Eine Erzieherin führt zwei Kinder über den Flur einer Kintertagesstätte (Foto: picture alliance / Jan-Philipp Strobel/dpa | Jan-Philipp Strobel)

Nach Studie: Experten fordern mehr Kita-Personal

  20.10.2022 | 17:39 Uhr

Die Kitas im Saarland brauchen deutlich mehr Personal. Darauf weisen die Gewerkschaft GEW, die Arbeitskammer und der Verband der Kita-Fachkräfte hin. Die gesetzlichen Möglichkeiten dazu gibt es laut Bildungsministerium bereits.

Im Saarland fehlen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung 4700 Kita-Plätze. Vor diesem Hintergrund fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine sofortige Fachkräfteoffensive für Kitas.

Der Personalschlüssel müsse deutlich verbessert werden. "Damit nicht nur ausreichend Kita-Plätze vorhanden sind, sondern auch alle Plätze kindgerechte Personalschlüssel aufweisen, müssten rund 4400 Fachkräfte zusätzlich beschäftigt werden", sagte der GEW-Landesvorsitzende Max Hewer.

Video [aktueller bericht, 20.10.2022, Länge: 1:39 Min.]
Mehr Personal für Kitas gefordert

Dafür sei es notwendig, die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. Außerdem müssten die Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher verbessert werden.

"Teufelskreis durchbrechen"

Die Be- und Überlastung der Beschäftigten steige ständig. Dadurch werde der Fachkräftemangel weiter verschärft, da immer mehr Fachkräfte Stunden reduzierten oder die Kita verließen. 

"Damit dieser Teufelskreis durchbrochen wird, fordert die GEW Saarland eine politische Priorität für eine bessere Personalausstattung, die für die Kitas auch erkennbar ist und damit ein Zeichen der Anerkennung setzt", erläuterte Hewer.

Problem verschärft sich weiter

Auch die Arbeitskammer des Saarlandes (AK) sieht Handlungsbedarf. Es seien alarmierende Zahlen, die in der Studie vorgelegt würden. "Um allen Kindern eine qualitativ hochwertige Bildung von Anfang an zu ermöglichen, müssen wir endlich umsteuern", sagte AK-Hauptgeschäftsführer Thomas Otto.

GEW Saar fordert Fachkräfteoffensive
Audio [SR 3, Gerd Heger / Mark Hewer, 20.10.2022, Länge: 04:10 Min.]
GEW Saar fordert Fachkräfteoffensive

Es fehle bereits jetzt an Personal. Zudem gingen viele Erzieherinnen und Erzieher in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Das Arbeitsfeld müsse für junge Menschen attraktiver gemacht werden.

Umstrukturierung nötig

Laut AK müssten auch bestehende Strukturen überarbeitet werden. Das pädagogische Personal sollte durch Hauswirtschaftskräfte unterstützt werden. Dafür müsse der Anteil der Hauswirtschaftskräfte pro Einrichtung schnellstmöglich erhöht werden. Zudem müsse das Personal auch durch Verwaltungskräfte von zunehmenden Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

Der Verband der Kita-Fachkräfte im Saarland bemängelt, dass im Personalschlüssel der saarländischen Kitas Fehlzeiten durch Krankheitstage oder Urlaube nicht berücksichtigt würden. Dadurch sei der Personalschlüssel noch schlechter als angenommen. Andere Bundesländer rechneten hingegen einen gewissen Satz an Fehlstunden vorsorglich mit ein.

Bertelsmann-Stiftung zur Kita-Studie
Audio [SR 3, Moderation: Gerd Heger, 20.10.2022, Länge: 04:07 Min.]
Bertelsmann-Stiftung zur Kita-Studie

Gesetzliche Möglichkeiten ausschöpfen

Das saarländische Bildungsministerium sieht das Land hingegen vergleichsweise gut aufgestellt. Die Studie bescheinige dem Saarland eine vergleichsweise gute Personalsituation in den Kitas.

"Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die frühkindliche Bildung und Betreuung investiert. Dabei setzen wir als Land auf den Dreiklang aus gleichzeitigem Abbau der Elternbeiträge, der Förderung des Kita-Platzausbaus und Verbesserung der Kita-Qualität", sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Die durch das neue Kita-Gesetz geschaffenen Möglichkeiten für mehr Personal müssten nun aber auch ausgeschöpft werden. Zur Entlastung der Teams könnten kurzfristig Kita-Ergänzungskräfte eingestellt werden, ebenso Fachkräfte mit anderen Schwerpunkten wie Ergo-, Logo-, Physiotherapie oder Ernährungskunde. Das Land trage einen erheblichen Teil der Kita-Personalkosten. 2022 seien es voraussichtlich rund 140 Millionen Euro.

Konkreten Handlungsbedarf sieht auch die Saar-CDU: "Der Kita-Platzausbau muss endlich Chefsache sein", fordert Jutta Schmitt-Lang. Die Problematik der fehlenden Kita-Plätze werde sich mit dem nahenden Rechtsanspruch weiter verschärfen.

Die Landesvorsitzende der Linken, Barbara Spaniol, fordert zudem mehr Studienplätze im Studiengang Pädagogik der frühen Kindheit zur Bekämpfung des Fachkräftemangels, einen Ausbau der Ausbildungsplätze und bessere Weiterbildungsmöglichkeiten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.10.2022 berichtet.

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