Schild in einem Schaufenster "Wir haben geöffnet" (Foto: Imago Images/penofoto)

Geteilte Meinungen in der Saar-Wirtschaft

mit Informationen von Karin Mayer   04.03.2021 | 15:40 Uhr

Die Saar-Wirtschaft reagiert gespalten auf den Corona-Stufenplan der Bundesregierung. Positiv sehen Kammer und Verbände, dass es eine Öffnungsperspektive gibt. Die Gastronomie ist entsetzt über die späten Lockerungen für die Branche.

Der Einzelhandel im Saarland hatte auf schnellere Öffnung gehofft, so der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Fabian Schulz. Insgesamt bleibe es aber kompliziert und aufwändig für den Handel. Immerhin gebe es ein Szenario, dass der Handel pro 40 Quadratmeter einen Kunden zulassen könne. Wichtig sei aber auch: Einkaufstourismus nach Rheinland-Pfalz zu vermeiden. Dort gibt es in den Landkreisen zum Teil niedrigere Inzidenzwerte als im Saarland.

Saarländische Reaktionen auf Lockerungsbeschlüsse
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 04.03.2021, Länge: 02:35 Min.]
Saarländische Reaktionen auf Lockerungsbeschlüsse

Komplett empört ist Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Saarland, über die gestrige Entscheidung. Außengastronomie darf dem Beschluss zufolge erst öffnen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz mehr als 14 Tage lang unter 50 lag. Dem SR sagte Hohrath, es sei unerträglich und instinktlos, einer ganzen Branche zu sagen, über euch sprechen wir erst am 22. März. Auch im 13. Monat der Pandemie gebe es kein vernünftiges Regierungskonzept.

Hoher Aufwand bei Schnelltests

Gespaltene Reaktionen der Saar-Wirtschaft auf den Stufenplan
Audio [SR 3, Karin Mayer, 04.03.2021, Länge: 01:01 Min.]
Gespaltene Reaktionen der Saar-Wirtschaft auf den Stufenplan

Das kritisiert auch Martin Schlechter von der Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU). Die Gastronomie brauche eine Perspektive, denn viele Betriebe stünden vor dem Aus. Weiteres Thema für VSU und Industrie und Handelskammer (IHK) sind die geplanten Schnelltests in Unternehmen. Da gebe es noch viele offene Fragen, so die VSU.

IHK-Geschäftsführer Mathias Hafner glaubt, dass die Politik den Aufwand von Schnelltests in Unternehmen unterschätzt. Die IHK habe die Erfahrung gemacht, was es bedeute, Tests für 15.000 Grenzgänger zu organisieren. Jetzt gehe es um wöchentliche Tests für 400.000 Beschäftigte. So lange dafür geschultes Personal gebraucht werde, sei das schwer umzusetzen, so Hafner.

Unverhältnismäßige Entscheidung

Der Vorsitzende der Linksfraktion im saarländischen Landtag, Oskar Lafontaine, hat die Beratungsergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz als "widersprüchlich und unbrauchbar" bezeichnet. Der Lockdown würde verlängert, auch weil zu wenig Schnelltests verfügbar seien, meinte Lafontaine.

Die vom Grundgesetz verlangte Verhältnismäßigkeit sei bei der Entscheidung zu einer Verlängerung am Mittwoch nicht gewahrt worden. "Nach vier Monaten Lockdown verlieren immer mehr Menschen ihre wirtschaftliche Existenz und die psychischen und sozialen Schäden, deren längerfristige Wirkung noch nicht abzusehen ist, nehmen weiter zu", so Lafontaine.

"Richtig und mutig"

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Magnus Jung hingegen sieht nun Chancen auf eine langsame Rückkehr Richtung Normalität, die jedoch mit großer individueller und öffentlicher Verantwortung verbunden seien. „Ich freue mich vor allem über die größeren Möglichkeiten zum familiären und privaten Kontakt. Das hat gefehlt und es ist gut, wenn Familien wieder mehr zusammen kommen können.“

Die strikte Abkehr vom Referenzwert 35 bei der Inzidenz sei zudem "richtig und mutig", da ansonsten weitere Öffnungen angesichts der aktuellen Infektionslage in weiten Teilen des Landes für Wochen oder Monate nicht realistisch gewesen wären.

FDP fordert weitere Öffnungen

Die FDP im Saarland fordert sogar noch weitere Öffnungsschritte. Bund und Länder bewegten sich nur mit Mini-Schritten, sagte Landeschef Oliver Luksic. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden des Lockdowns seien enorm. Handel, Gastronomie und viele Selbstständige seien aber auf konkrete Öffnungsperspektiven angewiesen, um eine Insolvenzwelle zu verhindern.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 04.03.2021 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja