Hyperfund-Logo auf einem Blatt Papier, auf dem Geldscheine und Münzen liegen (Foto: SR)

Pfälzer Bürgermeister wirbt für dubioses Anlagemodell

Linda Grotholt, Caroline Uhl, Niklas Resch, Volker Roth   23.11.2021 | 06:00 Uhr

Ein Pfälzer Ortsbürgermeister ist in ein dubioses Anlagesystem verwickelt. Er wirbt verdeckten SR-Recherchen zufolge für Geschäfte mit Kryptowährungen und stellt bis zu 200 Prozent Rendite in Aussicht. Verbraucherschützer halten das für unseriös.

Geld einzahlen, zurücklehnen, und in nicht einmal zwei Jahren bis zu 200 Prozent Rendite erzielen. Das verspricht das Anlagesystem „Hyperfund“. In einem Werbevideo heißt es: „Damit ist es möglich, vielleicht doch das etwas teurere Auto zu finanzieren“, eine größere Reise oder „sogar das eigene Traumhaus.“

Funktionieren soll das so: Geld in Kryptowährung umtauschen und bei Hyperfund einzahlen. Und jeden Tag einen Teil zurückbekommen, bis das Dreifache der Einzahlung erreicht ist.

Zustande kommt die Rendite den Angaben zufolge durch ein hinter Hyperfund stehendes Unternehmen aus Australien. Es soll das Geld der Anleger in zahlreiche weitere Firmen aus der Krypto-Branche stecken. Das ist schon alles, was die Anleger, die „HyperCommunity“, über den Verbleib ihres Geldes erfahren.

Hyperfund und der Traum vom großen Geld
Video [SR.de, (c) SR, 23.11.2021, Länge: 22:21 Min.]
Hyperfund und der Traum vom großen Geld

Bekanntenkreis zum Investieren bringen

Wer Familie und Freunde dazu bringt, Geld in Hyperfund zu stecken, der bekommt seine Rendite noch schneller - so das Versprechen. SR-Recherchen ergeben jedoch: es bestehen große Zweifel an der Seriosität von Hyperfund.

Unter anderem ist unklar, woher genau das Geld für die hohen Renditen kommt. Es steht sogar der Verdacht im Raum, dass es sich um ein illegales Schneeballsystem handeln könnte. In diesem Fall käme die Rendite nur aus den Einzahlungen der neuen Mitglieder.

Und wenn mehr Leute ihr Geld raushaben wollten, als neues eingezahlt wird, würde das System zusammenbrechen und die Investoren all ihr Geld verlieren.

Verdeckt in System „eingeschleust“

Für die Recherche haben wir uns daher unter falschem Namen angemeldet, um nicht aufzufallen. Wir erfahren in Webinaren, dass es weltweit bis zu eine Million Hyperfund-Mitglieder geben soll. Und dass Menschen aus ganz Deutschland investieren, auch aus dem Saarland.

Wir chatten und telefonieren mit Investoren, die Hyperfund als klassisches Risikoinvestment sehen. Aber auch mit solchen, die das Geld schon fest verplant haben, wie etwa Heike* (Name geändert), die nach eigener Aussage kein Krypto-Profi ist. „Dank Hyperfund können wir nächstes Jahr endlich unseren großen Traum einer Weltreise als fünfköpfige Familie starten“, schreibt sie.

Testweise habe sie sich am Anfang ein paar Mal 50 Dollar in echtem Geld auszahlen lassen. Weil das klappte, habe sie seit Juni rund 12.000 Euro bei Hyperfund eingezahlt.

Pfälzer Ortsbürgermeister spielt bedeutende Rolle

Bei unseren Recherchen stoßen wir auch darauf, dass einer der deutschen Top-Anwerber und Webinar-Dozenten für Hyperfund ganz aus der Nähe kommt. Er lebt nur knapp 20 Kilometer von der saarländischen Grenze entfernt, im pfälzischen Niedermohr im Kreis Kaiserslautern, und heißt Uli Zimmer.

Der CDU-Politiker ist seit 2019 ehrenamtlicher Ortsbürgermeister in der 1500-Einwohner-Gemeinde. Es stellt sich die Frage: Vermischt er sein Amt mit den Werbetätigkeiten für ein undurchsichtiges Anlagemodell?

Hyperfund-Werbung in Facebook-Video

Wir finden ein Video auf der Facebook-Seite „Finanzielle Intelligenz für Ladies“, in dem Zimmer für seine Webinare wirbt. Er spricht sein Amt zwar nicht an. Darunter steht jedoch der Titel „Uli Zimmer - Bürgermeister der Ortsgemeinde Niedermohr über HyperFund“ und im Text heißt es: „Vertraust du einem Bürgermeister?“.

Zimmers Anwältin teilt auf SR-Anfrage mit, Zimmer werbe nicht als Bürgermeister für Hyperfund. Die Seite werde nicht von ihm selbst betrieben, er habe das Video nur bekannten Partnern zur Verfügung gestellt und angeblich auch nichts von der Beschriftung gewusst.

Das Video war so schon fast ein halbes Jahr online und einer der ersten Suchmaschinen-Treffer, wenn man „Uli Zimmer Hyperfund“ eingab. Im Zuge der Berichterstattung wurde es nun gelöscht.

„Du warst eine Vertrauensperson, bist der Bürgermeister“

In den Webinaren, die wir uns ansehen, erzählt eine Frau, dass sie zunächst nicht in Hyperfund investiert habe. Nach einem Telefonat mit Zimmer sei ihr das System dann aber logisch und plausibel erschienen.

Münzen auf einem Tisch (Foto: SR)
Münzen auf einem Tisch

Wörtlich sagt sie: „Du warst eine Vertrauensperson, bist der Bürgermeister. Ja, und dann habe ich gesagt, okay, alles, was ich habe: rein!“
Man kann also schon den Eindruck gewinnen, dass sein Amt bei Hyperfund eine Rolle spielt.

Wie Zimmer zu Hyperfund gekommen ist, woher er seine Informationen bezieht und ob er für die Webinare bezahlt wird - auf diese und weitere Fragen per Mail hat er uns keine Antwort gegeben.

Verbraucherschützer rät von Investition ab

Finanzexperte Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland hat sich einige Webinare angeschaut. Aus seiner Sicht bleibt vieles unklar, etwa, wie das eingezahlte Kapital verdoppelt bis verdreifacht werden soll. Schon allein der Vertrag, den Investoren mit Hyperfund abschließen, sei höchstproblematisch.

Denn da steht drin, dass es keine Rückzahlungsverpflichtung gibt. Die Frage ist, so Beutler: „Würde ich jemandem Geld geben, der zu mir sagt: Ich gebe es dir vielleicht zurück? Würde ich ja normalerweise nicht tun“.

Außerdem schließe man den Vertrag mit einer australischen Firma, die keine Vertretung in Deutschland habe. Das allein sei „schon problematisch für mich als deutscher Anleger“, betont Beutler.

Anwälte halten Hyperfund für unseriös

Das sieht auch der Saarbrücker Fachanwalt für Kapitalmarktrecht Michael Strauß so. Der weitgehende Haftungsausschluss bei Hyperfund entspreche „so nicht dem deutschen Recht“. Außerdem ist aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar, wie Hyperfund die Erträge erwirtschaftet, aus denen die Rendite gezahlt wird.

Hyperfund-Logo auf einem Blatt Papier, auf dem Geldscheine und Münzen liegen (Foto: SR)
Das Anlagesystem "Hyperfund" steht in der Kritik

In die gleiche Kerbe schlägt der Münchner Anwalt Patrick Wilson. Hyperfund liste zwar verschiedene Geschäftsmodelle auf, aber: „Zu keinem findet man wirklich belastbare Informationen, was dort wirklich geschieht. Teilweise gibt es nicht mal eine Website.“

Wer schon investiert hat, sollte möglichst viel Geld aus der Anlage herauszuziehen, so Wilsons Einschätzung. Laut Vertragsunterlagen stehe das den Investoren zu. Denn für Wilson ist klar, „dass dieses System irgendwann zusammenbrechen muss.“

Verdacht auf Schneeballsystem

Auch die Behörden sind mittlerweile auf Hyperfund aufmerksam geworden. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin ermittelt jetzt. Auch in Ländern wie Großbritannien oder Neuseeland gibt es entsprechende Warnungen der Aufsichtsbehörden. Hyperfund und das dahinterstehende australische Unternehmen haben sich auf SR-Anfrage nicht geäußert.

Verbraucherschützer Beutler hat nun Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Wegen des Verdachts: illegales Schneeballsystem. Aus seiner Sicht besteht eben die Gefahr, dass Investoren ihr ganzes Geld verlieren könnten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 23.11.2021 berichtet.

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