Frank Wilhelm-Mauch sitzt an seinem Schreibtisch an der Universität des Saarlandes (Foto: picture alliance/Oliver Dietze/dpa)

Saar-Forscher wollen Quantencomputer bauen

Florian Possinger / Nils Crauser   29.10.2018 | 19:04 Uhr

Die Universität des Saarlandes ist in den kommenden Jahren an einem der größten und vielleicht spannendsten Forschungsprojekte Europas beteiligt. Quantenphysiker Frank Wilhelm-Mauch ist Leiter eines Zusammenschlusses von Wissenschaftlern auf dem ganzen Kontinent, die in den kommenden drei Jahren einen Quantencomputer entwickeln und bauen wollen.

Genauere Wettervorhersagen, Medikamente mit höherer Wirksamkeit oder die Entwicklung echter Künstlicher Intelligenz: Das verbinden Wissenschaftler auf der ganzen Welt mit dem Stichwort Quantencomputing. An der Saar-Uni am Lehrstuhl für theoretische Physik wollen Professor Wilhelm-Mauch und sein Team jetzt den schnellsten Quantencomputer der Welt entwickeln. "Wir denken, dass wir erreichen, dass der Quantencomputer, den wir bauen, in ganz bestimmten ganz gezielten Anwendungen leistungsfähiger sein wird als der größte Supercomputer der Welt", sagt Wilhelm-Mauch.

Extrem hohe Geschwindigkeit, extrem hohe Anforderungen

Normale Computer arbeiten mit Bits: Informationen, die als Nullen und Einsen verarbeitet werden. Zwei Bits können vier Zustände abbilden. Aber nur nacheinander. Ein Bit ist immer nur 0 oder 1. Der Quantencomputer arbeitet mit sogenannten Qubits - sie können sich gleichzeitig in mehreren Zuständen befinden. Das bringt in der Praxis einen enormen Geschwindigkeitsvorteil.

Video [aktueller bericht, 29.10.2018, Länge: 3:42 Min.]
Forschung an Quantencomputer mit Milliardenförderung

Bisher gibt es nur wenige Quantencomputer. Die technischen Herausforderungen sind extrem hoch. Die Temperatur des Chips muss Minus 273 Grad Celsius betragen. Und er muss sich in absoluter Dunkelheit befinden. Nicht ein einziger Lichtpartikel darf zwischen die Qubits. Weil diese Bedingungen schwer zu erreichen sind, spucken Quantencomputer derzeit noch viele falsche Ergebnisse aus.

EU gibt zehn Millionen Euro

Die EU fördert das neue Forschungsprojekt mit zehn Millionen Euro. Außer Saarbrücken sind Forschungszentren in Spanien, Schweden und der Schweiz beteiligt. In drei Jahren soll er dann fertig sein: der schnellste Quantencomputer der Welt.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht vom 29.10.2018 berichtet.

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