Christine Streichert-Clivot (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Saar-Bildungsministerin kritisiert CDU-Pläne für Schulen

  12.01.2022 | 16:50 Uhr

Saar-Bildungsministerin Streichert-Clivot hält eine Einführung des Abiturs nach neun Jahren 2023 für möglich. Der Kurswechsel der CDU bei dem Thema komme allerdings reichlich spät. Außerdem kritisierte sie die Pläne für eine verbindliche Grundschulempfehlung.

Für die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) kommt der Kurswechsel der CDU zu einer Rückkehr zu G9 zu spät. Es habe auch vorher bereits Anlässe gegeben, zu denen der Kurswechsel hätte vollzogen werden können. Dadurch hätten in der Koalition viele Diskussionen vermieden werden können, sagte sie im SR-Interview.

Weg nicht zu früh festlegen

Mit der Wiedereinführung von G9 soll nach den Plänen der CDU auch eine Qualitätsoffensive an den Schulen einhergehen. Die Bildungsministerin bemängelt in diesem Zusammenhang eine frühe Festlegung der Schulformen für Kinder und Jugendliche. „Wir haben gerade den großen Vorteil im Saarland, dass unsere Schulformen sehr durchlässig sind und dass wir auch verschiedene Wege ermöglichen und Kinder individuell fördern“.

Es sei wichtig, nicht bereits nach der Grundschule auszuschließen, dass ein Kind auch das Abitur abschließen könne. Viele Kinder könnten durch entsprechende Förderung und Unterstützung ihren Weg machen und damit später erfolgreich sein. Die Pläne der CDU sehen auch vor, wieder eine verbindliche Grundschulempfehlung für den Zugang zum Gymnasium einzuführen.

"Es gab einige Anlässe, wo man diesen Kurswechsel hätte vollziehen können"
Audio [SR 3, Interview: SImin Sadeghi / Christine Streichert-Clivot, 12.01.2022, Länge: 03:54 Min.]
"Es gab einige Anlässe, wo man diesen Kurswechsel hätte vollziehen können"

Mehr Lehrer für alle Schulformen

Auch eine Fokussierung auf die Gymnasien hält Streichert-Clivot für schwierig, wenn sie gleichzeitig bedeute, dass die Bedarfe anderer Schulformen nicht gedeckt würden. „Die Herausforderungen der Zukunft liegen darin, Schulen zu ermöglichen, kleinere Klassen zu bilden und Kinder individuell zu fördern“, so die SPD-Politikerin. Dafür brauche es Lehrerinnen und Lehrer nicht nur für eine Schulform sondern im besten Fall für alle.

Sie hält es deshalb auch für wichtig die Lehrerausbildung in den Blick zu nehmen. Das Saarland müsse seinen eigenen Bedarf beantworten können und dürfe nicht darauf angewiesen sein, dass Lehrerinnen und Lehrer, die in anderen Bundesländern ausgebildet wurden, ins Saarland zurückkehren.

Keine Umsetzung mit der Brechstange

Für die Wiedereinführung von G9 gebe es bei den Parteien insgesamt eine große Unterstützung. 2023 wieder zu G9 zurückzukehren sei zwar eine große Herausforderung, aber sie glaube, "dass es an der Zeit ist, diese Diskussion zu führen".

Gleichzeitig warnte die Bildungsministerin aber auch davor die Fehler bei der Einführung von G8 zu wiederholen. Unter anderem sei damals nicht auf den Lernstoff geblickt worden. Die Reform sei "mit der Brechstange" umgesetzt worden und daraus sollte man lernen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Region am Nachmittag" am 12.01.2022 berichtet.

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