CDU-Generalsekretärin und Kandidatin für den Parteivorsitz, Annegret Kamp-Karrenbauer spricht zu den Delegierten (Foto: picture alliance/Christian Charisius/dpa)

Erfolgreich im Saarland, gestolpert in Berlin

  10.02.2020 | 10:37 Uhr

14 Monate war Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Bundesvorsitzende, am Montag kündigte sie nun an, in absehbarer Zeit von diesem Amt zurückzutreten. Als Landespolitikerin agierte sie viele Jahre erfolgreich, in ihrer Zeit als CDU-Chefin geriet sie allerdings häufig in die Kritik.

Am 7. Dezember 2018 war Annegret Kramp-Karrenbauer vom Bundesparteitag zur neuen Vorsitzenden der CDU Deutschlands gewählt worden. Sie war die Wunschkandidatin Angela Merkels, die nach 18 Jahren ihren Platz an der Parteispitze räumte. In einer Kampfabstimmung setzte sie sich nur knapp mit 52 Prozent der Delegiertenstimmen gegen Friedrich Merz durch.

Video [aktueller bericht, 10.02.2020, Länge: 1:58 Min.]
Rückblick auf Annegret Kramp-Karrenbauer in der Bundespolitik

Gleich mehrfach deutliche Kritik an AKK

Nach Thüringen-Debakel
AKK erklärt Verzicht auf Kanzlerkandidatur
CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer verzichtet auf eine Kanzlerkandidatur und wird auch den Parteivorsitz abgeben. Aus ihrer Sicht hat die ungeklärte Führungsfrage in der Partei die CDU zuletzt geschwächt.

Als Parteichefin war sie in den vergangenen 14 Monaten allerdings mehrfach in Kritik geraten. Für großes Aufsehen sorgte etwa Kramp-Karrenbauers Auftritt im März 2019 beim Stockacher Narrengericht, wo sie Toiletten für das dritte Geschlecht aufs Korn nahm. Als "absolut respektlos" und "Trauerspiel" empfanden viele Kritiker die Aussage AKKs.

Auch in ihrer Reaktion auf ein Video des Youtubers Rezo kurz vor der Europawahl gab Kramp-Karrenbauer kein gutes Bild ab. Viel kritisiert wurde auch Kramp-Karrenbauers Eintritt ins Kabinett als Verteidigungsministerin - nachdem sie zuvor beteuert hatte, kein Ministeramt anzustreben.

"Die Spielfläche Bundespolitik ist eine ganz andere"

Mehrfach war in den vergangenen 14 Monaten zu spüren, dass der Umstieg von der Landespolitik aufs Bundesparkett für Kramp-Karrenbauer unerwartete Fallstricke bereit hielt. "Die Spielfläche Bundespolitik ist eine ganz andere und schneller", gab sie im Interview mit Filmemacher Stephan Lamby zu, "und das bedeutet auch, dass man manches liebgewonnene, was einem in der Landespolitik geholfen hat, ein Stück weit eben auch zur Seite legen muss."

14 Monate CDU-Vorsitz - viel Kritik

Erfolgreiche Landespolitikerin

Und gerade in der Landespolitik agierte Kramp-Karrenbauer zuvor mehrere Jahre sehr erfolgreich. Kramp-Karrenbauer hatte beispielsweise Merkel beeindruckt, als sie vor der Bundestagswahl 2017 aus fast aussichtsloser Position die Landtagswahl an der Saar mit einem deutlichen Plus noch gewann. Knapp ein Jahr später kündigte sie an, ihr Amt als Ministerpräsidentin niederzulegen und als Generalsekretärin ihrer Partei nach Berlin zu wechseln.

Kramp-Karrenbauer strebte schon früh eine politische Laufbahn an. Erst Studium der Politik- und Rechtswissenschaft, danach, im Jahr 1991, der erste Job, direkt bei der CDU als Grundsatz- und Planungsreferentin. Zu diesem Zeitpunkt saß Kramp-Karrenbauer bereits seit mehreren Jahren im Püttlinger Stadtrat. 1998 folgte ein kurzer Ausflug in den Bundestag, bevor sie im September 1999 erstmals ein Landtagsmandat errang und dort zur parlamentarischen Geschäftsführerin der Fraktion wurde. Im Folgejahr holte Peter Müller sie an seinen Kabinettstisch, machte sie zur Innenministerin. Sie war deutschlandweit die erste Frau überhaupt, die ein solches Amt bekleidete. Später wurde Kramp-Karrenbauer Kultusministerin, dann Arbeits- und Sozialministerin.

"Müllers Mädchen" nennt sie heute niemand mehr. Der politische Gegner hatte Annegret Kramp-Karrenbauer einst ebenso gerne wie despektierlich den Beinamen gegeben, als der damalige CDU-Ministerpräsident Müller sie im Jahr 2011 als seine Nachfolgerin auserkor. Als Zögling Müllers sah sich Annegret Kramp-Karrenbauer schon 2011 nicht. Nicht hochziehen lassen, sondern selbst hochgearbeitet hat sich die 57-Jährige zunächst in der Landes- und später auch in der Bundespolitik.

Aufreger Homo-Ehe

Aber auch bereits vor ihrer Zeit in Berlin gab es den ein oder anderen Aufreger in der Politiker-Karriere Annegret Kramp-Karrenbauers. In ihre Zeit als saarländische Kultusministerin fallen die Kostenexplosion und Mauscheleien beim Vierten Museumspavillon in Saarbrücken. Sie bestreitet, von umstrittenen Honorarerhöhungen und fehlenden Ausschreibungen gewusst zu haben. Ein Untersuchungsausschuss brachte kein rechtes Licht ins Dunkel.

Und ein Sturm der Entrüstung brach bereits 2015 deutschlandweit über sie herein, als sie sich gegen die Homo-Ehe aussprach und meinte, dann könnten auch Forderungen wie "etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen" folgen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja