Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenmappen (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Mutmaßliche Millionenbetrüger vor Gericht

Thomas Gerber   08.01.2020 | 13:25 Uhr

Vor dem Saarbrücker Landgericht hat der Prozess gegen drei Angeklagte wegen Insolvenzverschleppung, Bankrott und Betrug in Millionenhöhe begonnen. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen mehr als 50 Fälle im Zusammenhang mit Bauprojekten zur Last. Zum Prozessauftakt beschuldigten sich die Angeklagten gegenseitig.

Bei der Umsetzung von Bauprojekten im Saarland und in Rheinland-Pfalz soll es zu den Unregelmäßigkeiten gekommen sein, unter anderem beim Bau des neuen Rewe-Marktes in Saarbrücken-Scheidt und eines Studentenwohnheims nahe Birkenfeld.

Die drei Beschuldigten sollen dabei als Verantwortliche des Schwalbacher Unternehmens "MIE" Investoren-Gelder nicht an die Subunternehmer weitergegeben haben. Deshalb musste mindestens einer der beauftragten Subunternehmer Anfang 2018 Insolvenz anmelden. Dadurch seien, so die Staatsanwaltschaft, 15 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Gläubiger fordern elf Millionen Euro

Für die MIE sei zudem verspätet Insolvenz angemeldet worden. Im Insolvenzverfahren selbst sollen zwei der Angeklagten außerdem versucht haben, ein Grundstück im Wert von einer Million Euro aus der Insolvenzmasse herauszulösen, um es so der Verwertung durch den Insolvenzverwalter zu entziehen. Die Forderungen der Gläubiger im noch laufenden Insolvenzverfahren belaufen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf mehr als elf Millionen Euro.

Angeklagte beschuldigen sich

Zum Prozessauftakt bestritten die Angeklagten die gegen sie persönlich erhobenen Vorwürfe zum Großteil. Sie wiesen sich gegenseitig die Schuld zu. So erklärte der Hauptangeklagte und Inhaber der MIE, dass er dem mitangeklagten technischen Leiter "blind vertraut" habe und er selbst keinerlei Aufträge erteilt habe.

Der technische Leiter wiederum gab an, dass er keinerlei Befugnisse gehabt habe, Zahlungen anzuweisen. Die Entscheidungen habe vielmehr der Hauptangeklagte getroffen. Dieser verfüge über ein Haus in der Schweiz und habe "schnelles Geld verdienen" wollen.

Der Hauptangeklagte kündigte an, im laufenden Insolvenzverfahren 2,25 Millionen Euro "privates Vermögen" zur Befriedigung der Forderungen der Gläubiger zur Verfügung zu stellen. Der dritte Angeklagte erklärte, er sei lediglich formeller Geschäftsführer gewesen und habe vom Baugeschäft keine Ahnung gehabt - die MIE ist eigentlich in der Metallbranche tätig. Er sagte, er habe einen Riesenfehler gemacht und entschuldige sich bei den geschädigten Subunternehmern. Der Prozess vor dem Landgericht dürfte sich über Wochen hinziehen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 08.01.2020 berichtet.

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