Gusswerke in Saarbrücken (Foto: imago images/Becker&Bredel)

Regierung will Gusswerke-Mitarbeiter unterstützen

  27.11.2019 | 16:09 Uhr

Nachdem am Mittwochmittag bekannt wurde, dass 600 Mitarbeiter ihre Stellen bei den Gusswerken Saarbrücken verlieren, sicherte die Landesregierung den Betroffenen Unterstützung zu. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger sieht trotzdem noch Hoffnung für das Werk.

„Das ist heute leider ein Tiefpunkt aller Mühen um die Zukunft für die Gusswerke Saarbrücken“, sagte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). In einer kurzen Rede nach Bekanntwerden des Stellenabbaus sprach sie von einem möglichen Investor. Es gebe noch eine Chance, das Werk auf Dauer zu erhalten. Sie versprach, dass die Landesregierung alles dafür tun würde, damit die betroffenen Mitarbeiter „nicht ins Bodenlose fallen“.

Es mache „wütend, dass die Gusswerke offensichtlich über Jahre in den Ruin getrieben wurden“, sagte SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon. Er versprach, dass die Landesregierung weiterhin bei großen Herstellern werben würde, um das Werk zu erhalten und eine Zukunft zu ermöglichen. „Jetzt kommt es darauf an, alle Hilfen, beispielsweise der Arbeitsagentur, zu mobilisieren, um die Beschäftigten, die nicht weitermachen können, aufzufangen – etwa mit verlässlicher Betreuung und Qualifizierungsangeboten.“

Hans fordert Zusammenarbeit

Kollegengespräch: "Viele waren geschockt - regelrecht erstarrt"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Dorothee Scharner / Sarah Sassou, 27.11.2019, Länge: 04:14 Min.]
Kollegengespräch: "Viele waren geschockt - regelrecht erstarrt"

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erklärte, es sei besonders für die hochmotivierten Mitarbeiter ein schwerer Schlag, aber auch für das Saarland als solches. „Wir müssen alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen und bündeln, um den betroffenen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen", sagte Hans. Es gehe auch darum, die verbliebenen Aufträge zu halten und neue einzufahren. Der Wandel müsse so geschehen, dass dabei möglichst viele neue Industriearbeitsplätze entstehen.

Auch die CDU-Landtagsfraktion forderte alle Akteure dazu auf, zusammenzuarbeiten. Einerseits gehe es darum, die Betroffenen schnell wieder in Arbeit zu bringen. „Gleichzeitig müssen möglichst viele Aufträge gehalten sowie neue Aufträge eingeworben werden, um möglichst viele Arbeitsplätze zu halten“, sagte der CDU-Abgeordnete Marc Speicher.

Besonders die 200 Menschen, denen im Sommer ein Aufhebungsvertrag angeboten worden sei, bräuchten Unterstützung, weil sie für das Arbeitslosengeld gesperrt seien.

Linke fordert Mehrheitsbeteiligung

Die Linksfraktion im Saarländischen Landtag reagierte verärgert auf den Stellenabbau bei den Gusswerken. „Viele Arbeitsplätze wurden abgebaut, weil man das Unternehmen von einem verantwortungslosen Finanzhai zum anderen weitergereicht und viel zu lange zugesehen hat, wie es die Prevent-Gruppe systematisch ruiniert hat“, erklärte Oskar Lafontaine.

Es sei ein großer Fehler gewesen, dass die Landesregierung keine Verhandlungen mit VW aufgenommen habe, um damit einen wichtigen Kunden für eine Lösung zu gewinnen. Das Land sei jetzt verpflichtet, „eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben, die zumindest so lange gehalten werden muss, bis das Unternehmen wieder Tritt gefasst hat und längerfristig verlässliche Beziehungen zu Kunden aufgebaut und ausreichend Aufträge gesichert sind.“

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.11.2019 berichtet.

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