Das Werk von Neue Halberg Guss in Saarbrücken (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Neue Halberg Guss belieferte VW nur nach Absprache

Karin Mayer   13.02.2021 | 11:00 Uhr

Die Gießerei Halberg Guss hat den Hauptkunden Volkswagen jahrelang nur nach Absprache beliefert. Einen schriftlichen Vertrag über Liefermengen, Preise und Termine gab es nicht. Das hat das saarländische Oberlandesgericht im Streit zwischen Prevent und VW festgestellt.

Es ist ein Einblick in den Umgang der Autohersteller mit den Zulieferern: Trotz Jahresumsatz von 200 Millionen Euro gab es keinen Rahmenvertrag über vereinbarte Liefermengen, Lieferterminen und Preisen zwischen VW und Neue Halberg Guss. Für Patrick Selzer von der IG Metall ist das keine Überraschung. Dem SR sagte er, es habe lediglich Abrufzahlen für einen Zeitraum bis zu drei Monaten gegeben. Kein Einzelfall in der Autobranche, betont der Gewerkschaftsvertreter. Für die Zulieferer heißt das: Sie sind vom Hersteller abhängig. 

VW hält Urteil für sinnlos

Ein VW-Sprecher teilt zudem mit: Das Gericht habe damit etwas festgestellt, das VW nie bestritten habe. Verträge, in der genannten Form zu Preisen und Mengen habe es nicht gegeben. Dafür aber Absprachen. In einem schriftlichen Statement von VW heißt es: "Taktisch handelt es sich offenbar um den Versuch, die verlangten Wucherpreise in ein legitimes Licht zu rücken. Dies ist Prevent misslungen." Die Kosten des Saarbrücker Verfahrens trägt Prevent, so hat das Oberlandesgericht Saarbrücken entschieden. 

OLG Braunschweig soll über Wucherpreise entscheiden

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Finanzielle Auswirkungen hat der Richterspruch nicht, aber er könnte eine Vorlage für ein weiteres Verfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig sein. Im Streit um den Liefervertrag hat der Zulieferer die Preise für Motorblöcke deutlich erhöht. VW sprach von Wucherpreisen und erwirkte beim Verkauf der Gießerei, dass die Kaufsumme von 50 Millionen Euro eingefroren wurde. Das Urteil es OLG Saarbrücken stellt bisher nicht fest, dass das Geld bezahlt werden muss, so ein Sprecher der Prevent-Gruppe. Darüber soll das Oberlandesgericht Braunschweig entscheiden. 

 Der Streit zwischen VW und dem Zulieferer Prevent hat im Jahr 2018 zu einem wochenlangen Streik beim Traditionsunternehmen Neue Halberg Guss geführt. Die Gießerei wurde anschließend verkauft und musste Insolvenz anmelden. 1500 Arbeitsplätze sind dadurch verloren gegangen.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 12.02.2021.

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