Kinder halten Taschengeld in Händen (Foto: dpa/Patrick Seeger)

Welche Maßnahmen gegen die Kinderarmut?

  02.04.2019 | 15:56 Uhr

Wie kann die hohe Kinderarmutsquote in Saarbrücken bekämpft werden? SPD, Grüne und Linke sind sich in ihren Vorschlägen relativ einig: Eine Kombination aus mehr Bundeshilfen, mehr Investitionen in frühkindliche und schulische Bildung und mehr Anstrengungen, um neue Arbeitsplätze für Hartz-IV-Bezieher zu schaffen.

Politik & Wirtschaft
Kinderarmut in Saarbrücken besonders hoch
In Saarbrücken leben so viele Kinder in Armut wie in fast keiner anderen deutschen Großstadt. Mehr als jedes dritte Kind in der Landeshauptstadt wuchs 2016 laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in einem Hartz-IV-Haushalt auf. Nur in Gelsenkirchen und Bremerhaven war die Quote noch höher.

Die saarländische Wirtschaftsministerin und SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger sieht in der hohen Kinderarmut in Saarbrücken eine Folge des Strukturwandels im Saarland. Daher brauche es zusätzlich zu wirtschaftspolitischen und bildungspolitischen Maßnahmen auch „eine Sozialpolitik der helfenden Hand und Strukturhilfen der Bundesregierung.“

Weil Hartz IV nicht reicht, um Kinder vor Armut zu schützen, plädiert die SPD inzwischen auch für eine eigenständige Kindergrundsicherung, so Rehlinger. Linke und Grüne favorisieren diese Idee schon länger. Darin sollen die vielen verschiedenen Sozialleistungen für Kinder in einem einzigen Betrag zusammengefasst werden. Dessen Höhe soll vom Einkommen der Eltern abhängen. Je niedriger das Einkommen, desto höher die Leistung.

Sozialdezernent: Kein lokales Problem

Saarbrückens Sozialdezernent Harald Schindel betont: „Kinderarmut ist kein lokales Problem, sondern ein bundesweites. Kinderarmut ist eine Folge des wachsenden Ungleichgewichtes in unserem Land." Das Saarland und das Ruhrgebiet hätten besonders mit dem Strukturwandel zu kämpfen. „Dort ballen sich in den Oberzentren die sozialen Probleme – unter anderem die Kinderarmut“, so Schindel. „Weder der Regionalverband noch wir als Kommune können das Problem aber alleine lösen. Wir brauchen endlich eine echte Unterstützung vom Bund.“

Geförderte Beschäftigung und bezahlbarer Wohnraum

Ein weiterer wichtiger Beitrag sind nach Ansicht des Sozialdezernenten Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose. Über diese Maßnahmen sollen erwerbslose Eltern dauerhaft wieder Arbeit bekommen, um die Familiensituation zu verbessern. „Kinder erleben dann auch einen von Erwerbsarbeit geprägten Tagesrhythmus ihrer Eltern, der sich positiv auf ihre Entwicklung auswirken kann“, so Schindel. Zudem sei mehr bezahlbarer Wohnraum für Familien wichtig.

Grüne und Linke betonen Bedeutung der Bildung

Aus Sicht der Fraktion Die Linke im Saarländischen Landtag braucht es mehr Investitionen in die Schulen. „Nach wie vor hängt der Bildungserfolg der Kinder viel zu sehr vom Geldbeutel der Eltern ab, das muss sich ändern“, erklärt Barbara Spaniol. „Gerade die Kinder aus den einkommensschwächeren Elternhäusern, die keine teure Nachhilfe bekommen können und deren Eltern ihnen nicht immer so helfen können, wie es nötig wäre, müssen besonders gefördert werden.“ Dafür brauche es kleinere Klassen, mehr Personal an den Schulen und mehr kostenfreie Angebote.

Auch die Grünen im Saarbrücker Stadtrat sehen Handlungsbedarf, allerdings schon vor der Einschulung. „Wir müssen uns noch deutlich mehr um Bildungsgerechtigkeit bemühen, um auch Kindern aus sozial schwächeren Verhältnissen eine gute Perspektive geben zu können“, erklärt die Sprecherin der Grünen im Stadtrat, Karin Burkart. „Dazu ist es essenziell, bereits in der frühkindlichen Bildung ein umfassendes Ganztagsangebot vorzuhalten.“ Letztlich dürfe Geld keine Rolle dabei spielen, „wenn es darum geht, ob ein Kind einen Kita-Platz bekommt oder nicht.“ Daher sprechen sich die Grünen mittelfristig für die Abschaffung der Elternbeiträge in den Kitas aus.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 02.04.2019 berichtet.

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