Ein Mitarbeiter in einem Pfandleihhaus überprüft mit einer Lupe eine Uhr der Marke „Rolex“. (Foto: picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Pfandleihhäuser verzeichnen Zulauf aus dem Mittelstand

  04.06.2022 | 20:17 Uhr

Hohe Materialkosten, nicht pünktlich bezahlte Kundenrechnungen: Derzeit sehen sich offenbar mehr mittelständische Unternehmer an den Monatsenden mit finanziellen Engpässen konfrontiert. Um an schnelles Geld zu kommen, suchen viele den Weg ins Pfandleihaus.

Explodierende Energiepreise, stetig steigende Materialkosten, hohe Inflation: Die Ukraine-Krise belastet auch immer mehr mittelständische Betriebe. Das ist zumindest der Eindruck von Frank Funke, der in Saarbrücken und Trier je ein Pfandleihhaus betreibt. Seit März stellt er eine deutliche Zunahme neuer Kunden vor allem aus dem Mittelstand fest – etwa Handwerker aber auch zum Beispiel Freelancer.

"Bringt die Betriebe in die Bredouille"

„Viele Handwerker haben derzeit zum Beispiel große Probleme mit den immer weiter steigenden Materialkosten. Und auch die Zahlungsmoral von den Kunden der Handwerker hat nachgelassen und Rechnungen werden nicht mehr pünktlich bezahlt. Das bringt die Betriebe in die Bredouille, wenn beispielsweise Löhne nicht gezahlt werden können“, so Funke.

Teure Uhren oder Schmuck

Dann kommt das Pfandleihaus ins Spiel. Denn hier können die Betriebsinhaber schnell und einfach zu Geld kommen, indem sie etwas verpfänden. „Derzeit werden häufig teure Uhren wie eine Rolex oder Schmuck zu uns gebracht. Normalerweise haben die Kunden dann in wenigen Minuten das Geld, mit dem sie ihre kurzfristigen Probleme lösen können“, erklärt Funke.

Wenn die Handwerker-Rechnungen dann bezahlt werden, kann das Pfand wieder ausgelöst werden. Ohnehin holten laut Funke die Kunden in 95 Prozent der Fälle ihre verpfändeten Wertgegenstände nach der vereinbarten Zeit – mehrere Tage bis mehrere Monate - wieder ab.

Pfandleihhaus muss öffentlich versteigern

In den wenigen Fällen, in denen die Gegenstände nicht wieder ausgelöst werden, muss das Pfandleihhaus sie öffentlich versteigern. Das ist laut dem Zentralverband des Deutschen Pfandkreditkewerbes in der sogenannten Pfandleihverordnung geregelt.

Die Waren müssen demnach von einem öffentlich bestellten und vereidigten Versteigerer oder einem Gerichtsvollzieher angeboten werden. „Es ist also nicht so, dass der Pfandleiher mit nicht ausgelösten Gegenständen machen kann, was er will“, sagte Susanne Rothfuss-Wamsler, erste Vorsitzende des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes.

Überschüsse nicht behalten

Auch die Verwendung aus dem Versteigerungserlös ist in der Verordnung eindeutig definiert. „Zwar darf der Pfandleiher die Einnahmen aus der Versteigerung nehmen, um sein Darlehen, die dafür fälligen Zinszahlungen sowie seine Kosten zu begleichen, eventuelle Überschüsse darf er aber nicht behalten“, erläutert die Expertin.

Diese können vom Kunden binnen einer in der Pfandleiherverordnung festgelegten Frist beim Pfandleiher abgeholt werden, stehen also zunächst diesem zu. Unterlässt der Kunde dies, müssen die Überschüsse an die zuständige Behörde abgeführt werden. 

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja