Closed Schild (Foto: pixabay/ BenediktGeyer)

Geteilte Meinungen zu neuen Corona-Einschränkungen

  28.10.2020 | 20:15 Uhr

Die geplanten harten Einschnitte zur Pandemiebekämpfungen werden in Politik, Wirtschaft und Medizin unterschiedlich aufgenommen. Die IHK Saarland hält die Beschlüsse in weiten Teilen für nachvollziehbar, die Kassenärztliche Bundesvereinigung hingegen hatte sich bereits im Vorfeld gegen ein breites Herunterfahren des Alltagslebens ausgesprochen.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen seien die Beschlüsse der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin in weiten Teilen nachvollziehbar, zielgerichtet und verhältnismäßig, teilt die IHK Saarland mit. Bei Eindämmung des Infektionsgeschehens bis Ende November könnte so ein weitgehend normales Weihnachtsgeschäft stattfinden. Dass der Betrieb in Schulen und Kindergärten am Laufen bleibe, sei insbesondere für berufstätige Eltern in Industrie und Einzelhandel wichtig.

Reaktion der Gastronomie auf neue Corona-Regelungen (28.10.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 28.10.2020, Länge: 02:06 Min.]
Reaktion der Gastronomie auf neue Corona-Regelungen (28.10.2020)

Kritisch sieht die IHK die Schließung von Gastronomiebetrieben und kulturellen Einrichtungen wie Theater und Kinos. Die bisherigen Erfahrungen mit der Pandemie zeigten, dass diese ebenso wie Hotels keine Risikocluster seien – nicht zuletzt, weil sie mit Hygienekonzepten die Anforderungen des Infektionsschutzes erfüllten. Durch den zweiten Shutdown gerieten noch mehr Unternehmen in existenzielle Nöte. "Deshalb ist es gut, dass ihnen eine Nothilfe gewährt werden soll, um sie für finanzielle Ausfälle zu entschädigen", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer im Saarland, Heino Klingen.

Kritik übte Thomas Lutze, Landesvorsitzender der Saar-Linken. "Zu keinem Zeitpunkt war die Rede davon, dass es in Gaststätten, bei kulturellen und Sportveranstaltungen oder ähnlichem zu nennenswerten Infektionen kam. Ursache dafür ist, dass die Betreibenden solcher Veranstaltungen und Einrichtungen strenge Hygienekonzepte erarbeitet und umgesetzt haben. Und genau diese Gruppen werden jetzt die Zeche für die erhöhten Infektionszahlen zahlen müssen", so Lutze. Da sei nicht vermittelbar.

Gastgewerbe ist der Leidtragende

"Es geht darum, wie wir es langfristig schaffen."
Audio [SR 1, (c) Jessica Werner, Dr. Stephan Hofmeister, 28.10.2020, Länge: 04:10 Min.]
"Es geht darum, wie wir es langfristig schaffen."

Der Landesvorsitzende der FDP Saar, Oliver Luksic, bezeichnete die Einschränkungen als "unverhältnismäßig". Der Schutz vulnerabler Gruppen, mehr Schnelltests und FFP2-Masken sowie eine Verbesserung der Corona-App seien stattdessen geboten sowie die strikte Durchsetzung der Abstands- und Hygieneregeln.

Grünen-Landeschef Markus Tressel forderte: "Wenn wir Strukturen erhalten wollen, müssen wir jetzt differenziert vorgehen und mit strengen Kontrollen die Einhaltung der Regeln sicherstellen und bei Bedarf lokal nachsteuern. Wir sollten im achten Monat der Pandemie durchaus auch zu einem differenzierteren Vorgehen in der Lage sein. Die Akzeptanz von in einigen Bereichen scharfen Maßnahmen darf nicht dadurch gefährdet werden, dass wir in anderen Bereichen regelrecht mit dem Holzhammer vorgehen."

Tobias Hans zu den verschärften Corona-Maßnahmen (28.10.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 28.10.2020, Länge: 05:22 Min.]
Tobias Hans zu den verschärften Corona-Maßnahmen (28.10.2020)

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte sich bereits im Vorfeld gegen ein breites Herunterfahren des Alltagslebens ausgesprochen. "Eine pauschale Lockdown-Regelung ist weder zielführend noch umsetzbar", sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Nötig seien zielgerichtete Maßnahmen zur Eindämmung. Essentiell für ein Gelingen sei die Kooperation der Bevölkerung etwa bei Regeln zu Abstand und Masken. In einem Positionspapier, das unter anderem in Zusammenarbeit mit den Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit erstellt wurde, regte die KBV unter anderem ein bundeseinheitliches Ampelsystem für eine transparente Darstellung des Infektionsgeschehens an. Die Schutzregeln mit Abstand, Hygiene, Masken und Corona-Warn-App seien eigentlich ausreichend - müssten aber konsequent umgesetzt werden. Das Positionspapier wird nach KBA-Angaben von mehreren Ärzteverbänden unterstützt.

Saarlands stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) verteidigte die geplanten Maßnahmen am Mittwochabend. Sie seien hart, aber notwendig. "Unser oberstes Ziel ist es, die Kitas und Schulen offenzuhalten. Denn wir wollen auch in diesen Zeiten die Bildungschancen unserer Kinder wahren. Auch dort werden wir schauen müssen, dass die Sicherheitskonzepte weiter verstärkt werden", so Rehlinger.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja