Annegret Kramp-Karrenbauer kandidiert für den CDU-Vorsitz. (Foto: dpa)

Viel Rückhalt für Kramp-Karrenbauers Kandidatur

Thomas Braun / mit Informationen von Diana Kühner und der dpa   29.10.2018 | 17:09 Uhr

Die Ära Merkel geht zu Ende - und das ist richtig so, finden alle Fraktionen im saarländischen Landtag. CDU-Landeschef Hans spricht von einer Zäsur für die CDU. Er unterstützt wie die CDU- und SPD-Fraktion die Kandidatur Kramp-Karrenbauers auf den Parteivorsitz. Aus dem Saarland gibt es aus der Opposition aber auch kritische Stimmen.

Nach den herben Stimmverlusten für die CDU bei der Landtagswahl in Hessen hat Parteichefin Angela Merkel Konsequenzen gezogen. Beim Parteitag im Dezember will sie nicht mehr als Vorsitzende kandidieren. "Das ist zweifelsohne eine Zäsur für die CDU", sagte der saarländische Ministerpräsident und CDU-Landeschef Tobias Hans am Montag im SR-Interview.

Merkel gebe mit ihrer Entscheidung der Partei eine große Chance zur Erneuerung. "Und das nicht nur personell, sondern auch inhaltlich. Und das halte ich - offen gesagt - für noch wichtiger", so Hans.

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Audio [SR 3, (c) SR Marc Weyrich, 30.10.2018, Länge: 00:58 Min.]
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Roth (SPD): "Sie kann verschiedene Flügel vereinen"

Mit Gesundheitsminister Jens Spahn, Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und laut Medienberichten auch dem ehemaligen Fraktionschef Friedrich Merz stehen mehrere Kandidaten parat, die sich um den Parteivorsitz bewerben wollen.

Sowohl CDU als auch SPD im Landtag finden das eine gute Entscheidung. "Ich glaube, dass sie verschiedene Positionen und Flügel vereinen kann, während andere mehr spalten würden", sagte der SPD-Fraktionsvize Eugen Roth. Die anderen bislang diskutierten Kandidaten, Merz und Spahn, hingegen würden beispielsweise die Gewerkschaften "mit Ansage abkoppeln".

Video [aktueller bericht, 29.10.2018, Länge: 3:36 Min.]
Saarländische Politik zur Hessenwahl und Rückzugsankündigung Merkels

Flackus findet Merz einen interessanten Kandidaten

Die Linke wiederum hält Merz für einen sehr interessanten Kandidaten. "Wenn er Parteivorsitzender wäre, würde die CDU sehr schnell wieder aufholen, weil er die klassische Klientel, die die CDU derzeit dramatisch verliert an die Grünen und die AfD, zurückholen würde", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jochen Flackus.

AfD-Fraktionschef Josef Dörr meinte, mit saarländischen Politikern in Berlin seien "leider schlechte Erfahrungen" gemacht worden. "Der Einzige, der was für uns gebracht hat, war Oskar Lafontaine", so Dörr.

Video [aktueller bericht, 29.10.2018, Länge: 3:49 Min.]
Interview mit Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes

Hans unterstützt Kramp-Karrenbauer

CDU-Landeschef Tobias Hans bewertet Kramp-Karrenbauers Kandidatur positiv. "Sie hat als Generalsekretärin in der kurzen Zeit, in der sie dieses Amt bekleidet hat, neue Maßstäbe gesetzt", sagte Hans. Durch diese Arbeit habe sie sich am ehesten für den Parteivorsitz beworben. "Es ist völlig klar, dass ich als saarländischer Landesvorsitzender auch Annegret Kramp-Karrenbauers Kandidatur unterstütze", so Hans.

Dass die CDU von ihrem Vorsatz abweichen könnte, dass Kanzlerschaft und Parteivorsitz in eine Hand gehören, ist für Hans in der aktuellen Situation vertretbar. Aber auch nur, weil Merkel angekündigt habe, nach dem Ende der Legislaturperiode nicht mehr als Spitzenkandidatin anzutreten. Sollte die CDU die nächste Bundestagswahl für sich entscheiden, "gehört das für mich noch einmal in eine Hand."


Kommentar
Kommentar: „Der richtige Moment“
Es sind ganze Bücher und viele Artikel darüber geschrieben worden: Den richtigen Abgang zu finden, gehört für Menschen, die den größten Teil ihres Lebens an prominenter Stelle verbracht haben, offenbar zu den schwierigsten Entscheidungen überhaupt. Anders als Horst Seehofer, hat Angela Merkel jedoch die besondere Bedeutung dieses Moments für sich erkannt. Gehen, bevor man aus dem Saal getragen wird!


Hintergrund
Annegret Kramp-Karrenbauer im Porträt
Beim Parteitag im Dezember will Angela Merkel nach 18 Jahren an der CDU-Spitze nicht mehr als Parteichefin antreten. Als mögliche Nachfolgerin steht die CDU-Generalsekretärin und frühere saarländische Ministerpräsidentin parat. Der 56-Jährigen geben viele in der Partei die besten Chancen, Merkel zumindest als Parteichefin zu beerben.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Nachmittag auf SR 3 Saarlandwelle vom 29.10.2018 berichtet.

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