AnKER-Zentrum (Foto: Dylla Carolin/SR)

Innenministerium wegen Ankerzentrum in der Kritik

Christoph Grabenheinrich   31.01.2020 | 16:29 Uhr

Nach den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen im Ankerzentrum in Lebach sehen SPD und Linke massiven Nachbesserungsbedarf. Während die SPD bauliche Veränderungen fordert, drängen die Linken auf eine Auflösung.

Die Reaktionen auf die Missbrauchs- und Gewaltfälle im Ankerzentrum für Flüchtlinge in Lebach könnten kaum schärfer ausfallen. Fassungslosigkeit, Schock, Entsetzen – SPD und Linke sprechen von unhaltbaren Zuständen. Die räumliche Trennung von alleinreisenden Frauen und Kindern auf der einen und Männern auf der anderen Seite sei eine Grundbedingung für den Betrieb des Ankerzentrums, so die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, Petra Berg.

Reaktionen auf den Missbrauchsskandal im Ankerzentrum
Video [SR Fernsehen, aktueller bericht, 31.01.2020, Länge: 02:52 Min.]
Reaktionen auf den Missbrauchsskandal im Ankerzentrum

Man sei davon ausgegangen, dass es die gebe, das sei in diversen Ausschusssitzungen vom Innenministerium auch so dargestellt worden. Die Schutzkonzepte müssten nun sofort überprüft und angepasst werden. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb drängt auf sofortige bauliche Maßnahmen, fordert zudem einen unabhängigen Landesbeauftragten für Kindesmissbrauch.

13 Fälle von Gewalt

SPD und Linke kritisieren "unhaltbare Zustände" im Ankerzentrum
Audio [SR 3, Christoph Grabenheinrich, 31.01.2020, Länge: 03:06 Min.]
SPD und Linke kritisieren "unhaltbare Zustände" im Ankerzentrum

Der Abgeordnete der Linken, Dennis Lander, drängt darauf, das Ankerzentrum aufzulösen. Die neuerlichen Fälle zeigten, dass die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in den Kommunen die sichere Lösung sei. Bis dahin müssten die nicht hinnehmbaren Zustände im Ankerzentrum beseitigt werden. Es sei Unsinn, wenn das Ministerium behaupte, eine räumliche Trennung von alleinreisenden Frauen und Kindern sei nicht möglich.

Am Donnerstag hatte der SR über die Missbrauchs- und Gewaltfälle im Ankerzentrum in Lebach in den Jahren 2017 und 2018 berichtet. Das Innenministerium registrierte in diesem Zeitraum 13 Fälle von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Im Jahr 2018 war ein dreijähriges Mädchen Opfer sexuellen Missbrauchs geworden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 31.01.2020 berichtet.

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