Anke Rehlinger (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Anke Rehlinger im Portrait

Florian Mayer   07.12.2019 | 08:53 Uhr

Anke Rehlinger: In ihrer Heimat im Saarland ist die Sozialdemokratin laut Umfragen die beliebteste Landespolitikerin. Sie landet vor CDU-Regierungschef Tobias Hans, dessen Stellvertreterin sie ist. Heimatverbunden, hemdsärmelig, manchmal auch laut aber immer auch mit Selbstironie ausgestattet, tritt die Saarländerin auf Landes- und Bundesebene auf.

Sie ist erst 43, im politischen Geschäft aber schon ein alter Hase. Für die saarländische SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger fing das nämlich bereits in jungen Jahren an. Ihr Vater war aktiver Kommunalpolitiker. Rehlinger hat ihm unter anderem geholfen, Plakate zu kleben. "Wir haben zusammen den Flyer gemacht und ich hab ihm auch geholfen, die legendäre Zeitung am Sonntag, die ZAS, die die SPD immer vor Wahlen nochmal rausgegeben hat, mitauszutragen," erzählt die SPD-Politikerin weiter.

Anke Rehlinger  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Anke Rehlinger bei der Wiedereröffnung der Fechinger Talbrücke

Rehlingers Karriere nahm schnell Fahrt auf. Saarländische Juso-Chefin, dann Ministerin für Justiz, Umwelt, Wirtschaft und SPD-Landeschefin als Nachfolgerin von Heiko Maas. Ihr Motto: "Man muss die Ärmel hochkrempeln".

Hemdsärmlig. Anpackend. Gerne auch mal etwas kerniger:

Ehrlich gesagt, da bekomm ich immer Blutdruck bei dem Thema. Weil das ist ja nicht irgendwo eine politische Erfindung eines politischen Parteitags gewesen: lasst uns doch mal über den schönen Begriff Gleichwertige Lebensverhältnisse reden.

Mit Großen Koalitionen kennt sich Rehlinger aus. War ab 2012 sechs Jahre Ministerin unter der damaligen Ministerpräsidentin und heutigen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie kennt AKK gut. Weiß wie die CDU-Vorsitzende tickt. Und hat Erfahrung darin, diplomatisch zu agieren: "Wir befinden uns im ständigen Austauch, und wir werden vielleicht getrennt marschieren, aber gemeinsam schlagen in Berlin", so Rehlinger.

Die ersten Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD nach der Landtagswahl: Annegret Kramp-Karrenbauer und Anke Rehlinger (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Annegret Kramp-Karrenbauer und Anke Rehlinger

Die Lorbeeren für die gemeinsame politische Arbeit heimste allerdings bei der Landtagswahl 2017 im Saarland AKK ein - mit 40,7 Prozent der Stimmen. Trotz Schulz-Hype kam Rehlinger nur auf 29,6.

Diejenigen, die eigentlich sehr zufrieden sind mit der SPD, haben sich wohl entschieden auf die gute Arbeit der Großen Koalition zu setzen und das aber sicher indem sie die CDU gewählt haben.

Die vor allem von der CDU geschürte Angst vor einer rot-roten Regierung im Saarland gab AKK 2017 Rückenwind. Auch weil Anke Rehlinger sich als SPD-Spitzenkandidatin nie klar in Sachen rot-rote Koalition positionierte. Unkalkulierbar am Ende für die Saarländer.

Anke Rehlinger (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Anke Rehlinger beim SPD-Parteitag 2017

Auch innerhalb der Partei lässt sich Rehlinger nur schwer in einen Flügel einordnen. Ihre Themen sind dagegen klar: klassisch sozialdemokratische Industrie- und Arbeitnehmerpolitik, gleichwertige Lebensverhältnisse für alle in Deutschland und investieren, auch wenn dadurch Schulden entstehen. Dafür GroKo und Koalitionsvertrag komplett infrage stellen, soweit würde Rehlinger aber wohl nicht gehen:

Dass man zur Hälfte einer Legislaturperiode sich nochmal zusammensetzt und kuckt, wo hat sich denn was verändert und was man darauf an neuen Antworten geben, scheint ja keine ganz unübliche Praxis zu sein. Und wenn das vielleicht mit der Gelassenheit und der Sachlichkeit mit der wir das hier getan haben auch in Berlin erfolgt, dann kann das etwas sein, dass dieses Land auch nach vorne bringt. Mehr sollte man aber auch nicht hineininterpretieren.
Anke Rehlinger als Kugelstoßerin (Foto: dpa/Ruppenthal)
Anke Rehlinger als Kugelstoßerin

Auch das ist Anke Rehlinger. Mit Schmackes, wie sie sagen würde, die großen Dinge anpacken, dabei aber nicht die Balance verlieren. Wie das geht, hat die passionierte Leichtathletin über Jahre trainiert - und hält seit 23 Jahren einen saarländischen Rekord: 16,03 Meter im Kugelstoßen.

Dass saarländische Meriten im politischen Berlin und in der Spitze einer Bundespartei alleine aber nicht reichen. Das musste schon Annegret Kramp-Karrenbauer lernen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja