Schriftzug G8 und G9 auf einer Tafel (Foto: dpa/Armin Weigel)

Geteilte Reaktionen auf G9-Vorschlag

Martin Brinkmann / Onlinefassung: Daniel Dresen   05.09.2020 | 13:10 Uhr

Der Philologenverband, die Vertretung der Gymnasiallehrer, ist am Donnerstag überraschend mit einem neuen Strategiepapier herausgekommen. Ein Aspekt darin: die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Das sorgt für Diskussionsbedarf in der saarländischen Bildungslandschaft.

Bisher wollte der Verband der Gymnasiallehrer Debatten um eine erneute Schulreform vermeiden. Jetzt der Kurswechsel: Das achtjährige Gymnasium werde den aktuellen Bildungsanforderungen nicht mehr gerecht. Lehrer und Schüler bräuchten mehr Zeit.

Video [aktueller bericht, 04.09.2020, Länge: 2:48 Min.]
Reaktionen auf Vorschlag zu G9

Wahlfreiheit gegeben

Das saarländische Bildungsministerium ist bei dem Thema zurückhaltend. "Die Dauer des gemeinsamen Lernens ist sicher nur ein Faktor. Wir haben ja in den Gemeinschaftsschulen den Weg in neun Jahren zum Abitur, an Gymnasien in acht Jahren zu kommen. Natürlich müssen wir darüber sprechen, wie die besten Wege sind und wie Durchlässigkeit sichergestellt werden kann", sagte Jan Benedyczuk (SPD), Staatssekretär im Bildungsministerium, dem SR.

Ausbau der Ganztagsangebote

Am Freitag äußerte sich auch Saarlands Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) in einer Pressemitteilung zur Debatte. "Mehr Zeit in der Schule, mehr Zeit zum Lernen und zum Lehren zu haben, kann eine weitere gute Antwort darauf sein, wie wir uns die Schule der Zukunft vorstellen", schrieb die Ministerin.

Einen wichtigen Beitrag zur besseren individuellen Förderung könne der Ausbau echter Ganztagsangebote am Gymnasium leisten. "Vorstellbar sind für mich auch neue Wahlmöglichkeiten in der Mittelstufe, sodass Schüler zwischen G8 und G9 wählen können – unabhängig davon, welche weiterführende Schule sie besuchen", erklärte Streichert-Clivot.

Schulzeit nur ein Baustein

Auch der Koalitionspartner CDU sieht weiteren Diskussionsbedarf. "Uns bestätigt das, dass unser Vorschlag der Qualitätsoffensive Gymnasium angenommen wurde. Sicher ist das Thema Schulzeit auch ein Baustein in dieser Debatte, aber wir möchten nicht, dass das Thema nur von G8 oder G9 überlagert wird“, so Frank Wagner, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im saarländischen Landtag.

Für den Bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Jürgen Renner, muss bei der Frage, ob das Abitur in neun oder acht Jahren erworben werden kann, die Politik darauf achten, die Balance des Zwei-Säulen-Systems mit Gemeinschaftsschule und Gymnasium zu wahren und die Gleichwertigkeit beider Wege sicherzustellen, die zum Abitur führen. "Möglicherweise kann hier der Ganztag eine Brücke darstellen", so Renner.

FDP kritisiert Landesregierung

Die Saar-FDP unterstützt den Vorschlag des Philologenverbands zur Einführung eines neunjährigen Gymnasiums. "Das Saarland hat als einziges westdeutsches Flächenland G8 behalten, während alle anderen Länder neue Wege gegangen sind. Die Landesregierung sollte mit einem sturen Beharren auf G8 keine Insellösung zu Ungunsten der Schüler halten, sondern die Bildung mit neuen Konzepten zukunftsgerichtet verbessern", forderte der Landesvorsitzende der Saar-FDP, Oliver Luksic.

GEW gegen Strukturdebatte

Auch die Landeselternvertretung ist klar für die Rückkehr zu G9. Der Verband der Lehrerinnen und Lehrer und die Gewerkschaft GEW sind hingegen gegen die Debatte. "G8 ist für mich ein historischer Fehler, der schon fast 20 Jahre zurückliegt. Damals waren die Argumente auf dem Tisch. Entwicklungspsychologen wurden nicht gehört. Und was jetzt bestimmt nicht benötigt wird, ist eine Strukturdebatte", sagte Birgit Jenni, GEW-Landesvorsitzende.

Für die GEW wäre stattdessen wichtig, mehr in die Qualitätsverbesserung der Gymnasien, Gemeinschaftsschulen sowie beruflichen Schulen zu investieren. An letzteren ist G9 ebenfalls möglich.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "aktueller bericht" im SR Fernsehen vom 04.09.2020 berichtet.

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