Symbolbild Homosexualität und Kirche: Regenbogenflagge und Kirche im Hintergrund (Foto: Imago Images/Ralph Reters)

Heftige Kritik am "Nein" zur Segnung homosexueller Paare

  18.03.2021 | 12:38 Uhr

Die Segnung homosexueller Paare verstoße gegen Gottes Willen: Mit dieser Haltung enttäuscht der Vatikan viele Christen im Saarland, darunter auch hochrangige Kirchenvertreter und den saarländischen CDU-Ministerpräsidenten Hans.

Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg hat das Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zu Segnungen homosexueller Partnerschaften scharf kritisiert. Er habe "keinerlei Verständnis für die römische Klarstellung", sagte von Plettenberg am Dienstag laut einer Mitteilung des Bistums Trier. Dieses Unverständnis bis hin zum Entsetzen teile er mit vielen anderen Gläubigen.

Video [aktueller bericht, 17.03.2021, Länge: 3:36 Min.]
Heftige Kritik am "Nein" zur Segnung homosexueller Paare

Der Schaden, der mit dieser neuerlichen römischen Intervention verursacht werde, sei enorm. "Ich kann allerlei Dinge segnen - aber zwei Menschen, die sich in Liebe und Treue verbunden wissen, die die Höhen und Tiefen eines gemeinsamen Lebens miteinander teilen wollen, soll ich nicht segnen können?" sagte von Plettenberg.

Speyerer Generalvikar will weiter segnen

Ähnlich äußerte sich auch der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm am Dienstag auf seiner Facebookseite: Er habe viele schwule und lesbische Paare kennengelernt, die ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam gestaltet hätten. Diese jetzt nicht mehr segnen zu dürfen, könne nicht Gottes Willen sein. "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein! So werde ich als Priester auch zukünftig Menschen segnen", teilte Sturm mit.

Hans kritisiert Haltung des Vatikans

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans kritisierte die Haltung des Vatikan deutlich. Er sprach von einem Rückschritt und zeigte ebenso wie von Plettenberg und Sturm wenig Verständnis, dass Motorräder oder Haustiere gesegnet werden könnten, nicht aber Menschen, die einander liebten. Die Entscheidung des Vatikans mache ihn betroffen, sie treffe nicht die Haltung vieler Menschen im Saarland.

Ähnlich positionierte sich auch das Institut für Katholische Theologie der Universität des Saarlandes. Das Institut teile das Unverständnis und die Enttäuschung über die Entscheidung mit den Generalvikaren der Bistümer Trier und Speyer.

Römische Klarstellung "Responsum ad dubium"

Viele Christen im Saarland vom Vatikan enttäuscht
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 17.03.2021, Länge: 04:15 Min.]
Viele Christen im Saarland vom Vatikan enttäuscht

In der am Montag bekannt gewordenen Note "Responsum ad dubium" hatte die Glaubenskongregation des Vatikans klargestellt, dass die katholische Kirche aus ihrer Sicht nicht befugt sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei, hieß es. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne.

Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Über dieses Thema berichtete SR 3 Saarlandwelle am 17.03.2021 in der Region am Nachmittag.

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