Annegret Kramp-Karrenbauer (Foto: picture alliance/Carsten Rehder/dpa)

Annegret Kramp-Karrenbauer im Porträt

  29.10.2018 | 18:21 Uhr

Beim Parteitag im Dezember will Angela Merkel nach 18 Jahren an der CDU-Spitze nicht mehr als Parteichefin antreten. Als mögliche Nachfolgerin steht die CDU-Generalsekretärin und frühere saarländische Ministerpräsidentin parat. Der 56-Jährigen geben viele in der Partei die besten Chancen, Merkel zumindest als Parteichefin zu beerben.

Die frühere saarländische Ministerpräsidentin gilt als Favoritin der Kanzlerin. Kramp-Karrenbauer hatte Merkel beeindruckt, als sie vor der Bundestagswahl 2017 aus fast aussichtsloser Position die Landtagswahl an der Saar mit einem deutlichen Plus noch gewann. Knapp ein Jahr später kündigte sie an, ihr Amt als Ministerpräsidentin niederzulegen und als Generalsekretärin ihrer Partei nach Berlin zu wechseln. Mit knapp 99 Prozent der Stimmen wurde sie von ihrer Partei in dieses Amt gewählt. Bereut habe sie diesen Schritt nicht, sagt sie einige Monate später.

Die verheiratete Mutter von drei erwachsenen Kindern hat sich in den vergangenen Monaten bei einer sogenannten Zuhör-Tour viel Sympathie an der Parteibasis erworben und etwa mit der Forderung nach einer allgemeinen Dienstpflicht Akzente gesetzt. Zugleich grenzte sie sich mit mehreren Äußerungen auch von Merkel ab - beispielsweise als sie davon sprach, dass die Partei wieder mehr Feuer brauche, wenn sie auch jüngere Menschen ansprechen wolle.

In der saarländischen Landespolitik blickt Kramp-Karrenbauer bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurück.

Erste Innenministerin Deutschlands

Studium der Politik- und Rechtswissenschaft, danach, im Jahr 1991, der erste Job, direkt bei der CDU als Grundsatz- und Planungsreferentin. Zu diesem Zeitpunkt saß Kramp-Karrenbauer schon seit mehreren Jahren im Püttlinger Stadtrat. 1998 folgte ein kurzer Ausflug in den Bundestag, bevor sie im September 1999 erstmals ein Landtagsmandat errang. Im Folgejahr holte Peter Müller sie an seinen Kabinettstisch, machte sie zur Innenministerin. Sie war deutschlandweit die erste Frau überhaupt, die ein solches Amt bekleidete. Später wurde Kramp-Karrenbauer Kultusministerin, dann Arbeits- und Sozialministerin.

"Müllers Mädchen" nennt sie heute niemand mehr. Der politische Gegner hatte Annegret Kramp-Karrenbauer einst ebenso gerne wie despektierlich den Beinamen gegeben, als der damalige CDU-Ministerpräsident Müller sie im Jahr 2011 als seine Nachfolgerin auserkor. Als Zögling Müllers sah sich Annegret Kramp-Karrenbauer schon 2011 nicht. Nicht hochziehen lassen, sondern selbst hochgearbeitet hat sich die 55-Jährige in der saarländischen Landespolitik.

Erfolgreiche Finanzverhandlungen

Freundlich, ruhig, aber durchaus bestimmt, so zeigt sich die Püttlingerin in der Öffentlichkeit. Inhaltlich agiert sie eher pragmatisch, weniger ideologisch.

Ihren größten Erfolg in der vergangenen Legislaturperiode erringt sie im Oktober 2016: Bund und Länder einigen sich auf eine Neuordnung ihrer Finanzbeziehungen, für das Saarland stehen am Ende 500 Millionen Euro zusätzlich ab 2020.

Aufreger Homo-Ehe

Auch Aufreger gibt es in der Politiker-Karriere Annegret Kramp-Karrenbauers. In ihre Zeit als Kultusministerin fallen die Kostenexplosion und Mauscheleien beim Vierten Museumspavillon in Saarbrücken. Sie bestreitet, von umstrittenen Honorarerhöhungen und fehlenden Ausschreibungen gewusst zu haben. Ein Untersuchungsausschuss brachte kein rechtes Licht ins Dunkel. Ein Sturm der Entrüstung bricht deutschlandweit über sie herein, als sie sich im Juni 2015 gegen die Homo-Ehe ausspricht und meint, dann könnten auch Forderungen wie "etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen" folgen.


weitere Informationen
Kramp-Karrenbauer kandidiert für CDU-Vorsitz
Nun ist es bestätigt: Die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer will für den CDU-Vorsitz kandidieren. Zuvor hatte Kanzlerin Merkel angekündigt, sich im Dezember nicht erneut um den Parteivorsitz zu bewerben.


weitere Informationen
Viel Rückhalt für Kramp-Karrenbauers Kandidatur
Die Ära Merkel geht zu Ende - und das ist richtig so, finden alle Fraktionen im saarländischen Landtag. CDU-Landeschef Hans spricht von einer Zäsur für die CDU. Er unterstützt wie die CDU- und SPD-Fraktion die Kandidatur Kramp-Karrenbauers auf den Parteivorsitz. Aus dem Saarland gibt es aus der Opposition aber auch kritische Stimmen.

Artikel mit anderen teilen