Bei einem Patienten wird ein Corona-Abstrich durchgeführt (Foto: Sebastian Knöbber)

Politik streitet um Corona-Tests

mit Informationen von Nelly Theobald und Lena Schmidtke   29.06.2020 | 18:00 Uhr

In Deutschland sind inzwischen Corona-Tests in vielen Fällen auch ohne akute Krankheitsanzeichen möglich, zum Beispiel in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas. Im Saarland werden aber mittlerweile weniger Tests durchgeführt. Das kritisieren SPD und Linke im Landtag und fordern ein umfassendes Testkonzept.

Die SPD-Fraktion hat am Montag eine Reihe von Vorschlägen für ein mögliches Testkonzept vorgestellt. Die Nachverfolgung von Infektionen müsse ausgeweitet werden, außerdem müsse es ein besseres Datenmanagement zwischen Gesundheitsämtern und dem Land geben.

Politik diskutiert über umfassendes Corona-Testkonzept im Saarland
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 29.06.2020, Länge: 02:32 Min.]
Politik diskutiert über umfassendes Corona-Testkonzept im Saarland

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon fordert insgesamt mehr Tests, vor allem für bestimmte Berufsgruppen wie Erzieher, Altenpfleger oder Beschäftigte der Fleischindustrie. Das sei wichtig, um Infektionsherde schnell einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Dass das Gesundheitsministerium bisher kein Testkonzept vorgelegt habe, kann Commerçon nicht verstehen. "Es gibt doch freie Testkapazitäten. Ich glaube nicht, dass es die Strategie sein kann, dass man weniger Fälle hat, weil man weniger testet", sagte Commerçon.

Linke fordert repräsentative Tests

Die Linke fordert ebenfalls mehr Tests, allerdings sollten sie repräsentativ sein. Möglich wäre laut des parlamentarischen Geschäftsführers Jochen Flackus eine regelmäßige Testung von 2000 Probanden, um dadurch Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung zu ziehen und besser politische Entscheidungen treffen zu können. Auch müsse die Landesregierung dringend flächendeckende Tests für die Fleischindustrie auf den Weg bringen.

Die AfD-Fraktion hingegen sieht die Corona-Tests generell kritisch. Laut Fraktionsvorsitzendem Josef Dörr sei unklar, inwiefern die Tests tatsächlich funktionieren und vertrauenswürdig seien. Solange kein Anlass besteht, müsse deshalb nicht getestet werden.

CDU will keine Tests ins Blaue

Die CDU hält nichts von Tests zur Prophylaxe. Das sei problematisch wegen der Kosten und der Kapazitäten. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hermann-Josef Scharf sagte, man solle die Tests „nicht ins Blaue laufen“ lassen. Nur wenn es Verdachtsfälle und Probleme gäbe, solle gezielt getestet werden. Es gehe auch darum, eine länderübergreifende Strategie für das Testen zu finden.

Bayern will Corona-Tests für alle Bürger

Als erstes Bundesland hatte Bayern am Wochenende angekündigt, Corona-Tests für alle Bürger einführen zu wollen. Diese sollten unabhängig davon sein, ob jemand Symptome habe oder zu einer Risikogruppe gehöre.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "aktuell" am 29.06.2020 berichtet.

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