Janek Böffel (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

Politischer Aschermittwoch: "Alles anders, alles neu"

  17.02.2021 | 21:53 Uhr

Corona macht alles anders, selbst alte politische Traditionen. Und so war dann der politische Aschermittwoch in diesem Jahr etwas anders als sonst. CDU, SPD, Linke, Grüne und FDP: Sie alle haben sich ins Internet getraut und dort ihre Aschermittwoche abgehalten. Und das könnte ein Vorgeschmack auf das kommende Wahljahr gewesen sein, kommentiert Janek Böffel.

Hochglanz statt Volkstum, Internet statt Multifunktionshalle und Musik vom Band statt Musikverein. Alles anders, alles neu sollte es werden - gezwungenermaßen wegen Corona. Doch so viel vielleicht vorab: Nein, es war bei weitem nicht alles Hochglanz, was da die saarländischen Parteien übertragen haben, ein bisschen Neuland ist das alles dann immer noch. 

Politischer Aschermittwoch im Saarland
Saar-Opposition prangert Corona-Politik der Regierung an
Am Politischen Aschermittwoch hat die Opposition im Saarland die Corona-Politik der Landesregierung kritisiert. Wegen der Pandemie fand die traditionelle Veranstaltung der Parteien in diesem Jahr ausschließlich digital statt.

Dieser Aschermittwoch war in seinem Kern ganz einfach etwas anderes als in den vergangenen Jahren, als beim klassischen Aschermittwoch. Nun sollte man den beileibe nicht verklären. Die Zeiten des scharfzüngigen, hintersinnigen und gerne auch mal selbstironischen Fernduells mit Reden über das politische Alltagsgeschäft hinaus, sind lange vorbei - so es sie denn überhaupt mal gab.

Aber dennoch fehlte etwas. Natürlich, da war mehr nabelschauende Talkshow als flammende Rede. In eine Kamera zu sprechen: Da kommt nur wenig Emotion rüber. Aber vor allem, es fehlte schlicht das Publikum. Nicht weil da Widerworte zu erwarten gewesen wären. Nein, das sicher nicht, schließlich sind Aschermittwoche Parteiveranstaltungen.

Der Wahlkampf wird sich verändern

Und doch fehlte es. Die zarten Nuancen, wie das Publikum auf die Reden reagiert, wo der Applaus dann doch ein bisschen andauernder ist, wo zögerlicher und wo der Blick ganz abschweift Richtung Küche, wo denn endlich die versprochenen Heringe bleiben.  Da ließ sich für den politischen Beobachter manche Schlussfolgerung ziehen und selbst an der Parteiführung schaute man genauer hin. All das fehlt dieses Jahr.

Und dieser digitale Aschermittwoch, er ist nichts weniger als ein Vorgeschmack darauf, was uns in diesem Superwahljahr - und dazu darf man gerne auch die saarländische Landtagswahl kommendes Frühjahr hinzurechnen - blüht. Es wird alles sehr wahrscheinlich medialer werden. Und vor allem digitaler.  Nicht als positiv besetztes Wahlkampf-Schlagwort sondern als Notlösung, als schlichte Notwendigkeit. Doch das wird den Wahlkampf ganz grundlegend verändern.

Denn mag man im Jahr 2021 auch ein wenig herabschauen auf die Bierseligkeit von Festzeltreden oder den schnöden Straßenwahlkampf von Parteien, deren Namen man nur alle fünf Jahre auf den Wahlzetteln liest, man sollte beides nicht unterschätzen. Auch das ist Demokratie und Ausdruck von Demokratie. Wir mögen noch so sehr eine Mediendemokratie geworden sein, noch so viel die Talkshows als politische Bühne wahrnehmen, noch so viel Gelungenes und nicht Gelungenes in den Sozialen Medien erleben.

Corona wird Spuren hinterlassen

Heiko Maas ist hierzulande einst nicht an Fernsehinterviews gescheitert, sondern auch und vor allem, weil er mit dem Bierzelt fremdelte. Nicht umsonst senden die Parteien ihr Fußvolk aus von Haustür zu Haustür. Wahlen und vor allem die auf all diesen neuen, digital-medialen Wegen nicht zu Erreichenden, werden auch noch immer auch auf den Straßen, den Marktplätzen den Festhallen und bei Kaffee und Kuchen gewonnen. Wie sehr auch da Corona Spuren hinterlassen wird, lässt sich nur erahnen. Die aktuell laufenden zähen Wahlkämpfe in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zeigen, wie wenig Wahlkampfstimmung und damit möglicherweise auch Wechselstimmung da überhaupt aufkommen kann. Bei den Parteien aber auch beim Wahlvolk.

Was das für die bevorstehenden Wahlen im Bund und im Saarland bedeutet, es wird eine der spannendsten Fragen der kommenden Monate sein. Spätestens dann, wenn es in den Landtagswahlkampf geht, wenn die ganz große Bühne der Anne Wills und Maischbergers kaum eine Rolle spielt. Der Aschermittwoch hat gezeigt, die Parteien müssen noch einiges lernen, wie Wahlkampf digital geht. Manche mehr oder weniger. Und noch schwieriger: sie werden lernen müssen wie Wahlkampf geht, wenn er nur digital geht.

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