Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 Falcon, aufgenommen auf der US-Airbase Spangdahlem (Foto: picture alliance/picture alliance/dpa)

Gespaltene Reaktionen auf Abzug in Spangdahlem

mit Informationen von Jürgen Rinner / Onlineversion: Daniel Dresen   30.07.2020 | 15:52 Uhr

Der geplante Teil-Abzug von US-Soldaten am Stützpunkt Spangdahlem hat in Rheinland-Pfalz und dem Saarland unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm hofft auf mehr Ruhezeiten. Die Gewerkschaft Verdi hingegen zeichnet ein düsteres Bild für die Region.

Der geplante Abzug der US-Fliegerstaffel vom Militärflugplatz Spangdahlem in der Eifel sorgt für Bestürzung und Freude. Die Kommunalpolitik und Wirtschaft um den Flugplatz fürchten gravierende Nachteile durch den Abzug von Kaufkraft. Die Initiative gegen Fluglärm hofft auf mehr Ruhe im nördlichen Saarland.

Video [aktueller bericht, 30.07.2020, Länge: 2:30 Min.]
Auswirkungen des Abzugs von US-Truppen

Mehr Lebensqualität im Saarland

Zieht die US-Truppe tatsächlich ab aus Spangdahlem, dann könnte es auch über dem Saarland ruhiger werden. Die F-16-Fliegerstaffel der US Air Force verursacht einen großen Teil des Fluglärms. Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm ist verhalten optimistisch.

Landrat Bitburg-Prüm: "Ich gebe Spangdahlem noch nicht verloren"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 30.07.2020, Länge: 02:52 Min.]
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"Das ist ein ganz großer Schritt in Richtung Lebensqualität, zumal wir ja damit rechnen müssen, dass früher oder später die noch lauteren F-35 dahin gekommen wären. Damit haben wir letztes Jahr Bekanntschaft gemacht. Die sind also noch brutaler", sagt Holger Marzen von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm Saarland.

Es sei jedoch damit zu rechnen, dass Maschinen aus Belgien und der deutschen Luftwaffe nach dem Abzug der Amerikaner verstärkt von Spangdahlem fliegen könnten. Die Bundeswehr werde möglicherweise Übungsflüge aus den anderen militärischen Lufträumen hierher verlegen. Aber damit könnten zumindest die Einflussmöglichkeiten auf politischer Ebene für die Initiative besser werden.

"Früher ist argumentiert worden zwischen den Zeilen, dass die Amerikaner schwierig seien. Das war noch nie ein wirkliches Argument, weil die Betriebszeiten des Übungsluftraums Hoheiten des Verteidigungsministeriums sind", so Marzen.

Viele deutsche Arbeiter

Ganz anders sieht man die Lage in und um Spangdahlem. Hier befürchten Politik und lokale Wirtschaft in der strukturschwachen Eifel negative Auswirkungen durch den Abzug.

Der geplante Abzug des 52. Jagdgeschwaders werde laut der Gewerkschaft Verdi massive Auswirkungen auf die Beschäftigten und auf die ganze Region haben. Aktuell seien 596 deutsche Arbeitnehmer bei der Air Force in Spangdahlem beschäftigt. Hinzu kommen 69 deutsche Beschäftigte in den amerikanischen Geschäften auf der Air Base. Die Gewerkschaft fordert von der rheinland-pfälzischen Landesregierung einen Schutzschirm für die Region.

Druck auf Trump erhöhen

Der Landrat von Bitburg-Prüm, Joachim Streit, gibt den Stützpunkt jedoch noch nicht verloren. Das sagte er im Interview mit dem SR. "So einfach verlegt sich jetzt nicht eine ganze Staffel F-16-Kampfflugzeuge samt Unterstützungseinheiten nach Italien", so Streit. Der Landrat nimmt an, dass noch Verhandlungsspielraum da ist.

Streit fordert die Bundespolitik auf, US-Präsident Donald Trump unter Druck zu setzen, indem die Bestellung von 30 F-18-Kampfflugzeugen durch die Bundeswehr beim amerikanischen Hersteller Boeing zurückgenommen wird.

Trump reduziert Truppen in Deutschland
USA ziehen Soldaten aus Spangdahlem ab [29.07.2020]

Über dieses Thema hat auch die Sendung "aktueller bericht" im SR Fernsehen vom 30.07.2020 berichtet.

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