Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (Foto: IMAGO / Marc John)

Rehlinger tritt Reise zu Ford nach Dearborn an

mit Informationen von Yvonne Schleinhege   18.05.2022 | 12:50 Uhr

Saar-Ministerpräsidentin Rehlinger und Wirtschaftsminister Barke sind am Vormittag in die USA abgereist. In Dearborn bei Detroit wollen sie in der Nacht deutscher Zeit mit der Spitze des Ford-Konzerns über die Zukunft des Standorts Saarlouis sprechen. Bis Ende Juni soll sich entscheiden, wie es mit dem Werk in Saarlouis nach 2025 weitergeht.

Werben für den Standort, das bisherige Angebot konkretisieren und persönlich verhandeln – das ist das Paket, mit dem Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) in die USA reisen. "Wir kommen nun in den spannendsten Teil der Entscheidungsfindung."

Man habe als Landesregierung bereits ein Angebot vorgelegt, so die Ministerpräsidentin. Über dies könne man nun persönlich im Detail sprechen und auch verhandeln. Gerade für letzteres sei ein persönliches Gespräch besonders wichtig.

Wissen, was Ford genau will

Die Ministerpräsidentin betonte allerdings auch, dass man die Reise auch nutzen wolle, um herauszufinden, was Ford eigentlich genau will. Bisher liege ein Angebot des Saarlandes auf dem Tisch. Es sei aber nicht deutlich geworden, was sich Ford darüber hinaus wünsche, so Rehlinger. Auch da hoffe man auf Erkenntnisse.

In gewisser Weise sei Ford auch eine Art "Black Box", so Rehlinger.  "Vielleicht haben wir ja die Lösung für ein Problem, das wir als Problem bislang gar nicht kannten".

Konkretes kaum zu erwarten

Konkrete Entscheidungen oder Ergebnisse sind von diesem Besuch in Dearborn südwestlich von Detroit nicht zu erwarten – natürlich auch, weil die Gespräche vertraulich sind. Insgesamt wolle man, so Rehlinger, nichts unversucht lassen, um Ford im Saarland zu halten. "Dieser Standort hat einen Wert für automobile und industrielle Produktion - bestenfalls für Ford." 

Zuletzt hatte die saarländische Ministerpräsidentin immer wieder betont, dass der Standort auch Chancen ohne Ford hätte. "Alle Vorteile, die wir bei Ford formulieren, sind nicht weg, wenn sich Ford nicht für den Standort entscheidet."

„Bewährungsprobe“ für die politisch Verantwortlichen

Die Arbeitnehmervertreter in Saarlouis hatten vor kurzem eine solche Reise von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in die USA gefordert - auch, weil verantwortliche Politiker aus Spanien bereits in die Konzern-Zentrale gereist sind.

Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen bezeichnet die Reise als erste große Bewährungsprobe für die neue Ministerpräsidentin. Rehlinger sieht im Kampf für den Erhalt des Werks eine Bewährungsprobe für "alle, die in diesem Land politische Verantwortung" tragen.

Die Zukunft von Ford werde eine Gestaltungsaufgabe werden - und zwar unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfallen wird. "Denn wir wissen ja auch, dass eine Entscheidung für den Erhalt des Standortes nicht bedeutet, dass die Anzahl der Arbeitsplätze auf dem Niveau verbleibt wie wir sie heute haben." Das hatte zuletzt auch der Ford-Europa-Chef in einem Schreiben an die Mitarbeiter betont.

Entscheidung wird weiterhin für Ende Juni erwartet

Aktuell läuft ein Bieterverfahren zwischen dem Werk in Saarlouis und dem Werk im spanischen Valencia. Es geht um den Bau eines neuen E-Auto-Modells. Eine Entscheidung darüber, wer den Zuschlag bekommt soll Ende Juni fallen.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 18.05.2022.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja