Jean Rottner, Präsident des Regionalrates von Grand Est (Foto: IMAGO / PanoramiC)

Rottner in Grand Est vorne

Mit Informationen von Lisa Huth   21.06.2021 | 08:03 Uhr

Die Regionalwahlen in Frankreich haben am Sonntag eine historisch niedrige Wahlbeteiligung verzeichnet. In der Region Grand Est geht der amtierende Regionalratspräsident Jean Rottner mit mehr als 30 Prozent als Spitzenkandidat aus dem ersten Wahlgang hervor.

Die Regional- und Départementswahlen gelten als Stimmungstest für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Frühjahr. Die geringe Beteiligung – mehr als zwei Drittel der Franzosen gingen nicht zu den Wahllokalen – dürfte nach Einschätzung von Meinungsforschern den Rechtspopulisten des Rassemblement National von Marine Le Pen zugute kommen. Sie könnten landesweit laut Umfragen stärkste Kraft werden.

Rechtsaußen-Parteien stark

In der Region Grand Est erreichte der amtierende Regionalratspräsident Jean Rottner am Sonntag im ersten Wahlgang 31,15 Prozent der Stimmen. Damit geht er als Spitzenkandidat in die zweite Runde. Rottner gehört der Mitte-Rechts-Partei Les Républicains an, genau wie der frühere Premierminister Édouard Philippe und die früheren Präsidenten Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy.

Rottner bei Regionalwahlen vorne
Audio [SR 3, Lisa Huth, 21.06.2021, Länge: 00:58 Min.]
Rottner bei Regionalwahlen vorne

Der Kandidat des Rassemblement National, Laurent Jacobelli, kam auf 21,12 Prozent. Er hatte bei der Wahl Konkurrenz durch den in Grand Est starken Florian Philippot von der rechtsextremen Kleinpartei Les Patriotes. Dieser erreichte 6,95 Prozent der Stimmen. Für den zweiten Wahlgang könnte er seine Stimmen an Jacobelli weiterreichen – hat sich dazu aber bislang nicht geäußert.

Vier mögliche Kandidaten

Wer bei den Regionalwahlen mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten hat, ist beim zweiten Wahlgang in einer Woche dabei, am 27. Juni. Das sind neben Rottner und Jacobelli noch zwei weitere Kandidaten.

Brigitte Klinkert geht mit 10,77 Prozent für Präsident Emmanuel Macrons liberale Partei La République en Marche aus dem ersten Wahlgang hervor. Die elsässische Regionalpolitikerin ist seit Juli 2020 beigeordnete Ministerin im Arbeitsministerium. Eliane Romani steht an der Spitze eines Bündnisses aus Grünen, Sozialisten und Kommunisten. Die Logopädin holte am Sonntag 14,6 Prozent.

Moselle mit Negativrekord

Treten alle vier gegeneinander an, könnte Rechtsaußen doch das Rennen machen. Es ist aber auch möglich, dass zumindest Rottner und Klinkert eine Allianz für kommenden Sonntag bilden. Klinkert steht für Mitte-Rechts, und Rottner hatte bereits angedeutet, auch er vertrete ja eigentlich die Mitte.

Die Region aus Elsass, Lothringen und Champagne-Ardennes verzeichnet die größte Wahlenthaltung Frankreichs. Nur 23,04 Prozent der Wahlberechtigten sind hier an die Urnen gegangen, landesweit waren es 26,72 Prozent. Im saarländischen Nachbardépartement Moselle stimmten sogar nur 20,76 Prozent ab, was ein Frankreichweiter Negativrekord ist.

Weiten in Moselle vorne

Bei den Départementswahlen in Frankreich ist im saarländischen Nachbar-Département Moselle der amtierende liberal-konservative Präsident Patrick Weiten mit einer komfortablen Mehrheit von 56,82 Prozent in den zweiten Wahlgang gestartet.

Im Wahlbezirk Forbach ist der derzeitige Präsident des saarländisch-lothringischen Eurodistrikts SaarMoselle, Gilbert Schuh, weiter. Die ohnehin historisch niedrige Wahlbeteiligung lag in Forbach mit 19,25 Prozent der eingetragenen Wähler noch unter dem Durchschnitt in Moselle, wo rund 20 Prozent an die Wahlurnen gingen.

Rassemblement National schneidet schlechter ab

Der Rassemblement National hat weniger gut abgeschnitten als bei den vergangenen Wahlen. Dennoch liegt er unter anderem in Saargemünd, Sarrebourg, Hayange, Faulquemont auf Startposition eins für den zweiten Wahlgang kommenden Sonntag. 

Hintergrund

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 21.06.2021 berichtet.

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