UKS (Foto: SR)

Regionalverbandsdirektor verteidigt Jugendamt

Thomas Gerber   17.11.2020 | 16:56 Uhr

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) hat das Vorgehen des Jugendamts im Fall des offenbar pädophilen Homburger Assistenzarztes erneut verteidigt. Gillo sagte am Dienstag im U-Ausschuss zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen an der Homburger Uniklinik, dass alles getan worden sei, um das Wohl des damals betroffenen Kindes zu schützen.

Es geht um den Fall eines damals 12 Jahre alten Jungen, der Patient des Assistenzarztes in der Homburger Ausscheidungsambulanz war. Auch gegenüber ihm ließ der Assistenzarzt 2013 die nötige Distanz vermissen. Im Gegenteil: Mit perfiden Chatnachrichten suchte er die Nähe des Jungen.

Video [aktueller bericht, 17.11.2020, Länge: 3:35 Min.]
U-Ausschuss zum mutmaßlichen sexuellen Missbrauch an der UKS

Polizei eingeschaltet

U-Ausschuss zum mutmaßlich sexuellen Missbrauch an der Homburger Kinder und Jugendpsychiatrie
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 17.11.2020, Länge: 03:13 Min.]
U-Ausschuss zum mutmaßlich sexuellen Missbrauch an der Homburger Kinder und Jugendpsychiatrie

Eine Bekannte von dessen Mutter hatte das Jugendamt alarmiert, das wiederum, so Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD), habe prompt reagiert. Der Kontakt zwischen dem 12-Jährigen und dem Assistenzarzt sei unterbunden und die Polizei eingeschaltet worden.

Gillo wies Vorwürfe zurück, das Jugendamt habe es versäumt, auch den Arbeitgeber, die Uniklinik, über den bestehenden Verdacht zu informieren. Ein Gutachten sei zu dem Ergebnis gekommen, dass dies aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen sei.

Lediglich Gefährderansprache

Zwar ist inzwischen ein anderer Gutachter im Auftrag des saarländischen Gesundheitsministeriums zum gegenteiligen Ergebnis gekommen, trotzdem sagte Gillo, man habe damals nichts falsch gemacht. Wenn – dann hätte die Polizei reagieren müssen. Die aber beließ es bei einer bloßen Gefährderansprache. Warum strafrechtlich nicht mehr geschah, will der U-Ausschuss nun klären. Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft sollen zu dem Fall als Zeugen gehört werden.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 17.11.2020 berichtet.

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