Saarländische Polizeiuniformen (Foto: Oliver Dietze/dpa)

Hälfte der Saar-Polizisten ist unzufrieden

Mit Informationen von Thomas Gerber   16.06.2020 | 16:01 Uhr

Nur noch die Hälfte der Polizeibeamten im Saarland ist mit ihrem Job einverstanden. Das geht aus einer Mitgliederbefragung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hervor, die am Montag vorgestellt wurde. Hintergrund ist die 2010 begonnene Polizeireform.

Rund 300 Stellen wurden seit 2010 abgebaut. Mit einer neuen Organisationsstruktur sollte zumindest ein Teil des Abbaus abgefedert werden. Die GdP wollte die Stimmung unter den noch rund 2500 Polizeibeamten im Saarland erneut wissenschaftlich untersuchen lassen, nachdem bereits zur Halbzeit der Polizeireform vor fünf Jahren eine solche Studie in Auftrag gegeben worden war. Gut 1000 Gewerkschaftsmitglieder haben sich beteiligt.

Höhere Arbeitsbelastung

Polizei 2020: Tief- oder Wendepunkt?
Audio [SR 3, Renate Wanninger, 16.06.2020, Länge: 03:52 Min.]
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Vor dem Hintergrund der Polizeireform hat die Gewerkschaft der Polizei ihre Mitglieder befragt. Rund die Hälfte ist mit ihrem jetzigen Job nicht mehr zufrieden. Der GdP-Landeschef David Maaß erläutert die Gründe.

Die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich: Bei der Zahl der Zufriedenen verzeichnet die Studie einen „hochsignifikanten Rückgang“, nur noch die Hälfte der Beamten ist demnach mit ihrem Job einverstanden. Während das Arbeitsklima und der Kontakt mit den Kollegen mehrheitlich als gut bewertet werden, ist die Arbeitsbelastung weiter gestiegen. Fast drei Viertel der Befragten seien überlastet, zugleich fühlten sich mehr Beamte unterfordert – möglicherweise ein Indiz dafür, dass die neue Arbeitsaufteilung bei knapper Personaldecke nicht funktioniert.

Saar-Polizei droht Personalverlust

Bei dem, was die Studienmacher „innere Kündigung“ nennen, sprechen sie von einem erschreckenden Trend: 38 Prozent der Befragten gaben an, den Polizeijob nicht erneut zu wählen, fast die Hälfte liebäugelt mit einem Wechsel – in ein anderes Bundesland, zur Bundespolizei oder in die Privatwirtschaft. Man sei dabei, so die Studie, einen Großteil der Beschäftigten bei der saarländischen Polizei zu verlieren.

Die GdP kündigte an, die Ergebnisse der Studie im Laufe des Montags mit der Politik und der Polizeispitze zu diskutieren. Mehr Personal und bessere Beförderungsmöglichkeiten dürften die Forderungen sein.

FDP und Grüne fordern Landesregierung zum Handeln auf

Die FDP Saar bezeichnete das Ergebnis der GdP-Umfrage als alarmierend. "Es muss die  Landesregierung aufschrecken, wenn nur noch knapp die Hälfte der Beamten mit ihrer Tätigkeit zufrieden ist", sagte der FDP-Vorsitzende Oliver Luksic. Er forderte die Landesregierung zum Handeln auf. Der Polizeiberuf müsse attraktiver werden.

Auch die Grünen fordern eine neue Personalkultur bei der Polizei. "Statt die Polizei nur noch als Kostenstelle im Haushalt zu begreifen, hätte Innenminister Bouillon die Beschäftigten viel früher mitnehmen und ihre Anliegen hören müssen. Das muss sich jetzt dringend ändern", so der Grünen-Landesvorsitzende Markus Tressel.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 16.06.2020 berichtet.

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