Video [aktueller bericht, 30.07.2019, Länge: 2:59 Min.]
Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen

Mehr Personal für die Polizei findet Rehlinger grundsätzlich sinnvoll, der Vorfall in Frankfurt sei jedoch eine Einzeltat gewesen. So sieht das auch Roland Voss, Sprecher der Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GDP): „Ich glaube nicht, dass eine Tat wie in Frankfurt mit mehr Personal hätte verhindert werden können.“

Gleichzeitig sieht Voss die Deutsche Bahn in der Pflicht. Das Verhältnis von Bahn und Bundespolizei sei schwierig, da die Bahn etwa am Saarbrücker Hauptbahnhof „deutlich überhöhte Mietforderungen“ an die Bundespolizei richte. Er forderte die Bahn zu mehr Kooperation mit den Sicherheitsorganen auf.

Mutmaßlicher Täter in der Schweiz seit Tagen gesucht

Interview: "Man kann nicht jedes Verbrechen durch Sicherheitsmaßnahmen verhindern"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 30.07.2019, Länge: 04:13 Min.]
Interview: "Man kann nicht jedes Verbrechen durch Sicherheitsmaßnahmen verhindern"

Ein achtjähriger Junge war am Montag im Frankfurter Hauptbahnhof zusammen mit seiner Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen worden. Während sich die Mutter noch retten konnte, wurde das Kind vom Zug überrollt und starb.

Der mutmaßliche Täter, ein 40 Jahre alter Mann eritreischer Herkunft, lebte im Kanton Zürich in der Schweiz. Wie Schweizer Ermittler mitteilten, wurde der Mann seit Tagen von der Schweizer Polizei gesucht. Demnach hatte er am vergangenen Donnerstag seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, eingesperrt und war dann geflohen.

Der Mann war laut Schweizer Behörden im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Rehlinger kritisiert Instrumentalisierung

Dass Einige besonders die eritreische Herkunft des mutmaßlichen Täters betonen, stößt bei Anke Rehlinger auf Kritik. „Ich finde, wir sollten Menschen, die hier in Deutschland leben und sich aufhalten, insgesamt schützen, und zwar egal vor wem und egal welche Herkunft er hat. Insofern finde ich diese Hetze in diesem Zusammenhang jetzt auch völlig unangemessen. Ich erlebe allerdings auch, dass sie bedauerlicherweise stattfindet.“


Frankfurter Bahnhof
Mordermittlungen nach Gleis-Attacke
Nach der Gewalttat vom Frankfurter Hauptbahnhof ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Mordes. Der Tatverdächtige aus Eritrea sei 40 Jahre alt und lebe in der Schweiz. Ihm droht lebenslange Haft.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 30.07.2019 berichtet.

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