Französischer Präsidentschaftswahlwahlkampf 2022: Die beiden Aussichtsreichsten  (Foto: SR / Lisa Huth)

Frankreich wählt Präsidenten wahrscheinlich zweimal

Lisa Huth   09.04.2022 | 08:00 Uhr

Am Sonntag wählt Frankreich seinen Präsidenten. Da voraussichtlich keiner der Kandidatinnen und Kandidaten die absolute Mehrheit gewinnt, wird die Wahlbevölkerung wahrscheinlich ein zweites Mal zu den Wahlurnen schreiten. Wer zur Wahl steht, wer die besten Aussichten hat und wie das Wahlsystem in Frankreich funktioniert.



Die zwölf Kandidatinnen und Kandidaten

Auf den vorderen Plätzen
Dass der amtierende Präsident Emmanuel Macron mit seiner Präsidentenwahlpartei „La République en Marche“, LaREM, die absolute Mehrheit holt, ist so gut wie ausgeschlossen. Macron sieht sich weder rechts noch links, er bezeichnet sich und seine Anhängerschaft als „progressiv“. Von der Wahlbevölkerung wird er aber eher als Mitte-Rechts eingestuft.

Aussichtsreichste Kandidatin auf das Duell am 24. April ist derzeit die rechtspopulistische Politikerin des „Rassemblement National“, Marine Le Pen. Auch sie bezeichnet sich als weder rechts noch links, besetzt aber eher rechte Themen.

Ihr folgt in den Umfragen der Linksaußen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon (LFI, La France Insoumise). Dieser konnte in den vergangenen Jahren an Popularität dazu gewinnen.

Französischer Präsidentschaftswahlwahlkampf 2022: Plakatwände nur an der Mairie (Foto: SR / Lisa Huth)
Insgesamt stehen zwölf Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl

Abgeschlagen
Abgeschlagen dahinter liegen die bürgerlich-konservative Kandidatin Valérie Pécresse (LR, Les Républicains) und der Rechtsaußen-Kandidat Eric Zemmour (Réconquête).

Ohne Chance
Die anderen Kandidaten finden sich laut den Umfragen aussichtslos im Zwei- bis Fünf-Prozent-Bereich:

Im linken Spektrum: der grüne Umweltaktivist und Politiker Yannick Jadot (EELV, Europe Ecologie les Verts), der Generalsekretär der kommunistischen Partei, Fabien Roussel (Parti Communiste français, PCF), die Sozialistin und Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo (Parti Socialiste, PS), Philippe Poutou von der NPA (Nouvel Parti Anticapitaliste) und Nathalie Arthaud von der Lutte Ouvrière, LO.

Ins rechte Spektrum reihen sich Jean Lassalle (Résistons) und Nicolas Dupont-Aignan (Débout la France) ein.

Mehr zu den Kandidatinnen und Kandidaten finden Sie hier.

Wer hat die besten Aussichten?

In den Umfragen liegt Emmanuel Macron von Anfang an vorn. Sein Vorsprung ist aber geschrumpft. Marine Le Pen ist ihm in den vergangenen Wochen bis auf wenige Prozentpunkte nahe gekommen.

Eine Außenseiter-Chance hat Jean-Luc Mélenchon. Er liegt derzeit bei 17 Prozent für den ersten Wahlgang, hat bei den vergangenen Wahlen 2017 sogar 20 Prozent eingefahren. Seine Anhängerschaft konnte er in den vergangenen fünf Jahren erweitern.

Nicht ausgeschlossen ist der so genannte „Jospin-Effekt“: Da die meisten davon ausgehen, Emmanuel Macron habe die Wahlen so gut wie gewonnen, wählen viele im ersten Wahlgang einen der kleineren Kandidaten oder eine Kandidatin. So könnte Mélenchon noch aufschließen und möglicherweise am Ende gegen Marine Le Pen antreten.

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich steht an
Audio [SR 3, Rienäcker, Cai/Hofmann,Frank, 09.04.2022, Länge: 04:20 Min.]
Die Präsidentschaftswahl in Frankreich steht an

Wer darf wählen?

Anders als in Deutschland erhalten die Wählerinnen und Wähler keine Wahlkarte, die ihnen nach Hause geschickt wird. In Frankreich müssen sich Erwachsene ab 18 Jahren in Wahllisten eintragen. Dann erhalten sie ihre „Carte électorale“, die sie im Wahlbüro vorzeigen. Falls die vergessen würde, geht aber auch der Personalausweis.

Briefwahl gibt es nicht. Wer nicht selbst vor Ort sein kann, darf aber eine Person seines Vertrauens beauftragen, für ihn oder sie zu stimmen. Das nennt sich „Vote par procuration“.

Die Briefwahl wurde 1975 zu Gunsten der Wahl "Par procuration" mit der Begründung abgeschafft, es habe zu viel Betrug gegeben.

Wer kann gewählt werden?

Jeder und jede Erwachsene, der oder die das 18. Lebensjahr vollendet hat, nicht verurteilt oder entmündigt und außerdem moralisch würdig ist.

Damit die Kandidatinnen und Kandidaten sich überhaupt zur Wahl stellen dürfen, müssen sie 500 Unterschriften bekommen, die so genannten „Parrainages“. Das können Abgeordnete der Départements, der Regionalräte, des Parlaments oder auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sein.

Der Wahlkampf

Französischer Präsidentschaftswahlwahlkampf 2022: Zettel an den Plakaten mit den Wahlkampfauftritten (Foto: SR / Lisa Huth)
Die Plakatierung ist in Frankreich streng begrenzt

Der Wahlkampf spielt sich zumeist in den Medien und in so genannten „Meetings“ ab. Dort präsentieren die Kandidatinnen und Kandidaten ihr Programm. Wahlkampf auf Plakaten wie in Deutschland gibt es nicht.

Vor jeder Mairie, also jedem Rathaus, steht eine große Plakatwand, auf der alle zwölf Kandidatinnen und Kandidaten abgebildet sind. Wegen der großen Zahl sind es dieses Mal meist zwei Plakatwände. Unter ihre Plakate dürfen die Kandidatinnen und Kandidaten kleine Zettel ihrer Wahlkampfauftritte heften. Daneben dürfen solche Plakatwände nur noch vor den Wahlbüros stehen.

Die Gemeinden bieten generell so genannte „Affichages Libres“ an, wo alle in der Gemeinde ihre Themen ankündigen können. Auch dort hängen Wahlplakate, werden oft aber zügig überklebt. Es gibt auch wilde Plakatierung, die ist aber vergleichsweise gering.

Französischer Präsidentschaftswahlwahlkampf 2022: Freie Plakatierung (Foto: SR / Lisa Huth)
Wilde Plakate gibt es - aber wenige

Die beiden Wahlgänge am 10. und 24. April

Die Wahlbüros sind an beiden Wahltagen von 8.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, in den großen Städten wie Paris, Marseille, Lille oder Lyon bis 20.00 Uhr. Die erste Prognose wird um Punkt 20.00 Uhr veröffentlicht. Zumeist wählen die Französinnen und Franzosen im ersten Wahlgang jemanden, dem oder der sie sich politisch am nächsten fühlen.

Anders als in Deutschland wird die Wahl in Frankreich laut bestätigt. Die Personalien werden laut vorgelesen, und beim Einstecken des Wahlzettels ruft ein Wahlhelfer oder eine Wahlhelferin "a voté!", auf Deutsch: "hat gewählt!".

Beim Einstecken des Wahlzettels bestätigt ein Wahlhelfer: "A voté" (Foto: Screenshot / https://www.lilavie.fr/mentions-legales)
Beim Einstecken des Wahlzettels bestätigt ein Wahlhelfer: "A voté" ("Hat gewählt!")

Erst der 24. April bringt dann die Entscheidung. Gewählt wird zu den gleichen Öffnungszeiten. Im zweiten Wahlgang entschieden sich in der Vergangenheit die meisten Wählerinnen und Wähler für die Person, die ihrer Meinung nach Frankreich repräsentieren soll.

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