Eine Bewohnerin ist mit ihrem Rollator auf einem Flur in einem Alten- und Pflegeheim (Foto: picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Soziale Einrichtungen wegen Preissteigerungen unter Druck

  28.10.2022 | 19:00 Uhr

Die aktuellen Preissteigerungen stellen auch für gemeinnützige soziale Einrichtungen ein existentielles Risiko dar. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Rheinland-Pfalz/Saarland appelliert deshalb an die politisch Verantwortlichen.

Preissteigerungen bei Heizöl, Fernwärme, Gas und Lebensmitteln – Mit 9,1 Prozent hat die Inflationsrate im Saarland einen neuen Rekordwert erreicht. Nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen stehen immer mehr unter Druck.

Nun schlagen auch die gemeinnützigen sozialen Einrichtungen Alarm. Wie aus einer bundesweiten Umfrage des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervorgeht, stellen die aktuellen Preissteigerungen auch für sie ein existentielles Risiko dar.

90 Prozent der Befragten in Rheinland-Pfalz und im Saarland sehen ihre Einrichtung mittel- beziehungsweise langfristig gefährdet. 15 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen im Saarland geben an, dass sie es ohne Hilfe maximal ein Jahr schaffen, ihre Angebote weiterzuführen.

Schutzschirm für soziale Einrichtungen gefordert

Der Paritätische fordert deshalb einen umfassenden Schutzschirm für soziale Einrichtungen und Dienste. Der Verband geht davon aus, dass bundesweit ein zweistelliger Milliardenbetrag notwendig ist und mahnt Eile an. Bund, Länder und Kommunen müssten schnellstmöglich unbürokratisch verlässliche und finanziell auskömmliche Absicherung schaffen.

„Gerade gemeinnützige Träger sind akut gefährdet, da sie Kostensteigerungen nicht einfach an ihre Klientinnen und Klienten weitergeben können“, mahnt Michael Hamm, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Rheinland-Pfalz/Saarland.

Es sei gesetzlich so geregelt, dass Rücklagen nur in begrenztem Umfang gebildet werden dürften. „So entsteht gerade eine reale Bedrohungslage für viele soziale Einrichtungen in unserem Landesverband“, erklärt Hamm.

Über 75 Prozent der befragten Einrichtungen rechnen laut Umfrage neben den drastischen Preissteigerungen für Strom und Heizung zudem mit weiteren Kostensteigerungen. Insbesondere die gestiegenen Lebensmittel- und Spritkosten belasteten die sozialen Einrichtungen schon jetzt.

Diakonisches Werk warnt vor Insolvenzen

Auch das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) sieht in den steigenden Energiepreisen eine Gefahr und warnt vor Insolvenzen in den Einrichtungen der Sozialwirtschaft. Trotz der geplanten Gaspreisbremse würden die Energiekosten auch im Jahr 2023 für die sozialen Dienstleister wie etwa Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder Kitas weiter spürbar über den bislang üblichen Werten liegen, teilte die Diakonie RWL mit.

„Je nach Größe der Träger sprechen wir hier von Kostensteigerungen nur für Energie zwischen 100.000 Euro und einstelligen Millionenbeträgen“, sagte die Geschäftsführerin der Diakonie Saar und Sprecherin der regionalen Diakonischen Werke, Anne Fennel.

Die Diakonie RWL ist nach eigenen Angaben der größte diakonische Landesverband und einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Es erstreckt sich über Nordrhein-Westfalen, Teile von Rheinland-Pfalz, das Saarland und Hessen.

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