Viertklässler einer Grundschule melden sich während des Unterrichts. (Foto: picture alliance/dpa | Frank Molter)

Mehr Zeit, mehr Lehrer – mehr Qualität?

Carolin Dylla   18.01.2022 | 18:59 Uhr

Nachdem Ministerpräsident Hans vergangene Woche mit der Ankündigung, zu G9 zurückzukehren, mehr oder weniger den Wahlkampf eröffnet hat, legt die Fraktion nun mit weiteren Details nach. Am Dienstag haben die bildungspolitischen Sprecher Jutta Schmitt-Lang und Frank Wagner die Pläne der CDU für die Grund- und Förderschulen vorgestellt.

Die Bildungsexperten der Fraktion betonen die Rolle der Grundschulen als „Stabilitätsanker“ des Schulsystems. Ziel sei deshalb vor allem eine Entlastung – damit Lehrerinnen und Lehrer sich stärker auf den Unterricht konzentrieren können.

Kleinere Klassen und Entlastung für Schulleitungen

Aus Sicht der CDU sind diese beiden Punkte wichtig, um gerade in den Grundschulen mehr Zeit für den eigentlichen Unterricht zu schaffen. Dafür soll vor allem die aktuelle Klassengröße von maximal 25 Kindern im Grundschulbereich – eine Größe, die Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) im Zuge der Pandemie angesetzt hatte – zumindest Richtwert bleiben, langfristig sogar wenn möglich verkleinert werden.

Schulleitungen sollen entlastet werden, indem die Zahl der sogenannten Deputatsstunden erhöht wird. Das soll dazu führen, dass die Schulleitungen mehr Zeit haben, in der sie sich um Verwaltungsabläufe kümmern können – ohne gleichzeitig noch unterrichten zu müssen.

Mehr Studienplätze und Ausbau der Lehrerreserve

Diese Pläne – vor allem die kleineren Klassen – bedeuten aber einen höheren Bedarf an Lehrkräften. Dem will die CDU Rechnung tragen, indem das Angebot an Studienplätzen für das Grundschullehramt ausgebaut – und entsprechende Angebote für das Förderschullehramt im Saarland überhaupt erst geschaffen werden.

Auch die Lehrerreserve soll aufgestockt werden. Gerade die Pandemie habe gezeigt, wie schnell gerade Grundschulen an ihre personellen Grenzen stoßen, heißt es. Klar ist aber, dass ein Ausbau der Reserve nicht „mehr Lehrkräfte“ bedeutet – sondern höchstens Engpässe besser abfedern kann.

Bessere Nachmittagsbetreuung an den Förderschulen

Dass die CDU am Konzept der Förderschulen festhält und diese stärken will, ist an sich nicht neu. Für Jutta Schmitt-Lang und Frank Wagner zählt hierzu perspektivisch auch, dass an den Förderschulen das Betreuungsangebot am Nachmittag ausgeweitet wird – und vor allem die Betreuungszeiten verlängert.

Personalbedarf und Kosten bisher offen

All das sind laut Schmitt-Lang und Wagner Vorschläge, die im Austausch mit Lehrkräften und der Schulgemeinschaft entstanden sind. Allerdings ist bisher völlig unklar, wie viele zusätzliche Lehrkräfte nötig sind, um die Pläne umzusetzen – und wie viel Geld das Land dafür in die Hand nehmen müsste. All das könne sich letztlich erst während der Beratungen zum nächsten Haushalt zeigen.

SPD kritisiert jahrelange Blockadehaltung der CDU

Das SPD-geführte Bildungsministerium nennt die Kursänderung der CDU in Sachen Lehrerstellen „erfreulich, aber auch erstaunlich“. Schließlich habe die CDU zehn Jahre lang zusätzliche Stellen verhindert.

Gehe es nach der SPD, würden die während der Pandemie geschaffenen befristeten Stellen direkt in Planstellen umgewandelt, sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot in einer schriftlichen Stellungnahme. Das würde 200 befristete Stellen in der Lehrerreserve und 100 zusätzliche befristete Lehrerstellen betreffen, auf die sich Finanz- und Bildungsministerium im vergangenen Sommer geeinigt hatten.

SLLV sieht langjährige Forderungen aufgegriffen

Aus Sicht des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes wurden in den von der CDU vorgestellten Plänen einige längjährige Forderungen des Verbandes aufgegriffen. So betonte der SLLV etwa, dass die Schulleitungen dringend eine Entlastung benötigten.

Auch die Klassengröße zu reduzieren, sei ein richtiger Schritt, sagte die stellvertretende SLLV-Vorsitzende Michaela Günther. Mit Blick auf einen möglichen Ausbau der Studienplätze für das Grundschullehramt müsse aber dafür gesorgt worden, dass die frisch ausgebildeten Lehrkräfte auch im Land blieben - beispielsweise durch finanzielle Anreize oder eine sofortige Verbeamtung.

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