Menschen warten an einem Flughafen beim Check-In auf ihre Anmeldung. (Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Massiver Personalmangel führt zu Chaos an den Flughäfen

  24.06.2022 | 11:25 Uhr

Verspätete oder abgesagte Flüge von und nach Saarbrücken haben bei vielen saarländischen Urlaubern jüngst für Frust gesorgt. Doch überall in Deutschland und Europa ist die Lage an den Flughäfen derzeit angespannt. Grund ist ein akuter Personalmangel in der Branche. Die Pilotenvereinigung Cockpit hält diesen für selbstverschuldet.

An den Flughäfen in Deutschland und Europa kommt es dieser Tage vermehrt zu Chaos: Flüge verspäten sich massiv oder werden ganz annuliert, gestrandete Urlauber warten mitunter tagelang auf ihren Rückflug.

Das betrifft auch den Flughafen Saarbrücken-Ensheim. So häuften sich in jüngster Vergangenheit Berichte von verzweifelten Reisenden, die entweder verspätetet in ihren Urlaub starteten oder am Flughafen im Ausland feststeckten.

Mitte Juni etwa hob eine Maschine nach Gran Canaria mit rund 13 Stunden Verzögerung vom Flughafen Saarbrücken ab, ein für Mittwoch geplanter Rückflug von Teneriffa landete erst am Donnerstag in der saarländischen Landeshauptstadt.

Fachkräftemangel im Flugverkehr

Grund für die chaotischen Zustände ist der massive Personalmangel im Luftverkehr infolge der Corona-Pandemie, der sich nach Einschätzung der Pilotenvereinigung Cockpit in der Ferienzeit noch verschärfen könnte.

"Der akute Personalmangel ist selbstverschuldet", erklärt der Chef der Vereinigung, Stefan Herth. Die Unternehmen hätten die Pandemie als Vorwand genutzt, Stellen abzubauen und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Nun habe die Branche insgesamt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an Attraktivität verloren.

"Die Zeit des Outsourcens und das Mantra der Kostensenkungen sind am Ende, denn das System funktioniert offensichtlich in der bisherigen Form nicht mehr", so Herth.

7200 Mitarbeitende fehlen

Laut dem Bundesverkehrsministerium fehlen in allen Bereichen der Luftverkehrswirtschaft derzeit rund 2000 Mitarbeitende.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft nennt dagegen weitaus alarmierendere Zahlen. Ihr zufolge verlor die Branche wegen des Personalabbaus in der Corona-Pandemie etwa 7200 Beschäftigte, deren Stellen nun unbesetzt sind.

Nach dem massiven Stellenschwund in den vergangenen zwei Jahren hält der Personalaufbau mit der starken Nachfrageerholung im Luftverkehr demnach nicht Schritt. Das führt zu Engpässen beim Check-in, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung.

Corona-Fälle beim Flugpersonal

Mithin gab etwa auch die Lufthansa-Tochter Eurowings jüngst an, noch mehr Flüge als bisher angekündigt streichen zu müssen – aufgrund der Personalengpässe beim Bodenpersonal an Flughäfen, aber auch wegen steigender Krankheitsfälle unter Crews.

Dem Ferienflieger machten derzeit vor allem steigende Zahlen von Corona-Fällen des Flugpersonals zu schaffen, hieß es weiter. Die Ausfälle überträfen die Personalreserven. Am Dienstag und Mittwoch etwa fielen rund 40 Flüge von täglich rund 500 aus, wie ein Eurowings-Sprecher mitteilte.

Gegenmaßnahmen geplant

Die Bundesregierung und Luftfahrtverbände arbeiten derzeit an Gegenmaßnahmen. So soll die Sicherheitsfreigabe für Flughafenbeschäftigte beschleunigt oder ausgebildetes Personal aus der Türkei angeheuert werden.

Die Vereinigung Cockpit fordert indes eine konzertierte Aktion, an der neben Politik und Unternehmen auch die Gewerkschaften beteiligt werden, um die Probleme anzugehen.

Video [aktueller bericht, 23.06.2022, Länge: 3:27 Min.]
Saarländische Urlauber auf spanischer Ferieninsel gestrandet
Urlauber aus dem Saarland sind heute mit masiven Verspätungen von Teneriffa nach Saarbrücken geflogen. Das hatte auch Auswirkungen auf weitere Flüge von und zum Flughafen Saarbrücken.

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