Güterzug der Firma Europorte in Luisenthal (Foto: Erhard Pitzius (Plattform Mobilität SaarLorLux))

Diskussion um die Niedtalbahn

Kristin Luckhardt   02.03.2020 | 08:30 Uhr

Über die Reaktivierung von Bahnstrecken wird im Saarland zurzeit besonders intensiv diskutiert. Die Niedtalbahn schneidet im Gutachten des Verkehrsministeriums schlecht ab. Trotzdem will sich Verkehrsministerin Rehlinger weiter für die Strecke einsetzen.

Erhard Pitzius von der Plattform Mobilität sieht viel Potenzial auf der Niedtalstrecke. Er sagte dem SR, die Strecke zwischen Niedaltdorf und Bouzonville sei vor einigen Jahren auf beiden Seiten der Grenze saniert worden. Gleise und Schwellen seien neu und würden auch regelmäßig gewartet. Es fahre aber nur einmal im Jahr der Karfreitagssonderzug. Dabei hätten mehrere Firmen Interesse an einer Güterzugverbindung auf der Strecke.

Ministerium verweist auf hohe Trassenkosten

Das Verkehrsministerium betont, grundsätzlich stehe die Niedtalstrecke für den Güterverkehr zur Verfügung. Dass dort derzeit keine Güterzüge fahren, liege an den hohen Trassengebühren auf dem französischen Teil der Strecke. Aus Sicht das Ministeriums besteht zudem kein „gesondertes Interesse hinsichtlich der Niedtalstrecke für den Schienengüterverkehr“. Das Ministerium verweist auch auf die IHK Saarland. Nach ihren Angaben böten die Schienenwege über Forbach „eine ausreichende Kapazität für alle notwendigen Güterverkehre“.

Das sieht die Plattform Mobilität anders. Erhard Pitzius nennt als Beispiel die Firma Europorte. Sie habe bei der DB Netz Trassen für Güterzüge von Verdun nach Dillingen über die Niedtalstrecke bestellt. Sie könne letztere aber nicht fahren, weil in Bouzonville ein Fahrdienstleiter fehle. Stattdessen müssten die Kalkzüge einen Umweg von 60 Kilometern je Strecke fahren. Neben der Firma Europorte gebe es auch andere Interessenten für einen Güterverkehr auf der Strecke. Die Dillinger Hütte könnte davon profitieren, aber auch Saar-Rail, die Bahngesellschaft von Saarstahl oder Ford in Saarlouis.

Rehlinger bittet Région Grand Est um Stellungnahme

Im Gutachten des Verkehrsministeriums hat die Niedtalbahn schlechte Noten erhalten, was ihr Potenzial für eine Verlängerung über die Grenze bis Bouzonville angeht. Sie bekam lediglich die Bewertung 0,2. Erst bei 1,0 wäre eine Reaktivierung nach Angaben des saarländischen Verkehrsministeriums „aufgrund des ermittelten Nutzen-Kosten-Verhältnisses grundsätzlich volkswirtschaftlich sinnvoll“.

Trotz der schlechten Rahmenbedingungen habe die Landesregierung immer wieder mit der französischen Région Grand Est über die Niedtalstrecke gesprochen, betont das Verkehrsministerium. Die französische Seite habe dem Projekt jedoch immer ablehnend gegenüber gestanden, weil das Fahrgastpotenzial zu gering sei. Verkehrsministerin Anke Rehlinger habe den Präsidenten der Région Grand Est, Jean Rottner, dennoch erneut angeschrieben und gebeten, die Haltung der Region zu einer Reaktivierung der Niedtalstrecke darzulegen.

Niedtalbahn „schlecht gerechnet“?

Sonderzug auf der Talbrücke (Viadukt) bei Niedaltdorf (Foto: Erhard Pitzius (Plattform Mobilität SaarLorLux))
Sonderzug auf der Talbrücke Niedaltdorf

Dass die Niedtalbahn im Gutachten des Verkehrsministeriums so negativ abschneidet, ärgert Erhard Pitzius. Es habe „den Beigeschmack, dass man es schlecht rechnen wollte“. Das Gutachten habe sich nur auf ein Teilstück der Strecke konzentriert. Auf diesem Teilstück liege das Viadukt in Niedaltdorf. Die Talbrücke müsse in den nächsten Jahren saniert werden. Die DB Netz habe dafür 15 Millionen Euro veranschlagt. Diese Kosten seien in das Gutachten eingerechnet worden.

Pitzius kritisiert zudem, der Güterverkehr sei in dem Gutachten zu Reaktivierungspotenzialen gar nicht betrachtet worden. Es sei „unlogisch“, die Kosten für die Sanierung des Viadukts nur auf den Personenverkehr zu beziehen.

Güterverkehr keine Aufgabe der öffentlichen Hand

Das Verkehrsministerium erklärt das mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Schienengüterverkehr sei im Gegensatz zum ÖPNV komplett privatwirtschaftlich organisiert, so das Ministerium gegenüber dem SR. Weder das Land, noch die Kreise oder Kommunen hätten eine gesetzliche Aufgabe zur Organisation des Güterverkehrs. Daher sei auch eine Förderung des Schienenverkehrs durch das Land „nur sehr eingeschränkt möglich“.

Niedtalbahn könnte Ausweichstrecke sein

Erhard Pitzius nennt noch ein ganz anderes Argument für die Niedtalstrecke. Die Niedtalbahn wie auch die Bisttalbahn könnten als Alternativstrecken für die Verbindung Saarbrücken - Forbach bzw. Metz genutzt werden. Derzeit gebe es keine Ausweichstrecke, was Mitte Februar für Zugausfälle sorgte, als die Gleise nach einem Erdrutsch bei Forbach teilweise blockiert waren. Hätte der Hangrusch beide Gleise blockiert, so Pitzius, wäre „der komplette Güterverkehr nach Frankreich zusammengebrochen oder nur mit riesigen Umwegen möglich gewesen“.

Schlussendlich könnten über die Niedtal- und die Bisttalbahn über Völklingen und Überherrn schnelle Bahnverbindungen nach Luxemburg geschaffen werden, betont Pitzius. Die gesamte Großregion könnte so gut vernetzt werden. Beide Bahnstrecken könnten beim EU-Förderprogramm „Missing Links“ angemeldet werden.

Rehlinger will auch mit Luxemburg sprechen

Auch Verkehrsministerin Rehlinger will die Frage zur Zukunft die Niedtalstrecke „nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten“ beantworten, so das Ministerium. Die Strecke müsse „auch nach Kriterien des europäischen Zusammenwachsens“ beurteilt werden. Bei den Schengener Gesprächen am 18. März will sie darüber auch mit dem luxemburgischen Minister Francois Bausch sprechen.

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