Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenmappen (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Prozess gegen Pathologen gestartet

Thomas Gerber   16.06.2020 | 14:59 Uhr

Vor dem Landgericht hat der Prozess gegen einen Pathologen aus St. Ingbert begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-Jährigen gewerbsmäßigen Betrug sowie Bestechung vor. Ermittler waren dem Doktor wegen des Verdachts, falsche Krebsdiagnosen gestellt zu haben, auf die Schliche gekommen.

Doktor Thomas H. soll über Jahre mit niedergelassenen Ärzten gemeinsame Sache gemacht haben. Für eingesandte Gewebeproben bot er den Medizinern eine Art Rabatt an. Bei Privatpatienten flossen so zehn Prozent der abgerechneten Summe und bei Kassenpatienten 2,50 Euro pro Probe an die Ärzte zurück.

2,6 Millionen Euro Schaden

Da laut Gesetz bei Korruption Leistungen nicht abrechnungsfähig sind, ist der angeklagte Schaden enorm. 2,6 Millionen Euro seien über die Jahre zu viel von der Kassenärztlichen Vereinigung an Doktor H. gezahlt worden. Die Ermittlungen gegen die Ärzte, die mit ihm zusammengearbeitet und insgesamt rund 100.000 Euro kassiert haben sollen, laufen noch.

Überflüssige Operationen

Prozess gegen St. Ingberter Pathologen hat begonnen
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 16.06.2020, Länge: 01:03 Min.]
Prozess gegen St. Ingberter Pathologen hat begonnen

H. sitzt seit Februar in Untersuchungshaft. Auf die Schliche waren ihm die Ermittler im Rahmen eines weitaus gravierenderen Verfahrens gekommen. Doktor H. steht nämlich auch im Verdacht, in seinem Institut falsche Krebsdiagnosen gestellt zu haben, was zu überflüssigen Operationen geführt haben könnte. Bei einer Hausdurchsuchung wurden die Ermittler in der Buchhaltung dann fündig und entdeckten die Schmiergeldzahlungen an die Ärzte. Seiner mitangeklagten Ehefrau wird Beihilfe zur Last gelegt.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 16.06.2020 berichtet.

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